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Profihändler an der Börse: Wie auch Privatanleger interessante Index-Investments finden, erklärt Helge Müller. Er ist Investmentchef bei Genève Invest in Luxemburg und Genf. | © Boerse Stuttgart GmbH

Börsennotierte Indexfonds „Zwei zentrale Fehler bei der Fondsauswahl“

Bei spezialisierten ETF-Anbietern wie Ishares gibt es eine sehr hohe Konzentration. Blackrock hat mit dieser ETF-Marke in Deutschland einen Marktanteil von etwa 50 Prozent. Zusammen mit Xtrackers der Deutschen Bank und Lyxor von Société Générale haben diese drei führenden Anbieter in Deutschland einen Marktanteil von rund 80 Prozent.

Es ist dringend zu empfehlen, dass sich Investoren bei der Auswahl auf diese drei Anbieter konzentrieren, da diese grossen Anbieter ohne Frage Grössenvorteile haben. Bei den ETFs sind nicht die Gebühren der entscheidende Faktor, denn Transaktionskosten und Tracking-Differenzen haben ebenfalls einen wichtigen Einfluss auf die Performance. Aus diesem Grund empfehlen wir ausschliesslich diese drei führenden Anbieter.

Kostenvorteil wieder aufgehoben

Das Ziel ein Portfolio aus ETFs zusammenzustellen, ist es eine Gebührenersparnis gegenüber einem aktiven Management zu erzielen. Was man auf keinen Fall machen sollte, ist sich in die Hände einer der vielen Robo-Advisors zu begeben, da diese letztendlich auch nur ETFs kaufen und dafür wiederum wieder verhältnismässig hohe Gebühren verlangen, die häufig ein Vielfaches der Gebühren der ETFs betragen. Hier wird der eigentliche Kostenvorteil wieder aufgehoben.

Helge Müller, Genève Invest

Wenn man sich für ein passives ETF-Investment entscheidet, sollte man dieses selbst aussuchen und so den maximalen Kostenvorteil ausnutzen. Aus mehreren tausend Depotanalysen von selbstverwaltenden Depots von Privatanlegern wissen wir, dass diese zwei zentrale Fehler begehen, die dann auch häufig bei ETF-Anlagen wiederholt werden:

Der erste Fehler ist, dass Klumpenrisiken eingegangen werden, beispielsweise indem ETFs gekauft werden, die sich inhaltlich stark überschneiden. Zum zweiten ist das mit Abstand wichtigste Entscheidungskriterium von Privatanlegern bei der Auswahl von Titeln die Performance in der Vergangenheit. Hier neigen Privatanleger dazu im Aktienbereich gezielt Modethemen hinterherzulaufen und häufig gerade dann, wenn diese Themen vor der Korrektur stehen.

Ratschlag von Warren Buffet befolgen

Die einfachste Anlageform ist manchmal die Beste. Hier empfehlen wir den Ratschlag von Warren Buffet zu befolgen, den er seiner Frau gegeben hat, im Falle dass er verstirbt. 80 Prozent des Geldes sollten demnach in einen ETF investiert werden, der den S&P 500 abbildet, und 20 Prozent in Staatsanleihen oder einen Staatsanleihen-ETF.

Für einen deutschen Anleger ist das ein guter Ratschlag, wenn er leicht modifiziert wird, da man mit einem kompletten US-Investment ein hohes Wechselkursrisiko eingeht. Wir würden hier empfehlen 60 bis 80 Prozent in einen weltweit breit gestreuten Aktien-ETF anzulegen, basierend auf MSCI World. Bei festverzinslichen Titeln bringen deutsche Staatsanleihefonds in den nächsten Jahren wahrscheinlich nur negative Renditen ein. Daher würden wir hier empfehlen auf kurzlaufende Unternehmensanleihe-ETFs zu setzten, die deutlich weniger von dem steigenden Zinsniveau beeinflusst sein werden.

Skepsis gegenüber exotischen Strategien

Die ETFs im Sparplan zu kaufen ist überaus sinnvoll, weil ich auf diese Weise einen gewichteten Durchschnitt erhalte. Wir empfehlen mit dem ETF auf einen breit gestreuten Weltindex zu setzten. Dabei ist ein einziger ETF für Aktien und ein einziger für Anleihen völlig ausreichend, da diese bereits extrem breit gestreut sind. Fallende Börsen sind nur ein Problem für kurzfristig orientierte Anleger. Wer sein Geld nur kurzfristig zur Anlage zur Verfügung hat, weil er es in absehbarer Zeit beispielsweise für den Kauf einer Immobilie benötigt, sollte auf ETFs verzichten. Für jemanden der eine Anlageperspektive von mindestens sechs bis acht Jahren hat, stellen ETFs eine gute Möglichkeit dar, sein Geld attraktiv passiv anzulegen.

Ein ETF wird immer auch ein stückweit aus Marketingbedürfnissen geschaffen. Aus diesem Grund sollte man allen exotischen ETF-Strategien gegenüber skeptisch sein, zumal diese auch genutzt werden, um deutlich höhere Gebühren zu verlangen und die Gesamtrentabilität zu verbessern. Häufig sind solche Modethemen, die auf Nachfrage hin geschaffen werden prozyklisch, denn das was alle interessiert, ist häufig schon übergekauft und droht zu korrigieren. Aus diesem Grund sollte man schlichtweg die breit gestreuten Standardwerte kaufen, die häufig auch die niedrigste Kostenquote haben.

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