Wirecard-Zentrale: Milliarden-Luftbuchungen beschädigen auch den Standort Deutschland | © imago images / Sven Simon Foto: imago images / Sven Simon

Börsenkenner Robert Halver

Auweia Wirecard!

Dabei geht es nicht nur um wirtschaftliche Verluste. Denn Heerscharen von Rechtsanwälten und Vermögensverwaltern werden Schadensansprüche in üppigen Höhen fordern. Vor allem geht es um den Vertrauensschaden für den Finanzplatz Deutschland. Und hier wurde gleich doppelter Schaden angerichtet.

Es wurde nicht nur getäuscht beziehungsweise hat man sich täuschen lassen. Die Aufsichtsorgane haben – was sie teilweise selbst zugeben – zu lange zu viele Augen zugedrückt. Und bei Wirecard reden wir nicht von „ferner liefen“, sondern von einem Mitglied im deutschen Aktienleitindex Dax, in dem doch eigentlich nur die über jeden Zweifel erhabene deutsche Aktien-Elite vertreten sein sollte. 

Schlimm ist ebenso, dass Wirecard die Lieblingsaktie der deutschen Kleinanleger gewesen ist, eine Art Volksaktie. Das Geschäftsmodell „IT-Bezahlsysteme“ galt als aussichtsreich. Und man war sogar ein bisschen stolz darauf, dass auch Old-Economy-Deutschland New Economy konnte. Wir sind ja nicht wie Amerika mit solchen High-Tech-Unternehmen gesegnet. Aber mit Wirecard hatte man die Zukunft im Depot.

Deutschland ist keine Aktien-Nation. Der Durchschnittshaushalt gibt mehr Geld für Südfrüchte als für Aktien aus. Und auf diese ohnehin schwache Aktienkultur wirken die aktuellen Vorgänge um Wirecard wie der Turbo-Rasenmäher auf den Löwenzahn. Tatsächlich treten wieder die im Fell gefärbten Aktien-Hasser auf den Plan.

Die wussten doch immer schon, dass Aktien Teufelszeug sind. Wirecard wird jetzt in einem Atemzug mit dem Bilanz manipulierenden US-Energiekonzern Enron, der Pleite-Investmentbank Lehman oder Autokonzernen genannt, die Abgaswerte aufgehübscht haben.

Was ist jetzt zu tun?

Erstens ist bei Wirecard schnellstmögliche Aufklärung und Bereinigung erforderlich. Wer ist an was und in welchem Umfang schuld?

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