Börsenausblick auf das Jahr 2019 „Die Rally am Aktienmarkt ist noch nicht vorbei“

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Geringeres China-Wachstum erwartet

Chinas Industrie bewegt sich auf einem Level, auf dem kein weiteres Wachstum mehr stattfinden wird. Das zumindest haben Konjunkturuntersuchungen ergeben. Die Gewinne für Anlageinvestitionen sind im August auf ein Rekordtief gefallen. Überraschenderweise stiegen die Einzelhandelsumsätze leicht an, während das Wachstum der Industrieproduktion erstmals seit vier Monaten wieder moderat zunahm.

Eine erhöhte Bankliquidität, die Lockerung der Kreditvergabekriterien und erhebliche Einkommenssteuersenkungen für private Haushalte könnten das Wachstum bis zum Jahresende selektiv ankurbeln. Dennoch sind die Chancen eher gering, dass das Wachstum mehr als moderat ausfällt. Die Versuche, das zu hohe Schuldenwachstum sowie die bald rückläufige Zahl der Arbeitskräfte zu verringern, deuten darauf hin, dass sich das Wirtschaftswachstum langfristig verlangsamen wird. Wir rechnen bis Anfang nächsten Jahres mit einem offiziellen Wachstum im niedrigen 6-Prozent-Bereich.

Erholung in den Schwellenländern

Nach Monaten der Währungsabschwächung und der Spread-Ausweitung erholen sich die Schwellenländer wieder. Dazu hat auch die Stabilisierung der chinesischen Währung Yuan über die vergangenen zwei Monate beigetragen. Die Märkte begrüßen die Maßnahmen der türkischen Zentralbank, ihre Währung zu stützen. Darüber hinaus haben die Zentralbanken in Indien, Russland und Indonesien die Zinsen erhöht. Bezüglich des Wirtschaftswachstums stellt Indien eine Ausnahme dar. In den übrigen Ländern erwarten wir ein verlangsamtes Wachstum.

Die Währungsstabilisierung und der Optimismus der Investoren brachte den Währungen der Schwellenländer, den Anleihen sowie die Aktien eine willkommene Pause. Sollte die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) ab März 2019 die Zinsen nicht weiter anheben, käme dies den Schwellenländern zugute. Der schrittweise Abbau der Überschussliquidität, höhere Renditen für US-Staatsanleihen mit einer längeren Laufzeit, ein weiterhin starker US-Dollar sowie ein verlangsamtes Wachstum in China sorgen dennoch weiterhin für Gegenwind in allen Schwellenländeranlagen.

Entwicklung der globalen Zinsraten

Anleger liebäugeln noch immer mit der säkularen Stagnationshypothese, bei der die Inflation, Zinsraten und das Wirtschaftswachstum über einen längeren Zeitraum niedrig bleiben. Der Grund: Die Zentralbanken sind nicht in der Lage, die Inflation anzukurbeln, da das potenzielle Wirtschaftswachstum eingebrochen ist. Das ist die Geschichte der sogenannten neuen Normalität. Doch diese sollte angesichts des robusten Weltwachstums und dem wirtschaftlichen Aufschwung in den USA in den letzten 18 Monaten beendet sein.

Wir gehen davon aus, dass die Renditen für US-Staatsanleihen mit einer längeren Laufzeit in den kommenden Monaten mit rund 3,5 Prozent höher ausfallen werden. Dies dürfte die Renditen von Unternehmens- und Schwellenländeranleihen erhöhen sowie die Spreads gegenüber Staatsanleihen ausweiten. Der lange Aufwärtstrend der US-Aktien seit März 2009 wurde von den extrem niedrigen Zinsen der Zentralbanken getrieben. Höhere Zinsen werden den Aktienmarkt entsprechend aufwirbeln. Sollten die Turbulenzen am Aktienmarkt zunehmen, werden die Renditen für Anleihen mit einer längeren Haltedauer zurückgehen, sodass die Renditen für US-Staatsanleihen nicht sehr lange bei 3,5 Prozent stehen werden.

Fed wird auf Juni-Erhöhung verzichten

Mit dem Zinsanstieg der Fed im September liegt der Leitzins nun bei 2,25 Prozent. Darüber hinaus wird die Fed vermutlich im Dezember die Zinsen ein weiteres Mal anheben und plant für 2019 drei weitere Anhebungen. Dies scheint aus mehreren Gründen unverhältnismäßig zu sein: Wir erwarten, dass die Inflation über die nächsten Jahre moderat bleibt. Denn unabhängig vom Wohnungsmarkt in den USA bleiben die Komponenten der Verbraucherpreisinflation unter 2 Prozent. Es gibt keinen Grund, warum die Fed den Leitzins noch weiter erhöhen sollte.

Zwei weitere Anhebungen im Dezember und im März könnten den Leitzins auf 2,75 Prozent anheben, sodass er einen neutralen Wert bekommt. Unter diesen Gesichtspunkten wird sich die Inflation nahe des Ziels der Fed einpendeln und das Lohnwachstum wird nicht weiter in die Höhe schnellen. Dementsprechend halten wir es für wahrscheinlich, dass die Fed nach der Erhöhung im März wohl pausieren und auf die für Juni geplante vierteljährliche Erhöhung verzichten wird.

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