Branchenausblick „3 große Themen für Versicherer im Jahr 2020“

Die deutschen Versicherer haben ihre Beitragseinnahmen im vergangenen Jahr überdurchschnittlich stark gesteigert: Sie kletterten um 6,7 Prozent auf 216,0 Milliarden Euro, berichtet aktuell der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Dessen Mitgliedsunternehmen verzeichnen demnach in allen drei Sparten bessere Ergebnisse als im Vorjahr. „Insgesamt war 2019 von den Beitragseinnahmen her ein ausgesprochen zufriedenstellendes Jahr“, kommentiert GDV-Präsident Wolfgang Weiler.

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Für das laufende Jahr erwarte die Branche eine Normalisierung des Beitragswachstums auf 1,5 bis 2,0 Prozent. Für die Lebensversicherung wird dabei 2020 mit einem Zuwachs von gut 1,0 Prozent gerechnet, für die Schaden- und Unfallversicherung mit einem Beitragsplus von 2,5 Prozent. „Neben der schwächeren Konjunktur dämpft das anhaltende, extreme Niedrigzinsumfeld das Wachstum im Versicherungsgeschäft zusätzlich und spürbar“, sagte Weiler bei der Vorstellung der Jahresbilanz am Mittwoch.

Überraschend hohes LV-Wachstum

Wolfgang Weiler, GDV

Der branchenweiten Absatzstatistik zufolge verzeichneten Deutschlands Lebensversicherer, Pensionskassen und Pensionsfonds in den vergangenen zwölf Monaten zusammen ein Beitragsplus von 11,3 Prozent auf 102,5 Milliarden Euro. Davon entfielen 64,3 Milliarden Euro auf das Geschäft gegen laufenden Beitrag (+0,1 Prozent) und 38,2 Milliarden Euro auf Einmalbeiträge (+37,1 Prozent). „Die Beitragsentwicklung ist für unsere Branche ein klarer Vertrauensbeweis der Kunden“, so der GDV-Präsident.

Auch das Umstellen auf neue LV-Produkte werde nach Angaben des Branchenverbands „von den Kunden immer besser angenommen“: Verträge mit modifizierten Garantien machen in der Lebensversicherung inzwischen 60,3 Prozent am gesamten Neugeschäft aus. Zum Vergleich: Im Vorjahr 2018 waren es erst 57,2 Prozent. Ebenfalls erfreulich entwickelte sich die betriebliche Altersversorgung (bAV): Die Brutto-Beiträge in allen bAV-Durchführungswegen wuchsen 2019 um 5,3 Prozent auf 18,9 Milliarden Euro.

Private Krankenversicherung wächst

Die Beitragseinnahmen der privaten Krankenversicherer verbesserten sich 2019 um 2,3 Prozent auf 40,7 Milliarden Euro. Davon entfielen 38,0 Milliarden Euro auf die Krankenversicherung (+2,1 Prozent) und 2,7 Milliarden auf die Pflegeversicherung (+5,2 Prozent). Die ausgezahlten Versicherungsleistungen stiegen um 4,5 Prozent auf 29,9 Milliarden Euro. Davon entfallen 1,5 Milliarden Euro auf die Pflegeversicherung. Der Bestand aus Voll- und Zusatzversicherungen nahm um 1,2 Prozent auf 35,2 Millionen zu.

„Gutes Jahr für Schaden und Unfall“

In der Schaden- und Unfallversicherung kletterten die Beitragseinnahmen 2019 laut GDV-Hochrechnung um 3,2 Prozent auf 72,9 Milliarden Euro. Die Leistungen erhöhten sich demnach um 1,7 Prozent auf 53,4 Milliarden Euro. Damit verbuchten die Unternehmen „unterm Strich“ schwarze Zahlen. Der versicherungstechnische Gewinn dürfte laut Weiler bei 4,7 Milliarden Euro liegen, die Schaden-Kosten-Quote bei rund 93 Prozent. „2019 war damit ein gutes Jahr für die Schaden- und Unfallversicherer.“

In der größten Sparte Kraftfahrtversicherung nahmen die Einnahmen um 2,0 Prozent auf 28,5 Milliarden Euro zu, berichten die GDV-Mitgliedsgesellschaften. Währenddessen wuchsen die Leistungen der Assekuranz um 4,5 Prozent auf insgesamt 25,0 Milliarden Euro an. Damit stieg die Schaden-Kosten-Quote von 96,1 im Vorjahr auf den aktuellen Wert von 98,0 Prozent. Die Zahl der Verträge in der gesamten Kfz-Versicherung erhöhte sich laut GDV-Bilanz um 2,0 Prozent auf nunmehr 121 Millionen.

Klimawandel, Riester-Reform und EZB-Geldpolitik

Das gute Geschäft der Versicherer im vorigen Jahr biete laut Weiler aber kaum Grund für Euphorie: „Das Marktumfeld bleibt wegen der niedrigen Zinsen extrem herausfordernd“, warnt der GDV-Präsident. Seiner Ansicht nach werden die kommenden Monate für die Branche von drei großen Themen geprägt: Maßnahmen gegen den Klimawandel, die Reform der Riester-Rente und die Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB).

Beim Kampf gegen die Erderwärmung unterstützen die Versicherer demnach den sogenannten Green Deal der EU-Kommission. Mit Blick auf die Zukunft der privaten Altersvorsorge lehnt Weiler Pläne für einen Staatsfonds ab und plädiert stattdessen für eine tiefgreifende Reform der geförderten Privatvorsorge. Die neue EZB-Präsidentin Christine Lagarde forderte er auf, eine Trendwende bei den andauernden Niedrigzinsen einzuleiten.

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