Brasilien-Krise Geheime Lager voller Gold und Diamanten

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Die hohe Arbeitslosigkeit und eine Rekordmenge an Firmenpleiten stellen eine Gefahr für die sozialen Fortschritte dar, die sich die Mittelklasse während des Aufschwungs in den vergangenen zehn Jahren erarbeitet hatte. Doch für Caixa lohnt sich das Geschäft: Die Anzahl der Pfandkredite schoss im ersten Halbjahr elf Prozent hoch auf 386.225, viele davon an Neukunden.
Werden die Wertsachen nicht wieder ausgelöst, wartet Caixa 30 Tage ab und versteigert sie dann über ihre Webseite. Die von der Bank ausgezahlte Darlehenssumme entspricht bis zu 85 Prozent des geschätzten Werts, der tendenziell unter dem Marktwert liegt. Einige der Schätze werden in den Bankfilialen gelagert, die als regionale Zentren fungieren. Das meiste wird aber in die drei hochsicheren Tresorräume in Rio de Janeiro, Curitiba und Porto Alegre abtransportiert.
Viel ist über diese Schatzlager nicht bekannt -- wo sie sich befinden und was genau darin aufbewahrt wird -- und genauso möchte das Caixa auch haben. In den Tresorräumen sind Boden, Decken und Wände gepanzert und sie werden fernüberwacht. Klimaschächte gibt es nicht, damit Diebe nicht im Stil des Hollywood-Films „Mission: Impossible“ einbrechen können, erklärt Pires. Er selbst gehört zu der Handvoll Menschen, denen der Standort eines Gebäudes bekannt ist. Noch weniger kennen alle drei Orte. In Plastikbeutel verpacktes Gold mit dem Code des Leihvertrags macht den Großteil des Schatzes aus, aber es gibt mehr als nur Ringe und Uhren. Eines der außergewöhnlicheren Stücke, deren Wert ein Mitarbeiter der Rio-Filiale ermittelte, war ein Schnuller aus purem Gold. Ein anderer Angestellter, der einen seltenen Einblick in einen der Tresorräume erhaschte, sprach von einem diamantbesetzten Diadem. Pires will sogar von einer verpfändeten Olympiamedaille gehört haben. Die höchsten Zinssätze seit Jahren und der Bedarf der Verbraucher an günstigen Krediten werden nach Einschätzung von Pires auch weiterhin Menschen wie Mauad veranlassen, die Regale und Fächer in den Tresorräumen zu füllen. Tatsächlich reicht das Darlehen, das Mauad für den Ring ihrer Mutter erhalten hat, nicht aus, um die Ausgaben zu decken.
„Ich dachte, dass ich mehr bekommen würde“, sagt sie. „Ich hätte noch mehr Sachen mitbringen können.“

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