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Robert Halver zur Konjunkturentwicklung Rollt der Börsen-Stein des Sisyphus noch einmal zurück?

Chefanalyst der Baader Bank Robert Halver:
Chefanalyst der Baader Bank Robert Halver: Der Marktkenner schaut trotz vieler Krisen hoffnungsfroh auf die Aktienmärkte. | Foto: Robert Halver Baader Bank LL , Fotomontage: Canva

Bislang zeigte sich der Börsen-Sommer von seiner sonnigen Seite. S&P 500, Nasdaq, Dax und Euro Stoxx 50 haben den Bärenmarkt wieder verlassen. Ist das Gift der Zinsangst weniger toxisch? Hat der Optimismus sogar Steherqualitäten? Oder rollt – ähnlich wie beim armen Sisyphus – der mühsam auf den Börsen-Berg geschleppte Stein aufgrund konjunktureller und energiepolitischer Probleme wieder ins Tal zurück? 

Zinsangst als Fata Morgana

In den USA hat die Inflation offenbar ihren Zenit überschritten. Dies übt Druck auf die Anleiherenditen aus, die sich selbst von der Entwässerung der US-Notenbankbilanz nicht schrecken lassen. Trotz eines Abzugs von monatlich 95 Milliarden US-Dollar ab September wird die amerikanische Liquiditätsausstattung ohnehin erst im Frühjahr 2026 wieder auf Vor-Corona-Niveau kommen. Schon damals war Geld alles andere als knapp.

 

 

Zinsentspannung ist ebenso das Motto in Europa – wo die EZB anhaltend Renditekastration betreibt und Länder wie Italien weiter gegen alle Finanzrisiken vollkaskoversichert. Und zieht man von den Anleiherenditen die zunächst weiter hohe Inflation ab, macht der Rentenmarkt so wenig Spaß wie im Hochsommer ein Schwimmbecken ohne Wasser.

Auch über das Ende der Minuszinsen kommt keine Freude auf. Nach Abzug der Inflation in Europa wird kurzfristiges Geldparken auch zukünftig mit teuren Knöllchen geahndet. Es gibt also keine Kompensation für eine deutsche Inflationsrate – die unter anderem wegen Gasumlage sowie des wegfallenden des Neun-Euro-Tickets und des Tankrabatts im Oktober und November auf über 9 Prozent getrieben wird. 

Vor diesem Hintergrund bleibt Zinssparen Vermögens-Selbstmord. Von dieser Seite aus betrachtet haben Aktien wenig zu befürchten.

Die US-Wirtschaft schrumpft zwar real, aber …

Wie gehen die Aktienmärkte mit der Konjunkturschwäche um? Die US-Wirtschaftsleistung ist in zwei Quartalen hintereinander gefallen. Darüber kann auch die verhältnismäßig robuste Berichtsaison nicht hinwegtäuschen. Ohne Energietitel sind die Gewinne der S&P-500-Unternehmen im zweiten Quartal um fast 4 Prozent gefallen.

Doch haben wir es derzeit mit einer untypischen Rezession zu tun. Real schrumpft Amerika zwar. Wegen der konjunkturuntypisch hohen Teuerung schlägt das nominale Herz aber so stark wie seit vielen Jahrzehnten nicht mehr: In den letzten fünf Quartalen sind die USA im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 17, 10, 12, gut 11 beziehungsweise 10 Prozent gewachsen.