Lesedauer: 2 Minuten

Brummende Kapitalmärkte übertönen Gefahren Steht die nächste Bankenkrise vor der Tür?

Manuel Peiffer Kundenberater bei GVS Financial Solutions in Dreieich
Manuel Peiffer Kundenberater bei GVS Financial Solutions in Dreieich
Schlechte Nachrichten vom europäischen Bankensystem sind fast an der Tagesordnung, dennoch scheint dies niemanden ernsthaft zu interessieren, da die brummenden Kapitalmärkte das Schrillen der Alarmglocken übertönen. Wer jedoch genauer hinschaut, erkennt die Gefahren deutlich.

Die Ratingagentur Fitch erklärte vor drei Monaten, dass die Zahl der faulen Kredite bei den Eurozonenbanken, die am jüngsten Stresstest teilgenommen hatten, im Jahr 2013 um 8 Prozent gestiegen ist. Bei 30 Banken lag sogar ein Anstieg von 20 Prozent vor. Dies wirkt sich natürlich negativ auf die Bankbilanzen aus. Im Juli kam es dann zum ersten großen Knall.

Die portugiesische Großbank Banco Espirito Santo (BES) vermeldete für das erste Halbjahr einen Rekordverlust von 3,57 Milliarden Euro. Portugal musste dem angeschlagenen Finanzinstitut mit einem Notkredit in Höhe von 4,9 Milliarden Euro unter die Arme greifen. Dieses Geld stammt aus einem Abwicklungsfonds, sodass diesmal nicht der Steuerzahler haften muss. Im Gegensatz zu den Bankenrettungen 2007 erleiden somit die Aktionäre quasi einen Totalverlust.

Die Krise der BES zieht jedoch weitere Kreise – nicht nur in der Finanzbranche. Die Portugal Telecom hielt ein großes Schuldenpaket, das über 6 Prozent der Bilanzsumme ausmacht. Das marode portugiesische Geldhaus bringt auch die französische Großbank Crédit Agricole in Bedrängnis.

Der Ausfall der BES schlägt sich mit mehr als 700 Millionen Euro Verlust bei den Franzosen nieder, da sie eine 15 prozentige Beteiligung an der BES auf null abschrieben.

In Italien meldet die einst vom Staat gerettete Banca Monte dei Paschi di Siena einen unerwartet hohen Verlust. Damit erreicht die nächste Welle einer europäischen Bankenkrise nach Portugal und Frankreich auch Italien. Auch Italien ist wieder stärker gefährdet.

Das Land steckt nach aktuellen Konjunkturangaben wieder in der Rezession, was sich negativ auf die Kreditnehmer auswirken wird. Die Banken dürften somit Probleme haben, die faulen und unsicheren Kredite abzubauen.

Aufgrund der oben genannten Probleme werden die Banken in der nächsten Zeit wieder vermehrt im Fokus stehen – und das aus gutem Grund. Nach der Euro-Krise haben einige Geldhäuser ihre Bilanzen nicht wirklich gestärkt. Schärfere Regularien wurden kaum durchgesetzt.

Die Gefahr einer weiteren Bankenkrise ist also groß. Es bleibt die spannende Frage wer diesmal haftet: Die Steuerzahler, die Aktionäre oder die Bankkunden, die mit ihren Einlagen haften kommen als mögliche Retter in Frage.
Mehr zum Thema
Bankenunion UpdateKann das Zusammenspiel ernsthaft funktionieren? Studie: „Banken müssen sich spezialisieren“