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Verantwortung für die Zukunft

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Solarofen in Marokko: SRI-Pionier Candriam tritt schon seit 1996 für Nachhaltiges Investieren ein. | © Getty Images

Candriam Academy für Nachhaltiges Investieren

„Gestärkt und gestählt ins Kundenberatungsgespräch“

Achim Gilbert, Candriam

Herr Gilbert, was war der Beweggrund, dass Candriam die weltweit erste frei zugängliche Online-Lernplattform für Nachhaltiges Investieren online gestellt hat?

Achim Gilbert: Vor dem Start des Projekts Ende 2018 haben wir mit einer Kommunikationsagentur eine europaweite Umfrage unter Finanzintermediären, Beratern und Investoren durchgeführt. Es zeigte sich: Über 60 Prozent der Studienteilnehmer aus Deutschland, Frankreich, Italien, Großbritannien und den Niederlanden sind überzeugt, dass Nachhaltiges Investieren Mehrwerte schafft. Mit Blick auf die Absatzmöglichkeiten gehen 70 Prozent davon aus, dass Nachhaltiges Investieren in den nächsten zehn Jahren an Bedeutung gewinnen wird.

Deutlich wurde aber auch: In Deutschland tun sich Finanzintermediäre teilweise noch schwer damit, Nachhaltiges Investieren im Ringen um die Kunden einzusetzen. Das hat den Ausschlag für unsere akkreditierte Trainingsplattform für nachhaltiges und verantwortliches Investieren gegeben, die online frei und unentgeltlich verfügbar ist und sich damit von bestehenden Bezahlangeboten abhebt.

Wie ist die Candriam Academy aufgebaut?

Gilbert: Die Plattform ist modular strukturiert. Sie enthält Multimedia-Inhalte wie etwa Videos, Berichte, Infografiken und Umfrageergebnisse sowie Multiple-Choice-Tests. Uns war es inhaltlich wichtig, unabhängige Institutionen wie zum Beispiel das Forum für Nachhaltige Geldanlagen und ÖGUT, die Österreichische Gesellschaft für Umwelt und Technik, einzubinden, um den Nutzern der Plattform ein hochqualifiziertes Umfeld zu bieten.

Was erwartet die Nutzer? Wie läuft eine Trainingsrunde durch die Lernmodule ab?

Gilbert: Unter https://academy.candriam.de kommt man direkt auf die deutschsprachige Version der Academy. Darüber hinaus gibt es inzwischen Versionen in Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch und seit Ende Oktober 2019 auch auf Niederländisch. Man steigt mit der Anmeldung per E-Mail-Adresse ein, sieht ein Einführungsvideo und kann dann mit dem ersten von vier logisch aufeinander aufgebauten Lernmodulen starten: Sie umfassen „Nachhaltiges Investieren”, „Kernfragen zum Thema Nachhaltigkeit und ESG“, „SRI-Strategien und -Ansätze” und „Finanzielle Performance von SRI”.

Die jeweiligen Inhalte werden für die Nutzer noch plastischer, weil wir Fallbeispiele eingebaut haben, die die einzelnen Themenbereiche illustrieren. Für den Multiple-Choice-Test am Ende gilt: Mindestens 80 Prozent der teils kniffligen Fragen sind richtig zu beantworten. Der Test lässt sich wiederholen, die Fragen sind dann aber wieder jeweils andere – sodass es nie langweilig wird.

Könnten Sie eines der Fallbeispiele näher beschreiben? Etwa „Finanzielle Performance von SRI”; hier gibt es häufig noch Skepsis.

Gilbert: Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen: Es gibt keine langfristige, systematische Abweichung der Finanzperformance von nachhaltigen Ansätzen im Vergleich zu konventionellen Ansätzen. Wir versprechen nicht, dass Nachhaltigkeit immer besser performt, aber langfristig gibt es keine systematischen Risiken nach unten. In einzelnen Jahren kann es Abweichungen geben, etwa wenn hochkapitalisierte Einzelwerte aus Nachhaltigkeitsbedenken nicht investiert werden, aber an der Börse überdurchschnittlich gut laufen. Diese Aktien bergen aber häufig ein Risiko, das der Markt aktuell nicht einpreist, das aber später durchschlägt.

Die Academy-Lernplattform lässt sich auch extern einsetzen, was hat es damit auf sich?

Gilbert: Vertriebe haben uns gefragt, ob sie die Academy in ihre Fortbildungsmaßnahmen einbinden können. Daher bieten wir auch eine Landingpage mit Co-Branding für den jeweiligen Vertriebspartner an, auf der die Nutzer dann starten können. Das wird sehr gut angenommen; so sind wir etwa bei einer großen deutschen Bank in die Fortbildung der Mitarbeiter integriert.

Über alle teilnehmenden Länder hinweg haben wir über 2.000 registrierte Nutzer. Diese haben mittlerweile 4.000 Trainingsstunden absolviert. Wir haben den ersten Update-Prozess für die Academy gestartet, denn wir haben von vielen Teilnehmern das Feedback bekommen, dass die vier Module mit je 60 Minuten oft nur schwer in den Arbeitsalltag zu integrieren sind. Wir reduzieren daher den Zeitaufwand pro Einheit auf jeweils 30 Minuten. Zu den Neuheiten gehört auch, dass wir damit insgesamt acht Module mit jeweils überarbeiteten Inhalten anbieten wollen. Wir sind mit diesem neuen Ansatz in Großbritannien und Italien bereits gestartet. Deutschland wird bald folgen. Anpassungen erfolgen ebenso in den neuen Teilnehmerländern Spanien und USA.

Die USA gelten insgesamt ja eher nicht als Nachhaltigkeitsvorreiter…

Gilbert: Das hängt mit der Außenwirkung von Donald Trumps Politik zusammen. Das Interesse für Nachhaltigkeit ist jedoch riesig. Viele institutionelle Investoren wissen, dass sie als Treuhänder von Pensionsvermögen Nachhaltigkeit nicht links liegen lassen können. ESG-Risiken müssen gemanagt werden. Auf diesem Gebiet will man sich fit machen, weil zum Beispiel die Pensionsfonds in dieser Hinsicht Druck machen.

Finanzvermittler erhalten nach Abschluss der Academy ein Zertifikat. Inwieweit erzielen Finanzvermittler mit ihrer neuen Wissensstufe im Wettbewerb einen deutlichen Mehrwert?

Gilbert: Der eigentliche Sinn des Zertifikats ist nicht, es an die Wand zu hängen, sondern dass die Nutzer der Lernplattform gestärkt und gestählt ins Kundenberatungsgespräch gehen können. Dort lassen sich dann Fragen, Bedenken und Zweifel der Kunden leichter parieren. Ein Beispiel: Eine 25-jährige Erbin, die gerade engagiert von der Fridays for Future-Demo kommt, legt auch Wert auf die nicht-finanziellen Nachhaltigkeitsaspekte der Investment-Lösung ihres Beraters. Mit unserer Lernplattform bieten wir den Beratern ein in sich geschlossenes, rundes Einstiegsprogramm, das im Hinblick auf Nachhaltigkeit vorbereitet und auf die anspruchsvoller werdende Diskussion mit den Kunden.

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