Es gibt Klischees, die existieren, weil sie stimmen. Profifußballer und Geld – da denkt man an Sportwagen, Uhrensammlungen und Appartements in Dubai, die deutlich größer sind als nötig. Boris Fahle kennt diese Welt von innen. Er ist Vermögensverwalter in Dortmund, bekennender BVB-Fan, und er berät – neben Unternehmern, Stiftungen und Erbengenerationen – auch den einen oder anderen Profisportler. Und er weiß: Das Klischee hat manchmal eine reale Grundlage. Aber er weiß auch, wie man dagegenhält.

Bevor Boris Fahle über seine Mandanten spricht, lohnt ein Blick auf seine eigene Geschichte. 2008 gründete er mit drei weiteren Kollegen die Consilium Vermögensmanagement in Dortmund – mitten in der globalen Finanzkrise. Klingt riskant. War es auch. Aber es war keine strategische Entscheidung, sondern eine Notwendigkeit. Seine damalige Bank wurde verkauft, und plötzlich stand die Frage im Raum: Was jetzt?

„Wir haben festgestellt, die einzige Marke sind wir eigentlich selbst“, erinnert er sich. „Wir wollten nie wieder verkauft werden.“ Rückblickend, sagt Fahle, hätte ihm nichts Besseres passieren können. Aus der Notsituation heraus entstand ein unabhängiges Unternehmen, das heute rund 600 Kunden betreut und als bankenunabhängiger Vermögensverwalter arbeitet – ohne Interessenkonflikte, ganz auf der Seite des Mandanten.

Dabei ist Fahle kein Fremder im Fußball-Universum. Er selbst hat in der Jugend beim BVB gespielt. Die Profikarriere blieb ihm verwehrt – was er mit bemerkenswerter Gelassenheit kommentiert: „Für ganz oben war die Qualität dann doch zu gering.“ Heute berät er die, denen es gereicht hat.

Der Einstieg ins Spieler-Business: kein offener Club

Wie kommt man überhaupt in den Kreis jener, die Profisportler beraten? Fahle macht sich keine Illusionen: Es ist ein geschlossenes System, das auf Vertrauen und Reputation basiert. „Es ruft kein Spieler von alleine einfach bei uns an“, sagt er. Den Schlüssel halten meist die Spielerberater – sie haben die engste Bindung zu den Profis und entscheiden, wem sie ihr Netzwerk öffnen.

Was Fahle in diesem Segment mitbringt: jahrelange Expertise im hochwertigen Beratungssegment, eine persönliche Affinität zum Sport und den guten Ruf, den man sich über Jahrzehnte erarbeitet. Das reicht selten schnell, aber es reicht dauerhaft.

Das kurze Fenster, das große Geld

Das Grundproblem im Profisport ist dabei struktureller Natur. Die Karriere dauert im besten Fall 10 bis 15 Jahre. Das Einkommen ist enorm – ein Bundesliga-Neuprofi verdient laut Fahle heute je nach Verein und Talent zwischen einer halben und einer Million Euro Jahresgehalt, plus mögliche Werbeverträge. Und diese finanzielle Flughöhe verleitet: Wenn das Geld reinkommt, muss man sich nicht links und rechts kümmern. Man genießt das Leben.

Fahle lässt das gelten – bis zu einem Punkt. Wer ein Fahrzeug kaufen möchte, weil er es sich leisten kann, dem redet er das nicht aus. Aber: „Man muss nicht fünf davon halten. Das wäre für mich eine Übertreibung.“ Und genau da liegt die Kunst seiner Arbeit: nicht als Vormund aufzutreten, aber wenn nötig als mahnendes Korrektiv.

Das Bild, das er dabei zeichnet, ist eindeutig: „Es macht keinen Sinn, fünf Sportwagen vor die Tür zu stellen oder eine teure Uhrensammlung aufzubauen, ohne ein vernünftiges Wertpapierdepot zu haben.“

George Bests Erbe und die Realität im Ruhrgebiet

Malte Dreher, der Co-Host des Podcasts „For Professional Investors Only“, bringt im Gespräch eine berühmte Anekdote ein: George Best sagte einst, er habe viel seines Geldes für Alkohol, Frauen und schnelle Autos ausgegeben – den Rest habe er einfach verprasst. Und dann gibt es die Ex-Profis aus dem Ruhrgebiet, die nach glänzenden Karrieren im Kiosk gelandet sind.

Fahle winkt nicht ab. Ja, das sei nicht nur Mythos. Aber er differenziert: Die Profis der 70er und 80er Jahre haben bei weitem nicht so viel verdient wie heute. Die Fallhöhe war geringer – und die Beratungsinfrastruktur war kaum vorhanden. Heute sind die Einkommensströme so gewaltig, dass Fahle kaum nachvollziehen kann, wie jemand mit diesem Kapital in die Insolvenz geraten kann. Und doch passiert es. Weil Konsumgewohnheiten schnell wachsen, weil Spieler sich gegenseitig in immer teurere Lebensstile hineinziehen, und weil die Zeit nach der Karriere oft ohne Plan kommt.

Was kommt nach dem letzten Spiel? Trainer? Berater? Unternehmer? Wer das frühzeitig denkt, landet nicht im Dschungelcamp.

Absicherung zuerst, Portfolio später

Ein weiterer zentraler Baustein in Fahles Beratungsphilosophie ist die Absicherung – und hier ist er klar in seiner Hierarchie: Erst die Basis legen, dann investieren. Besonders am Anfang einer Karriere, wenn noch kein Vermögen aufgebaut ist, müssen Worst-Case-Szenarien abgesichert sein. „Es kann schnell mal ein Kreuzbandriss kommen, auch in jungen Jahren. Und vielleicht auch ein schnelles Karriereende.“

Das klingt abstrakt, ist für viele Spieler aber existenziell. Fahle nennt in diesem Zusammenhang die VBG-Absicherung – die berufsgenossenschaftliche Versicherung, über die Spieler im Fall einer Invalidität Betriebsrentenansprüche geltend machen können. Ergänzt wird das durch spezialisierte private Versicherungsprodukte für Profisportler. Der Aufwand lohnt sich: „Am Anfang ist das Risiko am größten. Das ist wie wenn ich eine Immobilie kaufe und kein Kapital dahinter habe – dann muss ich mich am Anfang extrem absichern.“

Erst wenn das siebenstellige Depot aufgebaut ist, kann man über Reduzierung der Versicherungskosten nachdenken. Nicht früher.

Das echte Beratungsgespräch: ETFs, Fonds und die Sparquote

Wie sieht die praktische Arbeit aus? Fahle gibt Einblick in ein reales Beispiel: Ein Spieler hatte eigenständig über Scalable Capital ein paar ETFs gekauft, sich damit ein wenig beschäftigt – und dann den Faden verloren. „Er wusste nicht, ob er das richtig gemacht hat.“ Fahle nimmt solche Ausgangspunkte gerne: Analyse der Ist-Situation, Vermögensbilanz, Liquiditätscheck, Einnahmen versus Ausgaben.

Bei Profis mit hohem Einkommen bleibt am Ende regelmäßig ein großer Überschuss – der dann strukturiert wird. Aktien, Fonds, Anleihen, Immobilien. Dazu kommen bei finanzstärkeren Spielern zunehmend Alternative Investments: Private Equity und Venture Capital. Ein bekanntes Beispiel dafür ist Mario Götze, der heute breit diversifiziert in Start-ups und Unternehmen investiert. Fahle kennt das Phänomen – sagt aber auch: Nicht für jeden ist das das richtige Instrument. Für viele ist ein gut strukturiertes Fonds-Portfolio mit hohem Aktienanteil genauso wirksam.

Eine pauschale Asset-Allocation gibt er nicht vor. Alles hängt ab von der Lebenssituation, dem Risikoprofil, den Zielen – und davon, ob der Spieler seinen Lebensmittelpunkt in Deutschland sieht. Bei ausländischen Spielern fließt das Geld oft in die Heimat. Die Beratung ist dann deutlich schwieriger, manchmal kaum möglich.

600 Kunden, 25 Jahre Treue – und kein Nanny-Service

Consilium ist kein reines Sportwelt-Unternehmen. Die rund 600 Kunden kommen aus verschiedensten Segmenten: Mittelstandsunternehmer, Gesellschafter, Geschäftsführer, Familien, Erbengenerationen. Manche Mandate laufen bereits 25 Jahre. 

Was er klar abgrenzt: Er ist kein Vormund, keine Nanny. Wenn ein Mandant plötzlich größere Beträge abzieht – und Fahle ahnt, dass sie nicht in ein weiteres Depot fließen werden –, ist das dessen Entscheidung. Einen Hinweis kann er geben. Mehr nicht. „Am Ende des Tages entscheiden es dann schon die.“

Der Lohn seiner Arbeit misst sich nicht in Auszahlungen, sondern in Weiterempfehlungen. „Wenn man weiter empfohlen wird oder einfach positive Feedbacks bekommt, wie zufrieden die Leute sind – das ist unser Lohn quasi, der uns jeden Tag wieder motiviert.“

Fußball, Herz und Verstand

Am Ende des Gesprächs ist Fahle auch einfach Fan. Er geht heute noch ins Stadion, sein Herz schlägt schwarz-gelb. Und der Meisterfrage stellt er sich realistisch: Bayern München ist zu stark. Das sagt ein echter Dortmunder, der weiß, wann man die Wahrheit sagen muss – auch wenn es wehtut. Ganz wie in der Vermögensberatung.