Britischer Wahlausgang für Währung egal

Pfund wird wahrscheinlich verlieren

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Als pessimistisches Zeichen für die Währung ist zu sehen, dass Händler mehr zahlen als in den Wochen vor dem schottischen Unabhängigkeits-Referendum im September, um sich gegen Verluste des Pound Sterling zum Dollar abzusichern. Meinungsumfragen für die Wahl am 7. Mai prognostizieren ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Konservativen und Labour. Investoren sehen jedoch Risiken, egal wer letztlich die Regierung stellt.

„Alle Wege führen zu einer gewissen Sterling-Schwäche“ sagt Daragh Maher, Stratege bei HSBC Holdings Plc in London. Er rechnet damit, dass das Pfund bis Jahresende um mehr als zwei Prozent auf 1,45 Dollar fällt. „Traditionell entwickelt sich das Pfund besser, wenn erwartet wird, dass die Konservativen gewinnen und es entwickelt sich schlechter, wenn es nach einem Sieg für Labour aussieht. Aber das gilt diesmal so nicht.“

Die Konservativen haben ein Referendum zur Mitgliedschaft Großbritanniens in der Europäischen Union versprochen, während Labour sich für eine Immobiliensteuer und eine Begrenzung der Energiepreise stark macht. Experten gehen davon aus, dass das wahrscheinlichste Ergebnis eine Pattsituation im Parlament sein wird, mit keinem klaren Gewinner. Das verstärkt die politische Unsicherheit, zusätzlich zu Bedenken der Investoren, dass die schwache Produktivität die Bank of England bewegen könnte, die Zinsen niedrig zu halten.

Gegenüber dem Euro hatte die britische Währung am 11. März mit 70,14 Pence den höchsten Stand seit mehr als sieben Jahren erreicht. Am Dienstag notierte das Pfund gegenüber der Gemeinschaftswährung bei 73,38 Pence 0,2 Prozent niedriger. In Relation zum Dollar war Sterling bei 1,4953 Dollar wenig verändert zum Vortag und hatte sich in der vergangenen Woche fast einem Fünf-Jahres-Tief von 1,4635 Dollar genähert.

„Der Wechselkurs ist der deutlichste Ausdruck des britischen Wahlrisikos“, schrieb Hamish Pepper, Stratege bei Barclays in London, am 18. März in einer Mitteilung.

Der Aufschlag für Drei-Monats-Optionen zum Verkauf von Pfund zu Dollar gegenüber entsprechenden Kauf-Optionen kletterte am Freitag bis auf 2,92 Prozentpunkte - der höchste Wert seit Juni 2010. Damit lag er über dem Aufschlag von 2,21 Prozentpunkten Ende vergangenen Monats und dem Spitzenwert von 2,84 Prozentpunkten, der am 17. Sept. verzeichnet wurde - einen Tag bevor die Schotten gegen ein Ausscheiden aus dem Vereinten Königreich votierten.

Der Aufschlag gegenüber dem Euro weitete sich am Freitag auf 0,52 Prozentpunkte aus, den höchsten Wert seit der Woche des Schottland-Referendums. Vor weniger als einem Monat zahlten Händler das gleiche für Optionen, um sich sowohl gegen Gewinne als auch Verluste der britischen Währung abzusichern.

Umfragen zufolge wird keine der Parteien im Mai eine Mehrheit erreichen, so dass es nach dem Urnengang zu einem politischen Tauziehen bei den Koalitionsverhandlungen kommen dürfte. Eine am Montag veröffentlichte Umfrage von Populus zeigte 33 Prozent der Stimmen für Labour, 31 Prozent für die Konservativen, 16 Prozent für die britische Unabhängigkeitspartei und 9 Prozent für die Liberaldemokraten.

„Das ist kein Wettlauf zwischen zwei Parteien, eine jegliche Kombination von bis zu sieben Parteien könnte als Königsmacher fungieren“, sagt Aurelija Augulyte, leitende Analystin bei Nordea Bank AB in Kopenhagen. „Kein Szenario ist frei von Risiken für Großbritannien und seine Währung.“

Selbst wenn eine der beiden großen Parteien unmittelbar gewinnt, haben beide Politikansätze, die Devisen-Investoren beunruhigen.

Premierminister David Cameron von den Konservativen hat versprochen, Großbritanniens Mitgliedschaft in der EU, dem größten Handelspartner, neu zu verhandeln, bevor über ein Verbleib oder Ausscheiden in einem Volksentscheid bis Ende 2017 abgestimmt wird. Die so genannte „Herrrenhaus-Steuer“ von Labour und die Pläne zur Beschränkung von Energiegesellschaften stoßen bei Unternehmenslenkern auf Kritik.

Ein anderer wichtiger Einflussfaktor für die britische Währung ist, ob die Bank von England beginnt, die Zinsen zu erhöhen. Jedoch erreichen Messgrößen der antizipierten Sterling- Volatilität, die zeitlich mit der Wahl im Mai zusammenfallen, derzeit den Höhepunkt - ein Zeichen, dass die meisten Investoren die Wahl als wesentlichen Einfluss sehen.

„In der Welt der Währungs-Optionen gibt es nun einen Aufschlag bis zum Wahltag“, schrieb Andrew Rees, Analyst bei Macquarie Bank in London, in einer Studie vom 19. März. „Es ist ein Ausmaß an Diskrepanz, das gewöhnlich nicht so weit in die Zukunft reicht, und signalisiert, dass die Finanzmärkte besorgt sind.“

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