Der Bundesverband Investment und Asset Management (BVI) drängt die Politik, die angestoßenen Reformen in der Altersvorsorge und Infrastrukturfinanzierung konsequent fortzusetzen. Insbesondere fordert der Verband eine stärkere Kapitaldeckung auch in der gesetzlichen und betrieblichen Rente.

„Auch wenn einige, vor allem in den EU-Institutionen, das Wort scheuen wie der Teufel das Weihwasser – was wir brauchen, ist bewusste Deregulierung“, sagte Thomas Richter, Hauptgeschäftsführer des BVI. In der Fondsbranche könnten hunderte überflüssige Regeln gestrichen werden, ohne die Risiken für den Finanzmarkt oder die Verbraucher zu erhöhen.

Lob für Garantieabschaffung, Kritik an Frühstart-Rente

Der BVI begrüßt den Gesetzentwurf zur Reform der privaten Altersvorsorge, der zentrale Forderungen des Verbands aufgreift. Mit dem neuen Altersvorsorgedepot entfallen der Zwang zu Garantien und lebenslanger Verrentung. „Die Reform ist ein Paradigmenwechsel und steigert die Attraktivität der privaten Altersvorsorge erheblich. Zudem schafft Deutschland international endlich den Anschluss“, so Richter.

Kritisch sieht der Verband allerdings die geplante Frühstartrente für Kinder von sechs bis 18 Jahren. Bei der vorgesehenen staatlichen Auffanglösung für Eltern, die sich nicht für ein Produkt entscheiden, würden diese Familien keinen direkten Kontakt mit dem Kapitalmarkt haben. Dadurch löse sich die angestrebte Verbesserung der Finanzbildung in Luft auf.

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Angesichts des demografischen Wandels reiche die Reform der dritten Säule nicht aus. „In der gesetzlichen Rente ist der Einstieg in die Kapitaldeckung notwendig, um die wachsende Abhängigkeit des Rentensystems von Steuerzuschüssen mittelfristig zu verringern“, forderte Richter. Nach schwedischem Vorbild könnte der kapitalgedeckte Anteil der gesetzlichen Rente über regelmäßige Beitragszahlungen in einen staatlich organisierten Fonds oder in Fonds privater Anbieter fließen.

In der betrieblichen Altersvorsorge brauche es zudem Lösungen ohne Garantien, die auch außerhalb von Sozialpartnermodellen möglich sind, betont Richter. Nur so könne die betriebliche Altersvorsorge bei kleinen und mittleren Betrieben zum Erfolg werden. 

Versicherungsbranche verwaltet 1.349 Milliarden Euro

Das Potenzial für kapitalgedeckte Altersvorsorge zeigt sich in der aktuellen BVI-Statistik: Altersvorsorgeeinrichtungen verwalten bereits 813 Milliarden Euro in offenen Spezialfonds, Versicherer weitere 536 Milliarden Euro. Das ist mehr als die Hälfte des insgesamt in offenen Spezialfonds verwalteten Vermögens.

BVI
Von den 2.287 Milliarden Euro, die offene Spezialfonds verwalten, entfallen 1.349 Milliarden Euro auf Pensionsfonds und Versicherer
Bildquelle: BVI

Das Neugeschäft offener Spezialfonds hat sich 2025 gegenüber dem Vorjahr von 33,8 auf 64,3 Milliarden Euro nahezu verdoppelt. Insgesamt verwalteten Fondsgesellschaften zum Jahresende 2025 für Anleger in Deutschland 4.851 Milliarden Euro. 

Das Neugeschäft offener Spezialfonds, die vor allem von institutionellen Investoren wie Altersvorsorgeeinrichtungen und Versicherern genutzt werden, hat sich 2025 gegenüber dem Vorjahr von 33,8 auf 64,3 Milliarden Euro nahezu verdoppelt
Das Neugeschäft offener Spezialfonds, die vor allem von institutionellen Investoren wie Altersvorsorgeeinrichtungen und Versicherern genutzt werden, hat sich 2025 gegenüber dem Vorjahr von 33,8 auf 64,3 Milliarden Euro nahezu verdoppelt: | Bildquelle: BVI

Kritik an Fida und zentraler EU-Aufsicht

Kritisch äußerte sich der BVI unterdessen zu Fida, dem Open-Finance-Projekt der EU. „Fida untergräbt die strategische Autonomie der EU“, warnte Richter. Die Initiative werde es nicht schaffen, Tech-Giganten aus Drittstaaten fernzuhalten, ohne diese zu diskriminieren. Jeder Versuch könne Vergeltungsmaßnahmen der USA provozieren.

Auch eine zentralisierte Finanzaufsicht für große grenzüberschreitend tätige Asset Manager unter dem Dach der EU-Behörde Esma lehnt der Verband ab. Eine solche Aufsicht wäre ineffizient und teuer, da die nationalen Aufsichtsbehörden weiterhin benötigt würden. „Wir brauchen keine weitere Aufsichtsbehörde, sondern eine bessere Zusammenarbeit“, forderte Richter. Die Esma sollte ihre Koordinationsrolle ausbauen, vor allem aber sollte die EU die Regulierung vereinfachen.