Quelle: Istock

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Börsen Südostasiens: Zentrum des Wachstums

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Drei Faktoren bestimmen das Langstrecken-Tempo an den südostasiatischen Aktienmärkten: erstens die Bewertungen, zweitens die Richtung des weltweiten Produktionszyklus, vor allem das Wirtschaftswachstum in China, und drittens die Risikofreude der Investoren und die Liquidität an den Märkten.

Die Bewertungen an den Börsen der Region, zu der unter anderem China, Indien, Thailand, Indonesien, Singapur, Taiwan, Südkorea und Australien zählen, liegen derzeit über ihren langfristigen Durchschnittswerten. Zwar sind Aktien noch nicht überteuert, aber „die Wahrscheinlichkeit, Geld zu verlieren, liegt derzeit bei über 60 Prozent“, sagt Christian Heger, Investment-Chef von HSBC Global Asset Management in Deutschland. „Der Markt ist nicht billig. Und weitere positive Überraschungen im Hinblick auf das Wirtschaftswachstum wären sehr hilfreich.“
Dieser Artikel stammt aus der aktuellen Ausgabe von DAS INVESTMENT (Dezember 2009).

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Asiens Wachstumszentrum China meldete jüngst hervorragende Zahlen: Im dritten Quartal dieses Jahres wuchs die Wirtschaft um 8,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Überrascht hat dies allerdings niemanden. „2009 dürfte Chinas Wirtschaft um mindestens 8 Prozent wachsen“, sagt Andreas Rees, Chefvolkswirt von Unicredit. Das Konjunkturpaket von rund 450 Milliarden Euro zeige seine Wirkung. Die Wachstumsbeschleunigung sei allerdings nicht nur auf die staatlichen Maßnahmen zurückzuführen. Der Aufschwung habe deutlich an Breite gewonnen. Rees: „Die Einzelhandelsumsätze wachsen weiter stark.“ Und die Exporte legten seit ihrem Tiefpunkt im ersten Quartal 2009 ebenfalls äußerst stark zu. „Die Erholung gewinnt an Dynamik“, sagt auch Nomura-Analyst Mingchun Sun. Schon bald dürfte Chinas Wirtschaft wieder zweistellig wachsen. Für das erste Quartal 2010 rechnet der Chef der Research-Abteilung für chinesische Aktien bereits mit einer Wachstumsrate von 13 Prozent.

Einige Experten machen sich darum bereits Sorgen über Inflation und die Folgen einer strafferen Wirtschaftspolitik Chinas. Auch Rees hält einen Wechsel in der Fiskal-, Geld- und Währungspolitik In der ersten Jahreshälfte 2010 für wahrscheinlich. Er gibt jedoch Entwarnung: „Der Wechsel wird graduell erfolgen, um die konjunkturelle Aufwärtsbewegung nicht zu gefährden“, so der Volkswirt. Auf der Tagesordnung stünden eine straffere Geldpolitik, also steigende Zinsen, und eine Aufwertung des Renminbi gegenüber dem US-Dollar. „Die Märkte haben auf Sicht von zwölf Monaten eine Aufwertung von rund 3 Prozent eingepreist, was nach unserer Einschätzung realistisch ist“, sagt Rees. Die negativen Auswirkungen für die chinesischen Firmen sollten begrenzt bleiben.

In puncto Liquidität stehen die asiatischen Märkte nach wie vor gut da: „Die Zinsen sind niedrig, und die Geldmenge dürfte hoch bleiben“, sagt HSBC-Mann Heger. Der Risikoappetit der Investoren steige wieder, wovon die als riskant geltenden asiatischen Aktien profitierten. „Allerdings könnten Anleger bei jeglichen Anzeichen einer geldpolitischen Verschärfung nervös werden“, so Heger. Anders als Unicredit-Volkswirt Rees rechnet Heger jedoch vorerst nicht damit: „Die Notenbanken in Asien richten sich nach der Entwicklung im Westen, wo man sich kurzfristig keine Sorgen über die Inflation macht.“

An defensive Werte halten

Hinzu kommt, dass Asien in den internationalen Portfolios noch untergewichtet ist. „Wir schätzen, dass globale Investoren in den vergangenen Monaten erst rund 45 Prozent ihrer Verkäufe in 2007 und 2008 wieder reinvestiert haben“, sagt Hiroshi Yoh, Asien-Experte und Geschäftsführer von Tokio Marine Asset Management International aus Singapur. Zusätzlich gebe es noch Potenzial von asiatischen Anlegern, die ebenfalls deutlich unterrepräsentiert seien. Yoh: „Allein in China wächst das private Finanzvermögen um 18 Prozent pro Jahr.“

Fazit: Die südostasiatischen Börsen bleiben auf der Überholspur. Wegen der nicht mehr ganz günstigen Bewertungen ist das Risiko kurzfristig fallender Aktienkurse allerdings gestiegen.

Investoren sollten sich deshalb eher an defensive und auf inländisches Wachstum orientierte Werte halten oder in die entsprechend ausgerichteten Fonds investieren.

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