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Branche im Wandel Wie Versicherer digital Schritt halten wollen

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Das unter diesem Begriff zusammengefasste Entwickeln von Maschinen, die menschliches Denken nachahmen, gilt als wichtigste Schlüsseltechnologie der Zukunft in der Assekuranz. Das sagten die mehr als 300 Fach- und Führungskräfte der Versicherungswirtschaft, die im Rahmen der internationalen Konferenz „Innovation in Insurance“ befragt wurden. Grzegorz Podlesny vom Veranstalter Sollers Consulting berichtet: „Viele Versicherer nutzen bereits Künstliche Intelligenz, um Schadensfälle zu bewerten, gegen Versicherungsbetrug vorzugehen und die Kundenkommunikation zu automatisieren.“

Für Letzteres erscheint das Verarbeiten von Sprache interessant. Einen sogenannten Skill des digitalen Sprachassistenten Alexa für den smarten Lautsprecher Amazon Echo entwickelte etwa die Deutsche Familienversicherung kürzlich. Branchenweit hält sich die Experimentierfreude jedoch in Grenzen: Nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums arbeiten erst 8 Prozent der deutschen Versicherer mit KI.

Doch das soll sich ändern: Laut einer Studie des Beratungshauses PWC sagen mehr als 80 Prozent aller Versicherungschefs, dass KI spätestens innerhalb der kommenden drei Jahre Teil ihres Geschäftsmodells sein wird. Um das in die Praxis umzusetzen, gehen die Unternehmen zunehmend Kooperationen ein. Als wichtigsten Grund dafür nennen 83 Prozent der Entscheider bei Banken und Versicherern hierzulande, die anstehenden Aufgaben seien schlichtweg zu komplex, um sie allein zu bewältigen.

Für eine Minderheit von 14 Prozent der von Sopra Steria Consulting befragten Manager kommen dafür auch Kooperationen mit großen IT-Firmen infrage. So arbeitet der Versicherer Ergo mit dem US-Konzern IBM zusammen, um Teile seines Bestands an Lebensversicherungen auf eine separate Plattform zu übertragen. Dort könnten sie dann gemeinsam mit Verträgen anderer Versicherer effizienter verwaltet werden. Mit 58 Prozent halten die meisten Befragten allerdings Fintechs und die auf das digitale Versicherungsgeschäft spezialisierten Insurtechs für geeignete Partner oder Kandidaten für Beteiligungen.

Weil sich die Kundenzahlen jedes einzelnen Insurtechs am deutschen Markt nämlich noch in Grenzen halten, kommen die zunächst als Konkurrenz betrachteten Newcomer heute als mögliche Partner oder Übernahmekandidaten der Traditionsunternehmen in Betracht. Die Zurich-Gruppe beispielsweise verkündete im Juli die Übernahme des Insurtechs Dentolo, um so ihrer Konzerntochter DA Direkt den Einstieg in das Geschäft mit Zahnzusatz-Policen zu ebnen. Und seit September ist man Versicherungspartner der Finanz-App Numbrs, deren selbstlernende Software bereits die persönlichen Finanzen ihrer User optimieren soll.

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Numbrs-Nutzer können die so empfohlenen Produkte dann komplett papierlos per Smartphone kaufen. Andererseits suchen auch viele digitale Neulinge die Nähe großer Versicherer. Denn für sie ist der Zugang zu den Endkunden und Vermittlern entscheidend. Verbrauchern sind und bleiben die vielen kleinen Branchenneulinge unbekannt, musste das Rostocker Start-up Hepster, das Interessenten für seine digitale Versicherungsplattform sucht, bei einer Umfrage feststellen. Zu den neuen Partnern deutscher Versicherer zählen damit viele technologiegetriebene Firmengründer, die sich den Versicherungsmarkt als Anwendungsfeld ihrer mathematischen Modelle ausgesucht haben.


So sehen sich beispielsweise Christian Wiens und Marius Blaesing von Get-safe Digital aus Heidelberg auch heute noch vorrangig als Tech-Unternehmer. Die von ihnen entwickelte App bietet den 65.000 Kunden bereits fünf hauseigene Policen, bei denen man mit der Münchner Rück und dem Rechtsschutzversicherer Roland zusammenarbeitet. Die Zahl der bislang 80.000 Getsafe-Verträge soll durch verstärktes Cross-Selling gesteigert werden. „Unser Chatbot Carla ist sehr neugierig“, sagt Firmensprecherin Lydia Prexl. So werde die Hipster-Kundschaft nach einer Adressänderung automatisch gefragt, ob die bisherige Hausrat-Police noch zur neuen Wohnungsgröße passt. Ziel sei ein ganzheitlicher Schutz urbaner Teens und Twens, die beispielsweise Rennräder und Drohnen schnell und unkompliziert per Smartphone versichern wollen.

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