Bric – preiswerte Super-Märkte

Bric – preiswerte Super-Märkte

An den Märkten der Bric-Länder (Brasilien, Russland, Indien und China) geht es derzeit nicht gerade zimperlich zu. Dabei begann die Story, die der Goldman-Sachs- Chefvolkswirt Jim O’Neill im Jahr 2003 begonnen hatte, so vielversprechend. Investoren stürzten sich auf die Aktienmärkte mit dem schmissigen Kürzel und ließen die Kurse, gemessen am Dax-Global Bric Index, von Anfang 2004 bis Ende 2007 um 233 Prozent steigen. Seitdem ist es jedoch zunächst vorbei mit der Herrlichkeit. Der Index verlor seit Jahresbeginn 54 Prozent an Wert. Die Spekulationsblase, die sich über die Jahre aufgebaut hatte, ist geplatzt. Doch genauso wie Investoren die Kurse zuvor hemmungslos hochjubelten, drücken sie sie derzeit übertrieben stark in den Keller. Aktuell kursieren im Internet Losungen wie „Vorsicht bei Schwellenländern: Die Party ist vorbei!“ Die neue Frage lautet also nun, wie weit diese neue Übertreibung wiederum anhält, und wann erste Investoren den Mut beweisen, wieder Aktien zu kaufen. Ein guter Zeitpunkt, sich in dem Scherbenhaufen einmal die Fakten genauer anzusehen. Während die westliche Welt derzeit in eine voraussichtlich recht herbe Rezession schliddert, wachsen die Wirtschaften der Schwellenländer wohl im kommenden Jahr noch weiter, wenn auch deutlich langsamer. So erwartet der Internationale Währungsfonds (IWF) für 2009, verglichen mit dem Vorjahr, Wirtschaftszuwächse von 3 Prozent für Brasilien, 3,5 Prozent für Russland, 6,3 Prozent für Indien und 8,5 Prozent für China. Bei den Industrienationen hingegen soll die Wirtschaft im Schnitt um 0,3 Prozent schrumpfen. „Wir erwarten, dass die Brics mehr als 90 Prozent des globalen Wachstums beisteuern werden“, schreiben Analysten von Goldman Sachs in ihrem monatlichen Bric-Magazin. Hinzu kommt, dass die Aktien der vier Kandidaten derzeit so günstig bewertet sind, wie es historisch gesehen wohl selten zuvor der Fall war. So werden chinesische Aktien mit dem 7,2-fachen der für 2009 geschätzten Unternehmensgewinne gehandelt. Bei Indien beträgt das durchschnittliche Kurs-Gewinn-Verhältnis 7,9 und bei Brasilien sogar 4,4. Den Vogel schießen aber die Russen ab, bei denen man Aktien derzeit für das 2,5-fache der Gewinnschätzungen bekommt. Hier dürfte aber genau wie bei Brasilien die Angst mitschwingen, dass die beiden Rohstoffexporteure wegen der stark gesunkenen Materialpreise noch einige Gewinneinbrüche verkraften müssen. Denn wohlgemerkt: Es handelt sich nur um geschätzte Werte. Es besteht die Gefahr, dass die Werkbank China, die Programmierstube Indien, die Erzmine Brasilien und das Ölfeld Russland stärker unter der Weltrezession leiden als zunächst gedacht. Ebenso gut kann die Hoffnung von Goldman Sachs wahr werden, und die Bric-Länder schneiden den Tropf ab, an dem sie hängen, und kommen mit ihren Wirtschaften auf eigene Füße. Dann ist es Zeit für ein Comeback der Bric-Story. Spannend ist das Thema ja, gehört aber derzeit eindeutig nicht zum Fokus der Emittenten. Einige interessante Produkte gibt es dennoch. Es ist schwierig für Anleger geworden, clevere Zertifikatekonstrukte auf die vier Bric-Länder zu finden. Durch den Aktiencrash, der Brasilien, Russland, Indien und China in diesem Jahr heimsuchte, sind die Schutzbarrieren der Bonuszertifikate reihenweise zerfetzt worden. Nur noch zwei Discountzertifikate von der Royal Bank of Scotland (RBS) spielen die noch vor einem Jahr scheinbar so unzerstörbaren Aktienmärkte. Und auch sie laufen im Dezember aus. Dabei könnte die Story um die Schwellenländer mit dem niedlichen Kosenamen gerade angesichts der eingebrochenen Aktienkurse nun erst recht interessant werden (siehe Marktbericht Seite 3). Hier springen zunächst die drei üblichen Aktienindizes ins Auge, die über Zertifikate verbrieft und damit investierbar sind. Eine Managementgebühr wird dabei generell nicht fällig, dafür gibt es auch keine Dividenden. Das klingt preisgünstig, ist es aber nicht. Denn der Indexanbieter Morgan Stanley Capital International (MSCI) beispielsweise beziffert für seine Indexversion die aktuelle Dividendenrendite mit 3,5 Prozent. Platzhirsche in Sachen Bric Der MSCI Bric Equity Index ist gleichzeitig das am breitesten gestreute Exemplar unter den Bric-Barometern. Er enthält die insgesamt 253 Mitglieder der vier einzelnen MSCI-Länderindizes und gewichtet sie nach der Marktkapitalisierung, also dem Börsenwert der Aktien. Ein entsprechendes Partizipationszertifikat (WKN: MS8E4Q) bietet lediglich das eigene Haus an: Morgan Stanley. Die meisten Zertifikate haben dagegen mit dem Dax-Global Bric Index von der Deutschen Börse zu tun. Er besteht aus 40 Einzelwerten – zehn aus jedem Land. Dabei darf ein Indexmitglied maximal ein Zehntel des Index repräsentieren, für die Länder gilt eine Maximalgrenze von 35 Prozent. Unter den drei Tracker-Zertifikaten macht sich das Dresdner-Bank-Papier (WKN: DR3WD8) angesichts einer An- und Verkaufsspanne (Spread) von 1,49 Prozent am besten. Die Konkurrenzprodukte von Goldman Sachs (WKN: GS0NFN) und RBS (WKN: AA0AF9) nehmen dagegen 2,07 beziehungsweise 2,45 Prozent. Der dritte Index im Bric-Bunde kommt von der Rating-Agentur Standard & Poor’s (S&P), die aus dem hauseigenen Länderindizes die insgesamt 40 größten Unternehmen zusammenfasst. Als Grundlage zählt auch hier analog zum MSCI-Index die Marktkapitalisierung der einzelnen Unternehmen, der Deckel pro Indexmitglied liegt bei einer Gewichtung von 10 Prozent. Je ein passendes Indexzertifikat kommt von der Hypovereinsbank (WKN: HV2CEJ), die ansonsten kein großes Bric-Rad dreht, und wieder von der Dresdner Bank (WKN: DR3WD7). Beide unterscheiden sich bei den Spreads mit 1,38 und 1,46 Prozent nur unwesentlich voneinander. Schweizer Eigenkreation Die Schweizer Bank UBS hat keinen der bereits auf dem Markt erhältlichen Indizes gewählt sondern sich einen eigenen gebaut. Der UBS Bric Country Rotator Index läuft nach einem Trendfolgesystem. Immer zum Halbjahresultimo gewichten die Schweizer das Land  it der stärksten Wertentwicklung mit 40 Prozent und die folgenden Länder mit 30, 20 und 10 Prozent. Dabei stehen die Länderindizes MSCI Brasilien, Russian Traded Index (RTX), UBS India ADR und Hang Seng China Enterprises zur Auswahl. Das Ganze klingt recht ausgeklügelt, lief aber zumindest in den vergangenen zwei Jahren nicht sehr erfolgreich. Das UBS-Zertifikat (WKN: UB0BRJ) verlor in dieser Zeit 39,4 Prozent, der Dax-Global Bric gab dagegen 33,1 Prozent ab. Ob sich angesichts dieses Ergebnisses die jährliche Risikomanagementgebühr von einem Prozent lohnt, darf zumindest in Frage gestellt werden. Auch die anderen Barometer schnitten recht unterschiedlich ab. So liegen die beiden enger gefassten Indizes von der Deutschen Börse und S&P seit dem 2. Februar 2004 mit 51,3 und 49,0 Prozent im Plus. Eine längere Historie ist nicht verfügbar. Der breitere MSCI-Index brachte dagegen lediglich 40,4 Prozent. Das kann aber auch Zufall sein, denn von der Konstruktion her dürfte kein Index dem anderen überlegen sein. Wer  sich beim Einstieg gern ein Sicherheitsnetz spannen möchte, bekommt eine verhältnismäßig schmale Auswahl präsentiert. Ein vorzeigbares ungedeckeltes Bo-nuszertifikat (WKN: GS03A4) auf den Dax-Global-Index kommt von Goldman Sachs. Es bietet bis zum 17. Juni 2011 eine Bonusrendite von 27,7 Prozent im Jahr, falls der Index nicht um mehr als 37,6 Prozent fällt (Stand: 3. Dezember 2008). Das klingt grundsätzlich verlockend. Der Puffer kann jedoch keineswegs als sicher betrachtet werden. Einen Blick wert sind ebenfalls die Kapitalschutz-Anleihen der RBS. Das Papier mit der Kennnummer AA0KMB nimmt ab dem Ausgangsniveau zu 112 Prozent an der Kursbewegung eines hauseigenen Bric-Aktienkorbs teil und bringt dem Anleger zum Laufzeitende am 21. März 2012 mindestens 90 Euro pro Anteil. Derzeit ist es für 77,69 Euro zu haben. Der zugrunde liegende Bric-Korb besteht zu je einem Viertel aus entsprechenden Länderindizes. Ein weiteres interessantes Garantiepapier läuft noch bis zum 19. Mai 2011, bietet zum Laufzeitende mindestens 100 Euro pro Zertifikat und ist derzeit für 90,38 Euro erhältlich. An den Indexbewegungen über das Startniveau hinaus nimmt es zu 96 Prozent teil.