Flexibilität im Arbeitsalltag wird zum entscheidenden Faktor im Kampf um Talente. Das zeigt eine aktuelle Studie des Personalmanagement-Spezialisten Remote, die „Bloomberg News“ vorab vorlag.
Talentabwanderung durch starre Regelungen
Demnach gaben 74 Prozent der befragten Personalverantwortlichen in deutschen Finanzunternehmen an, in den vergangenen sechs Monaten Mitarbeiter an Konkurrenten mit flexibleren Arbeitsmodellen verloren zu haben. Gleichzeitig verzeichnen 88 Prozent eine steigende Nachfrage nach mehr Flexibilität seitens der Belegschaft.
Flexibilität als Schlüssel zum Erfolg?
Die Vorteile flexibler Arbeitsmodelle liegen auf der Hand:
- 48 Prozent sehen zufriedenere Mitarbeiter
- 40 Prozent berichten von höherer Produktivität
- 36 Prozent erkennen eine verbesserte Geschäftsfortführung
- 52 Prozent betonen die bessere Work-Life-Balance
Herausforderungen der neuen Arbeitswelt
Doch die Medaille hat zwei Seiten. 82 Prozent der Befragten berichten von Schwierigkeiten bei der Einhaltung internationaler Arbeitsgesetze. Weitere Hürden:
- 86 Prozent empfinden die Führung internationaler Teams als herausfordernd
- 86 Prozent verzeichnen steigende Kosten für benötigte Software
Flexibilität im Fokus: Wandel der Arbeitswelt in der Finanzbranche
Die Pandemie hat in der deutschen Bankenlandschaft einen tiefgreifenden Wandel ausgelöst. Homeoffice, einst die Ausnahme, wurde vielerorts zur Regel. Doch damit nicht genug: Innovative Konzepte wie Workation, also das zeitweise Arbeiten aus dem Ausland, fanden Einzug in die Personalpolitik namhafter Institute wie Helaba, LBBW und BayernLB.
Diese neue Flexibilität ist kein Zufall. Der Fachkräftemangel zwingt die Branche zum Umdenken. Besonders in spezialisierten Bereichen wie Regulatorik herrscht ein regelrechter „War for Talents“. Eine Studie der Berliner Index Gruppe unterstreicht die Dramatik: Allein im zweiten Quartal wurden 39.000 Stellen bei Banken und Fintechs ausgeschrieben – ein Anstieg um 10 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Doch die Pendel schwingt zurück. In Teilen der Finanzwelt wächst der Wunsch nach mehr Präsenz. Ein prominentes Beispiel liefert die Deutsche Bank, wo Anfang des Jahres eine Debatte um verschärfte Homeoffice-Regeln entbrannte.
Die Branche steht nun vor der Herausforderung, den richtigen Mix aus Flexibilität und Büropräsenz zu finden, um im Wettbewerb um die besten Köpfe bestehen zu können.
Zur Studie
Die Studie wurde von der Research-Beratung Censuswide im Auftrag von Remote durchgeführt. Befragt wurden über 4.000 Führungskräfte in zehn Ländern, darunter mehr als 500 in Deutschland und 81 speziell in deutschen Finanzunternehmen.