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Bulle vor der New Yorker Börse: Mit Kursschwankungen kann die menschliche Psyche schlecht umgehen. | © Getty Images

Durchhaltevermögen an der Börse Die Psyche spielt immer mit

Jeden Tag dieselbe Qual: Ein Blick ins Depot, und die gute Laune ist dahin. An manchen Tagen steigen Aktienindizes zwar auf breiter Front. Doch bei einigen Wertpapieren zeigt der rote Pfeil nach unten unmissverständlich, dass die Titel gestern etwas teurer waren. Noch schlimmer wird es, wenn Investoren sich die Höchstkurse ansehen, die ihre Aktien seit dem Erwerb erreicht haben. Bei fast allen Werten wäre ein Verkauf in der Vergangenheit – wenn auch nur zu ganz bestimmten Terminen – besser gewesen.

Wertpapiere sind fast immer „unter Wasser“

Hat ein Investor ein Wertpapier zu 100 Euro erworben und notiert es derzeit bei 98 Euro, befindet es sich 2 Prozent im Minus. Steigt die Aktie zunächst auf 110 Euro, um dann später auf 105 Euro zurückzufallen, ist sie gefühlt sogar 4,5 Prozent „unter Wasser“. „Unter Wasser“ bezeichnet immer den prozentualen Verlust eines Wertpapiers vom höchsten, seit dem Kauf erreichten Preis. Das ist der sogenannte „Drawdown“.

Anleger orientieren sich mangels Bezugsgrößen am Höchstkurs. Das erzeugt ein Gefühl des Zweifelns und Bedauerns. Ein Blick auf den Leitindex Dax zeigt, dass Aktien der üblichen Betrachtungsweise entsprechend fast immer zu wenig wert sind. So notierte das wichtigste deutsche Aktienmarktbarometer seit dem 1. Januar 1988 (Normierung auf 1.000 Punkte) an 94,9 Prozent aller Handelstage unterhalb seines jeweils historischen Höchststandes. An mehr als einem Viertel der Tage (25,6 Prozent) betrugen die Verluste ausgehend vom Höchststand sogar über 25 Prozent.

Das permanente Bedauern von Investionen hat verheerende Folgen. Da Anleger ständig mit ihrem Schicksal hadern, verlieren sie den Blick auf Faktoren, die bei der Auswahl von Wertpapieren und der Zusammenstellung ausgewogener Depots tatsächlich wichtig sind. Stattdessen handeln sie in kurzes Abständen und verkaufen solide Aktien zu früh.

Gleichzeitig fördert das Nachdenken über Anlagefehler prozyklisches Anlageverhalten. Steigen die Börsenkurse auf breiter Front, bessert sich die Stimmung an den Börsen. Investoren kaufen dann vermehrt riskante Wertpapiere. Bei stark fallenden Kursen tätigen sie zusätzliche Verkäufe. Im schlimmsten Fall verzichten Anleger sogar auf den Kauf guter Aktien.

Günstig kaufen, teuer verkaufen

Sind Aktien günstig, sollten Investoren kaufen. Sind sie teuer, ist ein guter Zeitpunkt für Verkäufe. Um Denkfehler zu vermeiden, müssen sich Anleger zunächst bewusst machen, dass die menschliche Psyche mit Kursschwankungen nicht gut umgehen kann. Willenstärke allein reicht nicht, um das Problem zu lösen. Mit bestimmten Strategien lassen sich die Nachteile hektischer Verkäufe, häufiger Positionswechsel und teurem Herdenverhalten jedoch begrenzen.

Wer seine psychologischen Barrieren überwindet, wird reichlich belohnt. Das lässt sich anhand einer einmaligen, ununterbrochenen Investition in den Dax zeigen. Eine Anlagesumme von 100.000 Euro aus dem Jahr 1988 ist heute trotz der Dotcom-Blase der Jahre 2001 bis 2003, der globalen Finanzkrise 2008 bis 2009 und der Eurokrise 2011 bis 2012 1,233 Millionen Euro wert. Das entspricht einer jährlichen Rendite von 8,3 Prozent.

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