Börsenausblick auf das Jahr 2019 „Die Rally am Aktienmarkt ist noch nicht vorbei“

Blick aus dem Weltall auf die Erde: Die Analysten von Principal Global Investors (PGI) erwarten 2019 unter anderem, dass sich die Kapitalmärkte der weltweiten Schwellenländer erholen, das Wachstum in China aber nachlässt. | © Pixabay

Blick aus dem Weltall auf die Erde: Die Analysten von Principal Global Investors (PGI) erwarten 2019 unter anderem, dass sich die Kapitalmärkte der weltweiten Schwellenländer erholen, das Wachstum in China aber nachlässt. Foto: Pixabay

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Investoren sollten im Hinblick auf den Aktienmarkt Vorsicht walten lassen. Die Geldpolitik kehrt allmählich zur Normalität zurück, die Zinsen steigen wieder und die Liquiditätszuflüsse durch die Zentralbanken werden langsam eingestellt. Das globale Wirtschaftswachstum zeigt sich zwar auch nach seinem Höhepunk Anfang 2018 robust, der Trend variiert aber je nach Region: In den USA oder in Indien sind die Wirtschaftsgewinne überragend, und während die Eurozone und Japan sich allmählich von einem schwächeren ersten Halbjahr erholen, befindet sich Chinas Wachstum in einer anhaltenden strukturellen Verlangsamung.

Noch ist die Aktienmarktrally aus unserer Sicht nicht vorbei: Bedingt durch eine robuste US-Wirtschaft, kräftige Unternehmensgewinne und einem soliden Weltwirtschaftswachstum könnte der Optimismus und der Aufwärtstrend bis Ende des Jahres und sogar bis Anfang 2019 anhalten. Es mag widersprüchlich erscheinen, auf den Finanzmärkten zur Vorsicht zu mahnen, wenn die US-Wirtschaft boomt und die Weltwirtschaft solide ist. Aber genau dieses robuste Wachstum stört seit einigen Jahren die wichtigen Treiber der Finanzmärkte: die extrem niedrigen Zinsen und die nach der globalen Finanzkrise bereitgestellte Liquidität.

Das US-Wachstum ist mehr als solide

Robert F. Baur, Chefökonom bei PGI

Die USA erfährt das stärkste Wachstum seit Jahren. Das Verbrauchervertrauen ist nahe der historischen Höchstwerte und der Optimismus kleinerer Unternehmen erreicht Rekordhöhen. Die Arbeitsmarktsituation ist vorbildlich. Unter anderem sind die durchschnittlichen Stundenlöhne im August gegenüber dem Vorjahr um 2,8 Prozent gestiegen und erzielten dadurch das beste Ergebnis seit fast zehn Jahren. Der Wohnungsbau war die einzige Schwachstelle, denn die Hypothekenzinsen stellten die Erschwinglichkeit von Wohneigentum in Frage. Noch dazu waren die Erträge beim Hausverkauf gering.

Die Fundamentaldaten deuten auf ein US-Wirtschaftswachstum zwischen 3,0 und 3,5 Prozent hin – mit einer moderaten Verlangsamung gegen Ende 2019. Der Schlüssel zur Fortsetzung dieser Expansion ist ein solides Lohnwachstum. Wenn die Inflation wie erwartet schwach bleibt, bedeutet ein schnelleres Lohnwachstum ein höheres inflationsbereinigtes Haushaltseinkommen. Steigendes Realeinkommen führt demzufolge auch zu höheren Lebensstandards. Das würde das Vertrauen, die Konsumausgaben und die Investitionen aufrechterhalten und die sicherlich längste Expansion in der Geschichte der USA fortführen.

Europa enttäuscht Investoren eher

Neue Emissionsstandards in der Autoproduktion gingen mit schwächeren Industriedaten einher. Über das vergangene Jahr ging das Wirtschaftsvertrauen in der Eurozone zurück. Für 2019 erwarten wir, dass sich das Wirtschaftswachstum zwischen 1,5 und 2,0 Prozent einpendeln wird. Der Arbeitsmarkt ist ein Lichtblick, da die Arbeitskosten nur langsam gestiegen sind und die Arbeitslosenquote sinkt.

Die Aussichten auf einen starken Lohnanstieg sind ausgezeichnet und sollten den privaten Konsum fördern, der als Motor für das Wirtschaftswachstum zählt. Diese Aussicht hat der Europäischen Zentralbank (EZB) Zuversicht gegeben, den Zielwert der Inflationsrate zu erreichen. Für den 1. Januar 2019 erwarten wir, dass die EZB ihre Anleihekäufe reduziert und ab der zweiten Jahreshälfte die Zinspolitik normalisiert.

Gewinne in Japan brechen Rekorde

Japan hat starke Fundamentaldaten vorzuweisen. Laut des Nikkei Asian Review verzeichnet fast jedes vierte Unternehmen enorme Gewinne. Rekordverdächtige Beschäftigungsraten und höhere Löhne bringen mehr Frauen und ältere Arbeitnehmer zurück auf den Arbeitsmarkt. Dennoch reichen die Arbeitskräfte nicht aus, was zu höheren Kapitalausgaben führt: Im vorigen Quartal schnellten sie auf den Höchststand seit elf Jahren. Dieses Umfeld, das geprägt ist von Konsumausgaben, höheren Löhnen und einem angespannten Arbeitsmarkt, wird Japans Wirtschaftswachstum 2019 auf 1,0 bis 1,5 Prozent anheben.