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Kollege Computer ist immer im Dienst: Um Service rund um die Uhr an sieben Tagen in der Woche zu bieten, testen Versicherer jetzt Chatbots im Vertrieb. | © Lightcome/iStock

Branche im Wandel

Wie Versicherer digital Schritt halten wollen

In seinen Briefkasten am Hauseingang schaut Yannick Leippold kaum noch. Stattdessen öffnet er täglich die E-Mail, mit der ihn sein Berliner Postdienstleister über alle aktuellen Sendungen des Tages informiert. Nach einem kurzen Blick archiviert oder vernichtet der Mittdreißiger die Schreiben einfach per Klick. Damit geht der vollbärtige Versicherungsmakler und IT-Berater Branchenkollegen mit gutem Beispiel voran in Sachen Digitalisieren, also dem Umwandeln analoger Informationen in maschinenlesbare Daten. Erst diese Technik ermöglicht den tief greifenden Wandel, der Wirtschaft und Gesellschaft grundlegend verändert hat.

Mit dem Aufwachsen einer neuen Kundengeneration im digitalen Zeitalter brauche nun auch der Versicherungsvertrieb ein Update. Leippolds Botschaft an die Branche lautet: „Mach es digital!“ Das heißt für einen Vermittler beispielsweise, dass er online bereitgestellte Vertragsunterlagen eines Versicherers künftig nur elektronisch an seinen Endkunden weiterleitet, der diese per digitaler Signatur auf dem Smartphone rechtskräftig unterschreibt.

Die Realität sehe heute oftmals nicht ganz so fortschrittlich aus, gibt Matthias Brauch zu bedenken. Zwar sei die Digitalisierung in vielen Unternehmen zur Chefsache erklärt worden, so der Geschäftsführer des Hamburger IT-Dienstleisters Softfair. Doch die Bereitschaft zum Wandel allein reiche nicht, wie der noch mangelnde automatische Datenabgleich zwischen vielen Versicherern und Maklerverwaltungsprogrammen zeige. Zugleich steige der Anpassungsdruck, weil andere Branchen wie der Online-Handel oder Carsharing inzwischen Standards etabliert hätten, die Kunden auch bei ihren Policen erwarten. „Die voranschreitende digitale Transformation sorgt dafür, dass Kunden in Zukunft nicht wieder am Computer Platz nehmen wollen, um ein Formular auszufüllen“, beschreibt Matthias E. Stauch, Vorstandschef beim Software-Entwickler Intervista aus Potsdam, die Ansprüche der sogenannten Millennials – also Kunden zwischen Anfang 20 und Ende 30.

Die Branche muss also dorthin, wo junge Konsumenten ihre Zeit verbringen: ins mobile Internet. Die gesamte Finanzbranche durchlebe daher derzeit einen kräftigen Wandel, beobachtet Felix Hufeld. Dieser sei kräftig genug, „um Geschäftsmodelle, Unternehmen und sogar ganze Märkte aus den Angeln zu heben“, so der Präsident der Finanzaufsicht Bafin weiter. Dass dieser Umbruch im Wortsinn langsam auch die Chefetagen deutscher Versicherer erreicht, zeigt nicht zuletzt der Wechsel von Birte Sewing. Die bisherige Chefin für Investmentprodukte der Ergo geht im November zur Berliner Fintech-Schmiede Finleap, die seit ihrer Gründung vor fünf Jahren bereits 16 eigenständig auftretende Start-ups aufbaute. Die neuen Spieler am Markt setzen voll auf Finanztechnologie und präsentieren sich als digitale Problemlöser mit ungewöhnlichen Antworten. „Die Kunden wollen eigentlich keinen Versicherungsvertrag“, bringt es Talanx-Vorstandsmitglied Patrick Dahmen auf den Punkt. „Sie möchten das Gefühl von Sicherheit in dem Lebensbereich, den sie schützen wollen.“

Was bedeutet das für das Zukunftsgeschäft deutscher Versicherer? Dietmar Kottmann, Branchenexperte bei der Strategieberatung Oliver Wyman im deutschsprachigen Raum, vergleicht die Assekuranz dazu mit dem Gastgewerbe: „Nach der Jahrtausendwende wurden auch viele Hotelbetreiber nervös, weil neue Online-Anbieter auf den Markt kamen.“

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