Händler an der New York Stock Exchange (NYSE): Die Notenbankpolitik treibt die Aktienkurse.  | © Getty Images

Börsen nach Rekordjahr

Mächtig aufgeblasen

Es braucht zurzeit nicht viel, um Aktienkurse in den Keller zu jagen. Manchmal reicht sogar eine kleine Eisenkugel, wie Tesla-Chef Elon Musk unlängst bei der Präsentation des neuen Elektro-Pick-up-Trucks seiner Firma erleben musste. Eine solche warf nämlich Chefdesigner Franz von Holzhausen auf der Bühne gegen den Prototypen, woraufhin eine der vermeintlichen Panzerglasscheiben zersplitterte. Obwohl Medienprofi Musk etwas irritiert, aber lächelnd über die Panne hinwegmoderierte, war das Ergebnis verheerend. Die Tesla-Aktie verlor schlagartig 6 Prozent an Wert. Alleine die Anteile von Unternehmensboss Musk waren danach rund 640 Millionen Euro weniger wert.

Klingt nach viel, ist aber wenig, verglichen mit dem Einschlag, den Tweets von Donald Trump auslösen können. Im August 2019 blies der US-Präsident auf einen Streich eine Handvoll negativer Kurznachrichten zum Notenbanktreffen in Jackson Hole und zum Handelskonflikt mit China in die Welt. Eine Viertelstunde später notierte der Dow Jones bereits 400 Punkte niedriger. Bis zum Börsenschluss brachen die Aktienmärkte weiter ein und vernichteten insgesamt 500 Milliarden US-Dollar an Börsenwert.

Diese heftigen Abstürze beunruhigen Experten wie Seema Shah, Chefstrategin bei Principal Global Investors: „Das sind zwar kurzfristige Ausschläge, die einen langfristig orientierten Investor nicht kümmern sollten. Doch die Geschwindigkeit macht Sorgen, mit der Risiken plötzlich auf die Portfolios der Anleger durchschlagen können.“ Die Reaktionsgeschwindigkeit der Kapitalmärkte habe sich innerhalb weniger Jahre vervielfacht, so die Analystin.

Statistisch erscheinen die Aktienkurse jedoch nicht nervös. Momentan schwanken sie sogar besonders wenig, wie der nur knapp über seinem historischen Tiefststand liegende Volatilitätsindex Vix belegt. Vielmehr dürften nicht wenige Anleger mit dem Aktienjahr 2019 höchst zufrieden sein. Der deutsche Leitindex Dax etwa notiert knapp ein Viertel höher als noch zu Beginn des Jahres (Stand 22. November), dicht gefolgt vom Eurozonen-Aktienkorb Euro Stoxx 50 mit einem Plus von 23 Prozent.

Auch die Börsenbarometer in New York legten eine rasante Rally hin. Der US-Aktienindex Dow Jones übersprang erstmals in seiner Geschichte die Marke von 28.000 Punkten. Mit ihm marschierten die Indizes S&P 500 und Nasdaq 100 ebenfalls auf neue Rekordstände.


Obwohl der enorme Börsenaufschwung bereits Anfang 2009 kurz nach der Finanzkrise begann und lediglich einige zeitweilige Rückschläge hinnehmen musste, scheinen ihn selbst Hiobsbotschaften in rauen Mengen nicht stoppen zu können. Und die gab es 2019 reichlich: Allen voran lastete der Handelsstreit zwischen den USA und China auf den Konjunkturaussichten, ebenso wie der Kampf der beiden Länder um die weltweite Technologieführerschaft. Das nicht enden wollende Trauerspiel um den Brexit, die auf breiter Front erodierenden Unternehmensgewinne und der Ölpreisschock nach dem Angriff auf eine saudische Raffinerie taten ihr Übriges, die Anlegerstimmung zu dämpfen.

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