Rush-Hour in einer chinesischen Großstadt. <br> Quelle: Fotolia

Rush-Hour in einer chinesischen Großstadt.
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Börse 2011: Wer rettet die Retter?

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In kaum einem Jahr dürften die Unterschiede zwischen alter und neuer Welt stärker zutage getreten sein als 2010. Die Eurozone kämpft ums Überleben. Denn die Politik hat es versäumt und die Finanzelite verhindert, nötige Reformen durchzusetzen. Griechenland hat bis heute noch keinen vernünftigen Plan vorgelegt, um seinen Staatshaushalt zu sanieren und den Schuldenberg abzuarbeiten. Gedanken über Sparmaßnahmen sind verpönt. Stattdessen springen die noch halbwegs gesunden Euronationen über Staatsgarantien und Rettungsschirm denjenigen bei, die ihren Schuldendienst nicht mehr verrichten können. Zuerst Griechenland, dann Irland. Bald auch Spanien und Portugal? „Und wer rettet die Retter?“, fragt Starcapital-Gründer und Manager Peter E. Huber.

Und dann gibt es ja noch die Europäische Zentralbank (EZB), die die Anleihen kippender Euroschuldner aufkauft, um den Markt zu stützen. Sie wurde damit zum Diener der Politik, auch wenn EZB-Chef Jean-Claude Trichet behauptet, nur den Markt funktionsfähig halten zu wollen. Nichts anderes passiert in den USA. Dort kauft die Notenbank Fed weiter die Schuldscheine der führenden Wirtschaftsnation. 13,6 Billionen Dollar Schulden trägt die Regierung unter Barack Obama inzwischen vor sich her. Von Sanierungsplänen keine Spur. Im Gegenteil: Wirtschaftselitäre wie Paul Krugman fordern weitere Ausgaben, um die Wirtschaft zu stimulieren. Die Fed soll es finanzieren.

Obamas Gesetz, mit dem er das Finanzsystem nach der Krise auf ein solides Fundament stellen wollte, ist von Banklobbyisten und Republikanern gnadenlos weichgespült worden. Kann er Amerikas Wirtschaft so retten? No, he can’t. Was bleibt, ist Flickschusterei dies- und jenseits des Atlantiks. Von einer Linie keine Spur. Staaten und Unternehmen versuchen in erster Linie, das Beste für sich herauszuschlagen.

Wachstum hoch, Schulden niedrig

Ein umgekehrter Trend in den Schwellenländern: Allen voran sitzt China auf einer der größten Währungs- und Rohstoffschatzkisten der Welt und betreibt clevere Wirtschaftspolitik. Präsident Hu Jintao ist in der „Forbes“-Liste der mächtigsten Menschen der Welt auf Platz 1 gerückt – vor Obama. Auch andere asiatische Länder protzen in der Wirtschaft mit enormen Wachstumsraten. Ein ähnliches Bild bietet Südamerika, und selbst Afrikas Länder besinnen sich auf ihre Stärken und versuchen, sich gegenüber der westlichen Welt zu behaupten.

Diese Länder scheinen nicht so satt zu sein wie die westlichen. Sie haben nicht dieselben Fehler gemacht, um Wachstum um jeden Preis zu erreichen. Ob das so weitergeht, weiß natürlich niemand. Die bessere Ausgangslage für 2011 haben sie aber in jedem Fall. 

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