Die Stimmung unter globalen Investoren hat einen historischen Tiefpunkt erreicht. Laut der jüngsten Umfrage der Bank of America unter Fondsmanagern erwarten 82 Prozent der Befragten eine Abschwächung der Weltwirtschaft – der höchste Wert in der 30-jährigen Geschichte dieser Erhebung. Gleichzeitig rechnen 42 Prozent der Umfrageteilnehmer mit einer Rezession.
„Es ist die fünftpessimistischste Umfrage der letzten 25 Jahre“, erklären die BofA-Strategen unter Leitung von Michael Hartnett.
Auffällig: Die Allokation in US-Aktien ist binnen zwei Monaten um 53 Prozentpunkte eingebrochen. Das ist der stärkste Rückgang, den die Bank jemals verzeichnet hat.
Flucht in sichere Häfen
Die Umfrage, an der 195 Fondsmanager mit einem verwalteten Vermögen von 444 Milliarden US-Dollar teilnahmen, zeigt deutliche Anzeichen einer Flucht in sichere Anlagen. Die Cash-Quote stieg auf 4,8 Prozent, das ist der größte Zweimonatsanstieg seit April 2020, dem Beginn der Corona-Pandemie.
Zum ersten Mal seit März 2023 gilt nicht mehr „Long Magnificent 7“ als die überfüllteste Handelsposition, sondern „Long Gold“. Diese Einschätzung teilen 49 Prozent der Befragten – ein klares Zeichen für die Suche nach Sicherheit.
Handelskriegsängste dominieren
Als größtes Marktrisiko identifizieren die Fondsmanager einen drohenden Handelskrieg, der eine globale Rezession auslösen könnte. Diese Sorge hängt eng mit den aggressiven Zollplänen des US-Präsidenten Donald Trump zusammen, die bereits zu erheblichen Verkäufen bei US-Aktien, dem US-Dollar und US-Staatsanleihen geführt haben. Trotz einer Erholung am Montag liegt der S&P 500 im laufenden Jahr noch immer rund 8 Prozent im Minus.
Parallell dazu hat die Idee des „US-Exzeptionalismus“ – eine These, die die Märkte in den vergangenen Monaten angetrieben hatte – an Überzeugungskraft verloren. 73 Prozent der Befragten glauben, dass dieser Trend seinen Höhepunkt überschritten hat.
Neu-Positionierung der Portfolios
Die veränderte Risikoeinschätzung spiegelt sich in deutlichen Portfolioumschichtungen wider:
- Die globale Aktienallokation fiel auf den niedrigsten Stand seit Juli 2023
- Die Anleiheallokation stieg in Rekordtempo
- Investoren sind so stark untergewichtet in zyklischen gegenüber defensiven Werten wie seit Mai 2020 nicht mehr
- Industriewerte wurden auf den niedrigsten Stand seit August 2011 reduziert
- Technologietitel fielen auf das niedrigste Niveau seit November 2022
- Banken wurden ebenfalls reduziert
- Versorger erreichten die stärkste Übergewichtung seit Dezember 2008
- Auch Pharma- und Basiskonsumgütertitel wurden aufgestockt
Die Umfrage zeigt zudem eine drastische Verschiebung der Währungserwartungen. 61 Prozent der Befragten rechnen mit einer Abwertung des US-Dollars in den kommenden zwölf Monaten. Das ist der höchste Wert seit Mai 2006. Diese Einschätzung hat sich bereits in den vergangenen Wochen bestätigt, in denen der US-Dollar gegenüber Euro, japanischem Yen und Schweizer Franken deutlich an Wert verloren hat.
Phase „maximaler Angst“ noch nicht erreicht
Die Strategen der Bank of America sehen trotz der extremen Pessimismus-Werte noch nicht die klassischen Anzeichen einer „maximalen Angst“, die typischerweise bei Cash-Quoten von etwa 6 Prozent erreicht wird. Dennoch erwarten sie, dass die im April erreichten Tiefststände kurzfristig halten dürften.
Für eine nachhaltige Markterholung wären jedoch drei mögliche Katalysatoren notwendig: eine Entspannung bei den Zöllen, deutliche Zinssenkungen der US-Notenbank oder überraschend widerstandsfähige Wirtschaftsdaten. Die Wahrscheinlichkeit einer „harten Landung“ der Wirtschaft wird mittlerweile von 49 Prozent der Befragten erwartet. Im Vormonat lag dieser Wert noch bei 11 Prozent.

