Börsenexperte Robert Halver Möge der Tag der Aktie zu einem lebenslangen Aktiensparen führen

Seite 2 / 2

Noch mehr Schmackes haben US-Aktien. Als der Dow Jones am 8. Januar 1987 das erste Mal über 2.000 Punkte stieg, sprach man von einem völlig übertriebenen Aktienniveau, dem ein scharfer Einbruch folgen müsste. Dieser kam tatsächlich: Vom 13. bis 19. Oktober verlor der Index 30 Prozent. Doch gehört zur Aktie-Wahrheit dazu, dass der Dow Jones seit Januar 1987 sein Kursniveau bis heute fast verdreizehnfacht hat. Der DAX hat sich „nur“ gut verachtfacht, obwohl er bei der Wertentwicklung im Gegensatz zu US-Aktienindices noch die Dividenden berücksichtigt.

Apropos Dividende, im Vergleich zu Zinsen sind sie keine Armenspeisung, sondern ein vollständiges Menü. Schon der DAX als nicht ausschüttungsstärkster Aktienindex hat eine durchschnittliche Dividendenrendite von 2,7 Prozent. Aktuell liegt sie bei 3,5 und für Euro-Dividendenindices bei weit über fünf Prozent. Bei Wiederanlage hat man einen wunderbaren „Zinseszinseffekt“. Dividenden haben übrigens eine kursstabilisierende Wirkung.

Grafik: Dividendenzahlungen der Dax-Unternehmen

 

Der Totalausfall von Zinsvermögen sowie die Dividendenfreuden sind bereits markante Aktientreiber. Doch der besondere fundamentale Schmierstoff für Aktienhaussen kommt von Megathemen.

Aktien brauchen marktbewegende Megathemen

In der Vergangenheit haben bereits Reagonomics, Internet, Globalisierung, Europäische Konvergenz, Schwellenländer oder China ihre Wirkung auf Aktien nicht verfehlt. Zukünftig werden ebenso Klimaschutz und die damit verbundene Offensive der Klimatechnik sowie die erst am Anfang stehende Digitalisierung mächtig Eindruck hinterlassen. Die digitale Revolution wird Produktivität, Wachstum und Unternehmensgewinne ähnliche Quantensprünge bescheren wie früher die Dampfmaschine.

Vor diesem Hintergrund kommen selbst eingefleischte Zinsanleger an einer strategischen Vermögensneuausrichtung mit mehr Aktien - insbesondere als Vorsorge für das Alter - nicht vorbei.

Wie kann man den „Kulturschock“ von Aktien für Zinsanhänger mildern?

Da jedoch Aktien auch zukünftig schwanken werden wie Schiffe auf dem Meer, bleiben sie für Zinsgläubige eine schwer zu nehmende Hürde. Als Sprungfedern sind jedoch regelmäßige Aktiensparpläne, auch über kleine, gut verdauliche Anlagebeträge bestens geeignet. 

Denn in sinkenden Kursphasen erhält man das Anlageobjekt Aktie zum günstigen Preis bzw. für den gleichen Spar- mehr Aktienanteile. In der Ansparphase kann man sich also über Kursverluste wegen Handelskrieg oder Brexit sogar freuen. Vor allem macht aber Freude, dass bei Börsenerholung das gesamte Aktienvermögen aufsteigt wie ein Heißluftballon.

Doch sollte bei nahendem Auszahlungsbeginn das Aktienrisiko grundsätzlich heruntergefahren und Kursgewinne durch Verkäufe immer mehr realisiert werden. 

Als Anlagevehikel haben Aktien-Fonds bzw. Aktien-ETFs auf große Indices Priorität. Dann schlagen Einzelrisiken wie Wirecard, Bayer, Facebook oder Boeing weniger zu Buche. Überhaupt sorgen regelmäßige Aktienwechsel dafür, dass die Indices auf der Höhe der wirtschaftlichen Zeit sind, attraktiv, sozusagen frisch bleiben.

Je früher man mit regelmäßigen Sparplänen anfängt, umso weniger lässt es sich verhindern, ein ordentliches Aktienvermögen aufzubauen. 

Ein Aktiensparplan ist ein kleiner Schritt für einen bisherigen Zinssparer, aber ein großer Sprung für seine Altersvorsorge.  

Autor Robert Halevr leitet die Kapitalmarktanalyse der Baader Bank in Frankfurt.

Mehr zum Thema
Kurswechsel beim Ethna AktivPesarini will keine Aktien mehr kaufen Datendienstleister Company.info startet in Deutschland„Unternehmen verlieren bei Erhebung von Unternehmensdaten zu viel Zeit und Geld“ Folker HellmeyerKonjunkturzyklik, Zentralbankpolitik – Klartext!