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Welche Lehren Investoren aus dem Börsenjahr 2022 ziehen
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Rückblick Welche Lehren Investoren aus dem Börsenjahr 2022 ziehen

Kunden in einem Supermarkt.
Kunden in einem Supermarkt: 2023 stehen Lohnabschlüsse an, die zumindest große Teile des Inflationsschocks abfedern können. | Foto: Imago Images / Levine-Roberts

Im Rückblick wird 2022 als Jahr des Kriegsausbruchs in der Ukraine in die Geschichte eingehen. Schon heute gilt das Ereignis am 24. Februar als Zäsur: Für Politik, Wirtschaft und auch die Finanzmärkte. Doch schaut man genauer auf die ersten Wochen des Jahres 2022, so fällt auf, dass sich eine Kursschwäche in vielen Indizes bereits vor Kriegs-Ausbruch gezeigt hat. Etwa schwächelte der MSCI World schon Anfang 2022. Was können Anleger davon für 2023 lernen?

Aktuell tendieren die Aktienmärkte verhalten positiv. Die Teuerung in Form der US-Erzeugerpreise hat auf hohem Niveau einen Rückwärtsgang eingelegt. Auch sprechen Arbeitsmarktdaten und Einzelhandelsumsätze dafür, dass die Krise erneut an den Konsumenten vorbeigehen könnte. Wir erinnern uns: Auch während der ersten Corona-Monate 2020 hatten viele Anleger eine langanhaltende Rezession erwartet. Geblieben ist nur ein kurzes, schockhaftes Abtauchen der Wirtschaftsaktivität, von dem sich Konsumenten weitgehend unbeeindruckt zeigten. Auch 2023 könnte das Schlimmste ausbleiben, wenn Konsumenten weiter in Kauflaune sind. Da zudem Lohnabschlüsse bevorstehen, die zumindest große Teile des Inflationsschocks abfedern werden, könnte die Konjunktur erneut die Kurve kriegen. Anleger, die heute statt in Lethargie zu verfallen, marktbreit Ausschau nach Chancen halten, können davon profitieren. Ähnlich, wie sich auch der Crash 2022 im Vorhinein andeutete, wird auch eine mögliche Erholungs-Rally zuerst auf Teilmärkten erste Signale senden. Im Blick sollten Anleger neben Aktien-Indizes aus aller Welt insbesondere auch Rohstoffe haben, allen voran Kupfer, Öl und auch Gold.

Bei Gold haben sich zuletzt bereits einige positive Signale gezeigt. Auch die Industrierohstoffe Öl und Kupfer haben für die Realwirtschaft eine Signalwirkung: Kauft die Industrie diese wichtigen Rohstoffe und treibt damit den Preis, steht es um die Wirtschaft so schlecht nicht. Nicht umsonst wird Kupfer im angelsächsischen Sprachraum auch „Dr. Copper“ genannt – die Preiskurve ist mit ihren Prognosen verlässlicher, als manch ein Volkswirt. Was wird 2023 noch wichtig?

Coolness oder Sparplan – Anleger haben die Wahl

Stehen die Aktienmärkte am Anfang einer langfristigen Aufwärtsbewegung, ist diese Phase in der Regel von einer großen Unsicherheit geprägt. Auch wenn es aktuell gute Gründe gibt, optimistisch zu sein, sollten Anleger nicht den Fehler machen, den Kursen hinterherzulaufen. Gerade 2023 gibt es keinen Grund, als letzter Anleger auf fahrende Züge aufzuspringen. Vielmehr müssen sich gerade Optimisten disziplinieren. Der Grund: Am Kapitalmarkt verlaufen Kurse in Wellen. Auf jede Aufwärtsbewegung folgt auch eine Abwärtsbewegung. Gerade an Wendepunkten, an denen sich Pessimisten und Optimisten die Waage halten, können Kurse volatil verlaufen. Ein Beispiel ist etwa die Bärenmarkt-Rally vom Sommer 2022, als die Kurse ohne Unterbrechung für mehrere Wochen nach oben schossen. Dax-Investoren, die gegen Ende dieser Bewegung von der Gier gepackt wurden und investierten, mussten bis Mitte November warten, bis sie wieder im grünen Bereich waren. Zwischendurch mussten diese Anleger bis zu 15 Prozent Verlust aussitzen.

 

 

Im Rückblick mögen manche Anleger diese Achterbahnfahrt unter der Überschrift „Gerade noch mal gut gegangen“ subsummieren, doch ist Volatilität für Anleger Sprengstoff: Im schlimmsten Fall machen Investoren in einem Marktumfeld, wie es für die kommenden Monate zu erwarten ist, trotz historisch einmaliger Einstiegschancen Verluste. Der Grund liegt nicht selten in zu prozyklischem Verhalten. Daher sollten Anleger gerade für 2023 darauf achten, Aktien eher günstig einzusammeln als nach bereits erfolgten Kursgewinnen noch auf den fahrenden Zug aufzuspringen.

Ein Tipp, der sich in jeder Marktphase bezahlt macht und der gerade während unsicheren Zeiten Risiken effektiv reduziert, ist der Einstieg in den Markt in Tranchen. Auch der Einsatz von Sparplänen macht sich bezahlt. Hintergrund ist, dass wir auf diese Weise effektiv Timing-Risiken reduzieren können. Wer sich, wie etwa während der Sommer-Rally zu einem späten Kauf hat hinreißen lassen, ist dem Markt – zumindest bis Mitte Oktober – auf den Leim gegangen. Wer stattdessen regelbasiert monatlich am Aktienmarkt zukauft, hat während des volatilen Börsenjahres 2022 weder überragend günstig, noch zu teuer gekauft. Langfristige Zeitreihen-Untersuchungen über Jahrzehnte haben gezeigt, dass derartiges regelbasiertes Investieren unabhängig von kurzfristigen Entwicklungen am Kapitalmarkt einen langfristigen Vorteil bringt. Gerade Privatanleger, die heute größere Beträge auf der hohen Kante haben, sollten sich mit Blick auf 2023 eine Strategie überlegen. Zumindest einen Teil mittels Sparplänen zu investieren, kann durchaus Sinn machen.

Wer mit Blick auf 2023 Augen und Ohren offenhält und auch Entwicklungen anderer Anlageklassen als Aktien im Fokus hat, bei Rally-Bewegungen nicht zu gierig ist und auch beim Einstieg in den Markt Money-Management betreibt, der ist für das bevorstehende Börsenjahr bereits sehr gut aufgestellt. Nach den Kursverlusten des Jahres 2022 sind viele Aktien bereits wieder günstig. Professionelle Marktteilnehmer, wie etwa Hedgefonds, befinden sich selbst bei angeschlagenen Tech-Werten, wie etwa Meta Platforms, bereits wieder auf der Käuferseite. Hintergrund sind die inzwischen für Wachstumswerte attraktiven Bewertungen. Zwar birgt die Aussicht auf eine milde Rezession in den USA und auch in Europa das Risiko, dass die Inflation auf einem hohen Niveau verharrt oder gar erneut Fahrt aufnimmt, doch dürften Notenbanken mit ihren bisherigen Zinsschritten der Teuerung bereits viel Wind aus den Segeln genommen haben. Nachdem die Märkte sowohl rund um Inflation als auch die Rezession bereits den Worst Case eingepreist haben, dürfte das Pendel 2023 wieder in die andere Richtung ausschlagen: der Ausblick ist positiv. Anleger, die langfristig denken und mit Weitblick agieren, werden 2023 erfolgreich sein.


Über den Autor: Ulrich Müller hat ungefähr 30 Jahre Börsenerfahrung und ist Gründer der Ulrich Müller Wealth Academy (UMWA) in Halstenbek bei Hamburg. Mit Gruppenseminaren und individuellen Coachings will er Menschen dazu ausbilden, ihr Geld erfolgreich an der Börse zu investieren. Vor der Gründung der UMWA war der studierte Finanzwirt 17 Jahre als Investmentberater tätig. Seit November 2021 ist er zudem Strategiegeber des UM Strategy Fund.

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