Einmal im Jahr legt Broadridge seine Karten auf den Tisch. Welche Fondsgesellschaft hat bei den Profis noch Strahlkraft? Wessen Name fällt zuerst, wenn europäische Fonds-Selektoren nach ihren bevorzugten Anbietern gefragt werden – jenen gut 1.300 Experten, die über Milliarden von Euro an Anlegergeldern wachen und am Ende entscheiden, welche Fonds auf die Shortlist kommen? Das Ergebnis der 15. Ausgabe der Studie „Fund Brand 50“ ist für manche Häuser in diesem Jahr ein Lorbeerkranz – und für andere ein stiller Alarm.
Denn Marke ist im Fondsgeschäft kein Luxus, sondern ein Überlebensfaktor. Wenn zwei Produkte mit vergleichbaren Renditeversprechen um einen Platz im Portfolio konkurrieren, entscheidet oft nicht der Sharpe-Ratio-Vorteil, sondern das Vertrauen, das eine Gesellschaft über Jahre hinweg aufgebaut hat. „Wenn die Wertentwicklung eines Produkts das Beta eines Asset Managers ist, dann ist die Marke ihr Alpha“, formuliert die Studie trocken. Es ist jenes Element des Geschäftserfolgs, das den Unterschied macht, wenn Produkte mit vergleichbaren Eigenschaften verglichen werden.
Das Vertrauen professioneller Käufer zu messen, ist das Kerngeschäft von Broadridge. Seit 2012 – damals noch unter dem Namen „Fund Brand 30“ – erfassen die Londoner Analysten jährlich die Markenpräferenzen professioneller Fondskäufer weltweit. In der aktuellen Auflage, erschienen im März 2026 und basierend auf Interviews des Gesamtjahres 2025, wurden Selektoren in zehn europäischen Märkten, sieben asiatischen Märkten und den USA befragt. Jedes Gespräch dauerte rund 45 Minuten und wurde in der jeweiligen Landessprache geführt. Das Ergebnis ist ein Total Brand Score (TBS), der aus Markenpräferenz und zehn gewichteten Markenattributen errechnet wird.
Lesen Sie hier nun die Rankings global, Europa und Deutschland - und wer die Auf- und Absteiger des Jahres sind.
Das globale Ranking
Die Rangfolge der globalen Top 25 liest sich auf den ersten Blick vertraut. Blackrock führt das Feld an, dahinter folgen J.P. Morgan Asset Management, Fidelity, Vanguard und Pimco – eine unveränderte Top Five. Franklin Templeton hält Rang acht, Morgan Stanley findet sich auf Platz 13. Alles beim Alten, könnte man meinen.
Schroders klettert vier Plätze und schiebt sich auf Rang neun vor – als eines von nur zwei nicht-amerikanischen Häusern in den globalen Top Ten, neben Amundi auf Platz zehn. Für die Studie ist das eine Premiere: Erstmals seit Beginn der Erhebung landen zwei Nicht-US-Marken in den globalen Spitzenpositionen. Allianz Global Investors (AGI) verbessert sich um einen Rang auf Platz 14. Gleichzeitig erreicht die globale Liste eine strukturelle Vollständigkeit zurück, die ihr zuletzt fehlte: Zum ersten Mal seit drei Jahren erfüllen wieder alle 25 Asset Manager das Kriterium, in jeder der drei untersuchten Regionen unter den Top 100 zu rangieren.
Neu in den globalen Top 25 vertreten sind gleich fünf Häuser: Natixis Investment Managers aus Frankreich (Platz 15), iShares (18), MFS Investment Management (22), Wellington Management (23) und Federated Hermes (25). Auf der anderen Seite des Spektrums verliert Dimensional Fund Advisors fünf Plätze auf Rang 20; State Street Investment Management und Vaneck rutschen jeweils um sechs Ränge ab auf die Plätze 21 und 24.
Der Blick auf Europa
Der europäische Schauplatz zeigt eine Hierarchie, die in ihrer Spitze stabil geblieben ist. Blackrock dominiert mit einem Total Brand Score von 5.400 Punkten und hat seinen Vorsprung auf den Zweiten, J.P. Morgan AM (4.390 Punkte), noch einmal ausgebaut; ein Plus von 334 Punkten gegenüber dem Vorjahr. Fidelity hält Rang drei (2.665 Punkte). Amundi rückt auf Platz vier vor.
Das prägendste Thema des Jahres 2025 ist dabei weniger das, was sich an der Spitze verändert hat, als das, was das gesamte Branchenklima bestimmt: der unaufhaltsame Aufstieg kostengünstiger ETFs und die wachsende Bedeutung von Private-Markets-Strategien. Thematische Verteidigungs-ETFs erzeugten in Europa besonders starke Nachfrage – und brachten einzelnen Häusern bemerkenswerte Kursgewinne in der Wahrnehmung der Selektoren.
Zu den auffälligsten Gewinnern zählt Wisdomtree, das um 20 Ränge auf Platz 30 vorspringt. Das Haus profitiert von seiner starken Position in Gold- und Rohstoffprodukten, seinem frühen Engagement in Krypto-ETPs sowie – entscheidend im Jahr 2025 – der Wisdomtree European Defense Ucits ETF (ISIN: IE0002Y8CX98), der Selektoren europaweit überzeugt. Das europäische ETF- und ETP-Angebot überschritt 2025 die Marke von 50 Milliarden US-Dollar an verwaltetem Vermögen. Auch Vaneck kletterte um zwölf Plätze auf Rang 35, mit dem eigenen Defense-ETF als häufig genanntem Rivalen.
Invesco gelingt nach einem Rückschlag 2024 die Trendwende: plus sechs Plätze auf Rang 16. Selektoren schätzen das Haus vor allem für US-Aktienexposure und sein wettbewerbsfähiges ETF-Angebot. Invesco wurde zudem beauftragt, für den größten kommerziellen Master Trust Großbritanniens, People’s Pension, über 300 Millionen Euro in AAA-bewerteten Collateralised Loan Obligations zu managen – nach Unternehmensangaben ein Novum für einen britischen Master Trust.
Ebenfalls stark im Plus: Rothschild & Co AM, das um 17 Plätze auf Rang 21 vorrückt, und RBC Bluebay AM, das als Newcomer mit einem Sprung von elf Plätzen in die europäischen Top 50 einzieht (Rang 50). Letzteres Haus, entstanden aus der Fusion von Bluebay AM und RBC Global AM, profitiert von seiner Expertise in Fixed Income und alternativen Strategien.
Der britische Boutique-Manager Artemis klettert um 13 Plätze auf Rang 23 – getrieben durch seine UK-Kernkompetenz, eine strategische Partnerschaft mit der Financial Times zur Markenbildung sowie durch Auszeichnungen wie den „Best Asset Manager“ der RSMR Awards. In Großbritannien liegt Artemis auf Rang 5. Stärkstes Attribut: „Local knowledge“.
Auf der anderen Seite des Tableaus haben DWS, Nordea AM und Allianz Global Investors spürbar nachgelassen. DWS fällt von Rang zehn auf 15.
DWS gehört zu den Marken, die in Europa Federn lassen. Der Rückgang von fünf Plätzen auf Rang 15 – nachdem das Haus 2024 noch auf Rang 10 geführt hatte – ist kein Einbruch, aber ein klares Signal. Die Stärken des Hauses liegen nach wie vor in der lokalen Markenverankerung (Deutschland: Rang 3, Österreich: Rang 4), während der Bekanntheitsgrad im Vereinigten Königreich mit Rang 169 verschwindend gering ist. Das schwächste Markenattribut: „Expert in what they do“ (Rang 26 unter den europäischen Top-50-Häusern).
Die Studie zitiert einen Schweizer Berater: „DWS verfügt über ein äußerst breites Produktangebot, weshalb es schwierig ist, die Kernkompetenzen des Unternehmens genau zu bestimmen.“ Das ist eine der präzisesten Beschreibungen eines Markenproblems, die man einem Haus mitgeben kann: Breite ohne Profil. Positiv: Im Bereich Passiv verbucht Xtrackers, das DWS-ETF-Label, einen Aufstieg von Rang 42 auf 33 und ist damit eigenständig auf dem Weg nach oben.
Nordea verliert neun Plätze auf Rang 27. Beobachter führen den Rückgang vor allem auf den gesunkenen Stellenwert von ESG-Investing bei Retail-Selektoren zurück – einem Gebiet, auf dem Nordea traditionell stark positioniert ist. Das ist das Paradoxe an diesem Ergebnis: Nordeas Empower Europe Fund (ISIN: LU3076185084) überschritt in nur sieben Monaten die Marke von 500 Millionen Euro und landete Ende 2025 führen auf dem Radar-Europe-Gruppennettozufluss-Leaderboard.
Allianz GI verliert sechs Plätze auf Rang 26. Selektoren bemängeln schwache Performance in Multi-Asset- und Alternatives-Strategien; viele schätzen das Haus jedoch weiterhin für seine breite Produktpalette und gute Kommunikation.
Die fünf wichtigsten Markenattribute in Europa
- Appealing investment strategy
- Client-oriented thinking
- Expert in what they do
- Keeping best informed
- Key international player
Blick auf Deutschland
Nirgendwo in Europa zeigt sich lokale Markentreue so klar wie in Deutschland. J.P. Morgan AM behauptet die Spitzenposition – das einzige der zehn untersuchten Länder und Regionen, in dem Blackrock nicht auf Platz eins steht.
DWS belegt trotz europäischen Rangverlustes einen stabilen dritten Platz und verbessert sich sogar um einen Rang. Flossbach von Storch hält Rang vier – europaweit notiert das Kölner Haus auf Platz 17, ein prägnantes Beispiel für das lokale Schwergewicht ohne globale Reichweite.
AGI landet in Deutschland auf Rang sieben, obwohl das Haus europaweit auf 26 abgerutscht ist. Der Aufstieg von Xtrackers auf Rang zehn ist symptomatisch für den gesamten Markt: Die separate Erfassung der DWS-Passivtochter zeigt, wie stark das ETF-Geschäft inzwischen eine eigenständige Markenidentität entwickelt hat.
Pictet AM klettert auf Rang 9 (+3). Das Genfer Haus profitiert in Deutschland von einer treuen Selektoren-Basis und gewinnt an Sichtbarkeit.
Top-10-Marken in Deutschland 2025
|
Rang |
Gesellschaft |
Veränd. |
|
1 |
J.P. Morgan AM |
0 |
|
2 |
Blackrock |
0 |
|
3 |
DWS |
+1 |
|
4 |
Flossbach von Storch |
−1 |
|
5 |
Fidelity |
+2 |
|
6 |
iShares |
−1 |
|
7 |
AllianzGI |
−1 |
|
8 |
Amundi |
0 |
|
9 |
Pictet AM |
+3 |
|
10 |
Xtrackers |
+4 |
Auffällig ist die Stärke von Goldman Sachs AM in Deutschland: Rang 17 im deutschen Markt (verglichen zu Rang 20 in Österreich, Rang 25 in Spanien und Ranf 24 in Italien). Und Franklin Templeton liegt in Deutschland auf Rang 13, ebenfalls deutlich über seinem europäischen Gesamtrang (22). Beide Häuser haben in Deutschland offenbar eine loyale institutionelle Selektoren-Basis.
Marke als Alpha
Broadridge ist kein klassisches Marktforschungsinstitut, sondern ein US-amerikanischer Finanzdienstleister mit breitem Portfolio – von Post-Trade-Infrastruktur bis hin zu Datenanalyse. Die Fund Buyer Focus Intelligence ist ein eigenständiger Analysebereich, der seit 2012 unter wechselndem Namen erscheint.
Die Methodik fußt auf einem Medal-Points-System: Fund-Selektoren nennen ihre Top-Drei-Präferenzen, die mit Gold (drei Punkte), Silber (zwei Punkte) und Bronze (ein Punkt) bewertet werden. Anschließend wird jedes der zehn Markenattribute – darunter „Appealing investment strategy“, „Client-oriented thinking“ oder „Solidity“ – nach seiner tatsächlichen Entscheidungsrelevanz gewichtet. Das Ergebnis ist der Total Brand Score, der nicht nur misst, wer bekannt ist, sondern wer tatsächlich bevorzugt wird.
Wer den Unterschied zwischen Brand Awareness und Brand Preference unterschlägt, versteht dieses Ranking nicht. Eine Gesellschaft kann bekannt sein – Werbung erzeugt Sichtbarkeit – und trotzdem im entscheidenden Moment nicht auf der Shortlist der Selektoren stehen.
Erst wenn Markenwert das Verhalten ändert, zählt er. Und genau das ist der Maßstab dieser Studie. Asset Manager, die es schaffen, in einem Umfeld aus Gebührendruck, Regulierung und ETF-Konkurrenz ihre Markenstärke zu erhalten, werden Vermögen nicht nur anziehen – sie werden es in schwierigen Phasen länger halten.


