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Nicht mehr die Deutschen Briten sind Europameister im Sparen

Straßenszene in London
Straßenszene in London: Im Vereinigten Königreich ist das Sparvolumen zuletzt am stärksten gestiegen. | Foto: imago images / wolterfoto
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Die Deutschen sind seit Neuestem nicht mehr Spar-Europameister. Diesen inoffiziellen, jedoch unrühmlichen Titel können mittlerweile die Briten vereinnahmen. Das ist das Ergebnis einer Studie des Fintechs Raisin DS, das Daten der EZB, der Bank of England, des Statistischen Bundesamts, von Eurostat und Barkow Consulting ausgewertet hat. Demnach ist das Einlagenvolumen britischer Sparerinnen und Sparer zwischen Juni 2020 und Juni 2021 um 170 Milliarden Euro gestiegen – Spitzenwert in Europa. In Deutschland kletterten die Kontoguthaben in selben Zeitraum um 160 Milliarden Euro.

Dass Sparguthaben steigen, ist auch in andere EU-Ländern zu beobachten. Um 6,5 Prozent legten in der Eurozone insgesamt die Kontoguthaben von Privatpersonen in dem Zeitraum zu. Besonders deutlich fiel dabei wiederum der Anstieg in Großbritannien aus. Dort vermehrte sich das Vermögen um 17 Prozent. Im deutschen Markt, dem größten Einlagenmarkt Europas, waren es 2,9 Prozent. Lediglich im Frankreich ist ein Rückgang bei den Spareinlagen zu beobachten.

Bei Raisin DS hat man die Spareinlagen auch ins Verhältnis zur Bevölkerung gesetzt. So stieg die Sparsumme pro Kopf im ersten Halbjahr 2021 besonders stark in den Niederlanden an – um 1.734 Euro. Deutsche Kontoguthaben vermehrten sich um 883 Euro pro Kopf.

Insgesamt hat das Geldvermögen der Deutschen 2021 ein nie zuvor erreichtes Niveau erklommen. In diesem Herbst ist laut Berechnung des Portals Tagesgeldvergleich.net, betrieben vom Finanzportal-Betreiber Franke Media, die 7-Billionen-Euro-Marke überschritten worden. In jeder Sekunde, so heißt es dort, kommen 9.445 Euro hinzu. Bei Tagesgeldvergleich rechnet man neben den Kontoguthaben auch längerfristige Anlageformen hinzu, jedoch keine Immobilien. Bargeld und Sichteinlagen machen dabei einen bedeutenden Anteil am Gesamtvermögen aus, meldet auch Tagesgeldvergleich.net. Von 9.445 Euro Rücklagen pro Sekunde werden hierzulande immerhin 4.111 Euro in Form von Bargeld und Sichteinlagen zurückgelegt.

Unrühmlich ist der Titel des Spar-Europameisters deshalb, weil auf klassischen Sparkonten das Ersparte nicht mehr zunimmt, sondern weniger wird. Die Misere ist allgemein bekannt. Schlimmstenfalls müssen Sparer auf ihre Rücklagen noch Negativzinsen zahlen. Rechnet man die Inflation ein, so verlieren Sparguthaben seit Jahren kontinuierlich an Kaufkraft. Die zuletzt deutlich angezogene Geldentwertung hat das Problem nur noch verschärft.

Warum Verbraucher dennoch große Summen in den bekanntermaßen unlukrativen Sparvehikeln wie Sparbuch oder Tagesgeldkonten lagern - und das Geld nicht etwa in renditeträchtigere Anlagen wie Aktien investieren? Neben einem falsch verstandenen Sicherheitsdenken ist ein nicht eben kleiner Faktor wohl auch schlicht – Bequemlichkeit.

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