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Globale Investmentthemen und Emerging Markets

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Brasilien, China, Unternehmenspolitik Drei Schwellenländer-Themen für Anleger

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ESG wird für den nachhaltigen Unternehmenserfolg immer wichtiger

ESG-Berichterstattung ist in einigen Ländern mittlerweile vorgeschrieben – ein Trend, der sich andernorts fortsetzen sollte. Durch die Covid-19-Pandemie ändert sich der ESG-Diskurs weiter – der Fokus liegt nun stärker auf der sozialen Wirkung politischer Maßnahmen. Viele Staaten wollen Arbeitsplätze erhalten, und in den Unternehmen wächst das Bewusstsein für Reputationsrisiken durch Entlassungen. ESG wird immer wichtiger, da Unternehmen diese Themen für einen nachhaltigen Unternehmenserfolg als entscheidend ansehen. Nach unserer Einschätzung ist die Verbesserung der ESG-Standards in den Schwellenländern ein weiterer positiver Faktor, der den langfristigen Ausblick für die Anlageklasse über die Krise hinaus stützt.

Ausblick: Marktvolatilität vor und nach der US-Wahl zu erwarten

Die Marktteilnehmer erwarten im letzten Quartal 2020 eine stärkere Normalisierung, doch die steigenden Covid-19-Fallzahlen in Europa und einzelnen Ländern weltweit machen deutlich, dass das Virus noch nicht besiegt ist. Infolgedessen ist weiterhin eine reaktive Politik zu erwarten. Ein Lichtblick ist, dass in den betroffenen Ländern kein sprunghafter Anstieg der Sterblichkeitsrate verzeichnet wird. Die Gründe dafür sind bessere Behandlungsmöglichkeiten sowie die Ausweitung der Tests, wodurch auch asymptomatische Fälle erfasst werden. Trotz eines der strengsten und umfassendsten Lockdowns der Welt konnte Indien einen späten Anstieg der Covid-19-Fallzahlen nicht verhindern und hat Brasilien als das Land mit der weltweit zweithöchsten Fallzahl nach den Vereinigten Staaten überholt. Da jedoch die Sterblichkeit gesenkt werden konnte – die tägliche Zahl der Todesfälle ist seit dem Höchststand deutlich zurückgegangen –, wird die indische Wirtschaft trotz der steigenden Fallzahlen weiter hochgefahren.

Wir erwarten, dass die politische und wirtschaftliche Lage und das Marktumfeld in den Schwellenländern unverändert bleiben werden, bis Impfstoffe auf breiter Ebene zur Verfügung stehen oder eine Herdenimmunität erreicht ist. Die Ergebnisse dürften von Land zu Land stark variieren. Unter diesen Umständen wird eine Erholung wahrscheinlich viel länger dauern und entsprechend der Start-Stopp-Politik volatil bleiben. Die Regierungen haben bereits enorme Finanzmittel bereitgestellt, doch weiterhin müssen viele Betriebe schließen, während sich durch Lockdowns und andere politische Maßnahmen die Struktur ganzer Volkswirtschaften ändert.

Die Beziehungen zwischen den USA und China haben sich stetig verschlechtert und die politischen Rangeleien im Vorfeld der US-Präsidentschaftswahlen könnten zwischenzeitlich zu weiteren Turbulenzen und negativen politischen Entwicklungen führen. Die Marktvolatilität könnte sich fortsetzen, insbesondere wenn die Wahlergebnisse angefochten werden. In jedem Fall gehen wir davon aus, dass beide US-Präsidentschaftskandidaten den Druck auf China aufrechterhalten werden. Da der andauernde Handelsstreit und Technologiekonflikt zwischen den USA und China weiter die Lieferketten belasten dürfte, erwarten wir, dass zunehmend lokal produziert beziehungsweise die Produktion zurück ins Inland verlagert wird.

Die Sektoren Informationstechnologie und Kommunikationsdienste haben sich als außerordentlich resilient erwiesen, ein Trend, der sich unserer Einschätzung nach im aktuellen Umfeld fortsetzen wird. Wir erwarten, dass die Schwellenländer auch in Zukunft in verschiedenen Bereichen – etwa bei Halbleitern, Online-Gaming und der Einführung der 5G-Mobilfunktechnologie – eine Führungsrolle einnehmen und Wachstum verzeichnen werden.

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