In diesem Fall könnte der US-Aktienmarkt seinen mehrjährig erarbeiteten Vorsprung zunehmend zugunsten von Aktien aus anderem Regionen einbüßen. Immerhin werden erneuerbare Energien und Klimaschutz eine besondere politische Wertschätzung erfahren und entsprechenden Titeln an der Börse Potenzial verleihen.

Für wirklich wirtschaftsschädigende Vorhaben bräuchten die Demokraten neben der Mehrheit im Repräsentantenhaus aber auch die deutlich schwerer zu erreichende Mehrheit im Senat, was insgesamt erst ein Durchregieren ermöglicht. Ohnehin wäre ein Präsident Biden nicht wie Bernie Sanders von der sozialistischen Muffe gepufft. Er ist aus der Mitte, gilt als gemäßigt und weiß, dass Wirtschaft nicht alles ist, aber ohne Wirtschaft alles nichts ist. Und er weiß auch, dass Aktien für Amerikaner als Altersvorsorge eine wichtige Rolle spielen.

Grundsätzlich ist etwas mehr „Versöhnen statt Spalten“, mehr soziale Gerechtigkeit und Gesundheitsfürsorge geeignet, dem dramatischen gesellschaftlichen Auseinanderbrechen Amerikas entgegenzuwirken und innenpolitisch wieder Ruhe in den Karton zu bringen, was auch der Börsenstimmung zuträglich ist.  

Mehr Diplomatie, weniger Krisenmodus auf den weltweiten Finanzmärkten
Wie die Republikaner fallen auch die Demokraten nicht durch große China-Freundlichkeit auf. Doch werden sie transpazifische Konflikte diplomatischer angehen, was die weltweiten Finanzmärkte weniger unter Krisendruck setzt. Auch ist von Biden wieder mehr transatlantischer Schulterschluss zu erwarten. Es wird zwar kein amerikanisches Zurück zur alten Nibelungentreue zu Europa geben. Auch Biden weiß, dass die Musik heute im pazifischen Raum spielt. Und dennoch, wird der Sicherheitsarchitektur des westlichen Bündnisses wieder mehr Leben eingehaucht, kommen europäische Aktienmärkte in den Genuss einer geo- und handelspolitischen Stabilisierung. 

Insgesamt könnten die Finanzmärkte - vor allem in Europa - mit Joe Biden gut leben.