Aktualisiert am 18.10.2021 - 15:06 UhrLesedauer: 9 Minuten

Kolumnist Heiko Faust Brauchen Versicherer eigene Asset Manager?

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Der richtige Weg nach vorne

Der weitere Weg wird durch den Kontext beeinflusst: die Ausgangsposition, die Fähigkeiten sowohl des AM als auch des Versicherers und die Bereitschaft der Gruppe, sich auf Veränderungen einzulassen. Dies führt zu zwei Herausforderungen:

  1. Schaffung eines nachhaltigen Geschäftsmodells für den Versicherungs-Asset-Manager und einer geeigneten Plattform für künftiges Wachstum: In Anbetracht der aufgezeigten Trends wird sich vermutlich Archetyp D als die größte Herausforderung erweisen, da der Asset Manager an eine schrumpfende firmeneigene Vermögensbasis gebunden ist und ihm gleichzeitig die Ressourcen/Zeit fehlen, um den externen Kundenstamm auszubauen. Leider fallen viele europäische AM, die sich im Besitz von Versicherungsunternehmen befinden, immer noch in diese Kategorie. Dies spiegelt eine anhaltend hohe Abhängigkeit von (und die Notwendigkeit der Verwaltung von) konzerninternen AuM wider, wobei das Volumen des firmeneigenen Geschäfts sinkt, es aber an Ersatzeinnahmen mangelt, entweder durch ein ausreichendes Volumen an externen Kunden oder durch Spezialmandate mit höheren Gebühren.
  2. Der Versicherer und der interne Asset Manager arbeiten zu oft gegeneinander statt symbiotisch: Häufig arbeiten der interne AM und das Versicherungsunternehmen nicht zusammen, was zu Reibungsverlusten bei der Verwaltung des Gruppenvermögens führt.

Um diese Herausforderungen zu meistern, müssen sowohl die Versicherer als auch ihre AM vier wichtige Maßnahmen in Betracht ziehen, die in Abbildung 5 dargestellt sind.

Schaubild 5: Zentrale Maßnahmen für den Weg in die Zukunft

Grafik: Oliver Wyman >>Vergrößern!

Versicherungsgebundene Asset Manager - daseinsberechtigt oder überflüssig?

Für viele AM, die sich im Besitz von Versicherern befinden, wurde die Daseinsberechtigung als gegeben angesehen, während wir in Wirklichkeit einen langsamen Niedergang in Richtung Überflüssigkeit erlebt haben. Dieser Niedergang beschleunigt sich nun, was bedeutet, dass es für die Führungsebene – in der Gruppe, beim AM und auch beim Versicherer – an der Zeit ist, eine klare Entscheidung über das künftige Geschäftsmodell zu treffen und darauf aufzubauen.

Wie so oft wird der Erfolg darin liegen, dass einige wenige Dinge wirklich gut gemacht werden. Das bedeutet wahrscheinlich, dass man entscheiden muss, worauf man sich konzentrieren will und, was ebenso wichtig ist, was man nicht mehr tun will. Mit einer ehrlichen Überprüfung der Stärken und Schwächen, als auch dem Treffen von längst fälligen Entscheidungen, lässt sich jedoch ein zukunftsträchtiges Modell bauen.

Versicherungsgebundene Asset Manager haben also eine Daseinsberechtigung, wenn sie richtig ausgerichtet sind.


Über den Autor: 

Heiko Faust, Oliver Wyman

Heiko Faust ist Partner im Bereich Versicherungen von Oliver Wyman. Er hat mehr als 20 Jahre Erfahrung als Manager und Strategie-Berater in der Versicherungsbranche. Seine Schwerpunkte liegen speziell in der Lebensversicherung mit einem Fokus auf Strategie, Bestandsmanagement, Operational Excellence und Digitalisierung sowie Nachhaltigkeit.

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