Anfang Juli erhielten tausende Beschäftigte und Pensionäre der Bundesbank Post von ihrem Arbeitgeber: „Endgültiger Beschluss zur Einstellung“ lautete der Betreff. Damit setzt die „Zentrale Personalkontoführung“ einen Vorstandsbeschluss um, Konten und Depots der eigenen Beschäftigten sukzessive zu kündigen, wie das „Handelsblatt“ berichtet. Eine vom Vorstand intern eingeschaltete Einigungsstelle hat die Sparmaßnahme demnach gebilligt.

Bislang hatten Beschäftigte der Bundesbank Anspruch auf ein kostenloses Girokonto und ein Wertpapierdepot – auf Lebzeiten, auch im Ruhestand. Eine Bundesbank-Sprecherin bestätigte den Schritt auf Nachfrage von DAS INVESTMENT. Es sollen rund 21.000 Konten betroffen sein.

Gerichtsurteil als Auslöser

Auslöser des Konflikts war eine Klage. Früher war das Personalkonto für alle Beschäftigten verpflichtend. Eine Beschäftigte wollte sich damit nicht abfinden und zog vor Gericht. Sie bekam recht.

Bundesbank-Präsident Joachim Nagel erinnerte an dieses Urteil bei einem Treffen mit Gewerkschaftern am 10. Juli 2024 in Fulda. Seither seien die Zahlen neu eintretender Beschäftigter, die ein Konto nachfragen, massiv zurückgegangen, zitiert das „Handelsblatt“. Intern gilt die Klage in Teilen der Belegschaft laut „Handelsblatt“-Recherchen als „Bärendienst“.

Nagel kritisiert Ton der Debatte

Zudem verwies Nagel laut „Handelsblatt“ auf eine Rüge des Bundesrechnungshofs für die milliardenschweren Pläne zum Um- und Ausbau der historischen Bundesbank-Zentrale. Daraufhin habe der Vorstand das Großprojekt gekippt und suche nun nach einer günstigeren Umzugslösung. In diesem Klima ließen sich die Kosten für Mitarbeiterkonten nur schwer vermitteln.

Die interne Reaktion auf die Kündigung fiel scharf aus: Laut „Handelsblatt“ kritisierten Personalvertreter den Vorstand im Intranet heftig, viele Kommentare bezeichnete Nagel selbst als „fürchterlich“. Er wünsche sich manchmal, dass Beschäftigte sich einen Moment zurücknähmen und reflektierten, welches Angebot die Bundesbank ihnen als Angestellte oder Beamte im öffentlichen Dienst eigentlich biete.

Übergangsphase bis Mitte 2029

Die Kündigungen sollen spätestens zum Ende einer Übergangsphase Mitte 2029 wirksam werden. Bis dahin muss die Bundesbank Partnerschaftsangebote von Geschäftsbanken einholen und den Kontoinhabern vorstellen; Betroffenen stellt sie zudem Kontowechselhilfen in Aussicht.

Vor dem Hintergrund von Stellenabbau, Filialschließungen und der Aufgabe der eigenen Zentrale wird die Kündigung der Personalkonten von vielen Beschäftigten als weiterer Tiefpunkt wahrgenommen. „Nicht meine Bank“, kommentierte ein Mitarbeiter demnach im Intranet.

Den derzeitigen Stand der Verhandlungen mit den möglichen Kooperationspartnern sowie die Anforderungen, die diese erfüllen müssen, wollte die Bundesbank auf Nachfrage von DAS INVESTMENT nicht kommentieren. Einzelne Schritte und Einzelheiten zur Umsetzung der Entscheidung würden in den kommenden Monaten erarbeitet, erklärte die Sprecherin. Dabei lege die Bundesbank großen Wert darauf, aktive und ehemalige Beschäftigte jeweils selbst und unmittelbar über den weiteren Verlauf zu informieren.