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Börsenparty „Aktien gehören jetzt ins Depot“

Gottfried Urban, Vorstand der Bayerische Vermögen, Traunstein
Gottfried Urban, Vorstand der Bayerische Vermögen, Traunstein
Kaum 6 Prozent hat der Dax durch die Krim-Krise verloren, der amerikanische Aktienindex Dow Jones zeigt sich gar gänzlich unbeeindruckt vom russischen Machtstreben. Während Politologen und Volkswirte mögliche Folgen des Streits Putins mit der EU diskutieren, kehren die Börsen schon wieder zum Alltagsgeschäft zurück. Selbst wenn die Entwicklung nicht so glatt verläuft wie erwartet, darf man wohl davon ausgehen, dass alle Beteiligten im territorialen Konflikt die Nerven behalten werden.

Die Börsianer in den USA feiern lieber fünf Jahre Börsenhausse nach der Lehman-Pleite. Im März ist die Börse fünf Jahre auf Haussemodus. Ein langer Zeitraum. Aber auch wenn die US Notenbank nun schrittweise die Anleihekäufe reduziert, werden die Leitzinsen noch lange niedrig bleiben. Das gibt den Aktieninvestoren Sicherheit. Und bevor in den USA die Börsenparty zu Ende geht, werden wir wohl von der Finanzindustrie noch ein gut bereitetes Feld für Neuemissionen serviert bekommen.

Über 40 Börsengänge in den USA

Über vierzig Unternehmen haben allein in diesem Jahr schon den Schritt auf das Parkett in New York gewagt. Im Schnitt wurde für die Aktien das 14-fache ihres Jahresumsatzes bezahlt. Damit bezahlt der Markt etwa nur halb so viel wie im Höhenrausch-Jahr 2000, aber bereits doppelt so viel wie im letzten Börsenboom 2007.

Das lockt viele neue Firmen an die Börse, die noch vor Jahren keine Chance hatten. Man will die gute Stimmung in den USA ausnutzen. Anleger, die bei der Zeichnung zum Zuge kamen, haben im Durchschnitt schon 20 Prozent verdient. Das lockt weitere Investoren.

Die meisten Börsenneulinge stammen aus der Biotech- beziehungsweise Gesundheitsbranche. Der wohl größte und spektakulärste Börsengang wird der chinesische IT-Konzern Alibaba werden. Der weltgrößte Online-B2B-Markt will entweder in diesem oder im nächsten Jahr an die New Yorker Börse. 

Wer verdient?

Investmentbanken verdienen mit der Emissionsbegleitung sicheres Geld. Das Risiko, Aktien überteuert zu kaufen, liegt allein bei den Zeichnern. Der Wirtschaftswissenschaftler Professor Max Otte rät generell von der Zeichnung neuer Aktien ab. Denn bei einem Börsengang drängen das Management des Unternehmens, die Investmentbank und die PR-Agentur, die alle an der Börseneinführung verdienen, massiv zum Kauf der neuen Aktie  - zu einem Zeitpunkt, der vor allem für den Verkäufer gut ist.

Der will sich gerade von einer ungeliebten Sparte trennen oder sieht im Moment die Chance, viel Geld wenig oder nicht verzinst in die Kasse zu bekommen. Kennzahlen wie Dividendenrendite sind bei Neuemissionen kein Thema, es geht nur um Wachstum. An der Börse gilt hingegen: Meist sind Börsenneulinge, die in einem schwierigen Marktumfeld an den Markt gehen interessanter.

Auf Kennzahlen achten

Ich gehe davon aus, dass wir noch einige große Neuausgaben von Aktien in den USA sehen müssen, bevor die Stimmung dreht. In Europa ist der IPO-Markt noch nicht recht in Schwung gekommen. Wir in Europa hinken der US-Börse zwei bis drei Jahre hinterher. Die Marktteilnehmer sehen sich neue Aktien hierzulande genau an und bleiben zurückhaltend, wenn die Kennzahlen nicht passen.

Sachwerte haben erste Priorität in Phasen der systematischen Enteignung des Sparers über einen Zins, der deutlich unter der tatsächlichen Inflationsrate liegt. Aktien, Immobilien und auch Gold gehören jetzt ins Depot, nicht unbedingt Anleihen.

In Phasen der geordneten Entschuldung gehört die Aktie zu den besten Anlageformen. Auch wenn die Kurse schon gut gelaufen sind, werden sie gerade in Europa dank der Politik des billigen Geldes noch weiter steigen können. Dabei darf man die Kennzahlen der Unternehmen nicht aus den Augen verlieren.

Selbst in den USA gibt es jetzt noch Unternehmen, die günstig sind. Eine Microsoft bekommen Sie zum nicht einmal Dreifachen des Jahresumsatzes an der Börse. Dem gebe ich jedem US-Börsenneuling den Vorzug.
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