Bundestagswahl Was ein Kanzler Schulz für die Märkte bedeutet

Seite 2 / 2

Nur kurze Verunsicherung an den Finanzmärkten

Und wie reagieren die Finanzmärkte? Die wären nach Ansicht der beiden Experten durch einen Machtwechsel wahrscheinlich erst einmal durch Verunsicherung geprägt, und Risikoaversion und Volatilität würden steigen. Jedoch nicht langfristig: „Da sich die Rückkehr der Inflation in Europa unter Schulz gefühlt beschleunigen dürfte, könnten risikobehaftete Aktiva im Anschluss profitieren, insbesondere in Peripherie“, meint Lück.

Auch für deutsche Risiko-Assets hält er die SPD nicht unbedingt für schlecht. Schließlich bewies schon die Schröder-Regierung, dass Sozialdemokraten durchaus marktfreundlich agieren können. Allerdings sieht Lück einen bedeutenden Unterschied zu damals: „Als Gerhard Schröder 1998 sein Amt antrat, war die Arbeitslosigkeit in Deutschland hoch, und strukturelle Reformen waren dringend nötig. Das ist jetzt anders. Deutschland ruht sich selbstzufrieden auf seinen früheren Reformen aus.“ Nach Analyse der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ist die Reformfreudigkeit Deutschlands relativ gering und liegt unter dem EU-Durchschnitt (siehe Grafik).

Reformfreudigkeit Deutschland

Die BlackRock-Experten sehen die Gefahr, dass die SPD eher auf Wohltaten setzt und notwendige Reformen nicht angeht. Schulz‘ jüngste Vorschläge, an der Agenda 2010 herum zu schrauben, halten sie zwar für wahlstrategisch geschickt. „Auf längere Sicht dürften sie aber die Flexibilität des Arbeitsmarkts und die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen eher schwächen“, warnt Lück.

Den kompletten BlackRock-Kommentar zur Bundestagswahl können Sie hier herunterladen.