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Rob Neithart, Investmentstratege bei Capital Group: „Es geht weniger darum, ob sich etwas Schlechtes verbessert, als darum, ob es sich besser hält als erwartet.“ | © Capital Group

Capital Group zu Anleihen aus Schwellenländern

„Comeback auf leisen Sohlen“

Herr Neithart, in vielen Schwellenländern kam es im vergangenen Jahr zu einem Ausverkauf. Wie groß ist das Risiko, dass daraus eine systemische Krise entsteht?

Rob Neithart: Ich halte das Risiko einer systemischen Krise bislang für recht gering. Emerging-Market-Anleihen sind konjunktursensitiv und vom Weltwirtschaftswachstum abhängig – und ich glaube nicht, dass der Weltwirtschaft eine neue Rezession droht. China hat seine Geldpolitik deutlich gelockert, die USA betreiben eine expansive Fiskalpolitik, und Japan sowie der Euroraum haben aufgrund der weiter niedrigen Inflation keine Eile mit der Straffung ihrer Geldpolitik.

Allerdings sind vergangenes Jahr viele Schwellenländer gleichzeitig in Schwierigkeiten geraten, was Investoren beunruhigt hat. Vor allem China bereitet seit einiger Zeit Sorgen. Die Zweifel sind zwar noch nicht passé, haben aber deutlich nachgelassen. Außerdem fürchten Kapitalmarktteilnehmer eine zu starke Straffung der US-Geldpolitik. Andere Länder wiederum haben hausgemachte Probleme, beispielsweise die Türkei und Argentinien.

Dagegen haben sich die Spreads anderer Marktsegmente, etwa die von US-Dollar denominierten Emerging-Market-Anleihen mit höherer Kreditqualität und höherem Investmentgrade-Status, in den vergangenen Monaten nur wenig ausgeweitet. Offensichtlich differenzieren Anleger stark was für aktive Manager nur gut sein kann.

Zahlreiche Schwellenländeranleihen haben ein Investmentgrade-Rating, doch in volatilen Zeiten kommt es oft zu einem undifferenzierten Ausverkauf der gesamten Asset-Klasse. Was bedeutet das für Ihre Anlageentscheidungen?

Neithart: Ich unterscheide zwischen dem Vorzeichen und dem Ausmaß der Korrelation. Ein positives Vorzeichen bedeutet, dass sich die einzelnen Marktsegmente im Wesentlichen in die gleiche Richtung bewegen. Ein schwieriges Marktumfeld, in dem internationale Aktien unter Druck stehen und sich die Kredit-Spreads ausweiten, ist für Schwellenländer meist ungünstig.

Beispielsweise haben sich die argentinischen Spreads Anfang des Jahres um mehrere Hundert Basispunkte ausgeweitet, während sich die Spreads höherwertiger Anleihen – etwa aus Peru, Kolumbien, Polen, Rumänien und Südafrika – kaum veränderten. Diese Länder sind nachhaltiger finanziert, was Kreditprobleme sehr viel unwahrscheinlicher macht.

Als Research orientierte Investoren wollen wir die Einzelheiten verstehen und herausfinden, welche Titel fehlbewertet sein können – etwa, weil höherwertige Anleihen ohne wirklichen Grund in großem Umfang abgestoßen wurden oder ein echter Problemkredit plötzlich überraschend stabil ist. Mich interessiert dabei eher die zweite Ableitung: Es geht weniger darum, ob sich etwas Schlechtes verbessert, als darum, ob es sich besser hält als erwartet.

Halten Sie zurzeit Lokalwährungsanleihen oder Fremdwährungsanleihen für interessanter?

Neithart: Auf den ersten Blick scheinen Lokalwährungsanleihen interessanter als auf US-Dollar laufende Titel. In den vergangenen sieben oder acht Jahren sind die Erträge von Lokalwährungsanleihen hinter denen von Dollaranleihen zurückgeblieben. In Dollar denominierte Titel aus Mexiko, Südafrika, der Türkei und Russland verzeichneten trotz gleicher Kreditqualität deutlich höhere Erträge als die Lokalwährungsanleihen dieser Länder. Man hätte eine gewisse Korrelation erwarten können, aber das war nicht der Fall.

Alles in allem scheinen mir Lokalwährungsanleihen zwar chancenreicher und attraktiver bewertet. Dennoch passe ich genau auf, um nicht in einen Titel zu investieren, der zwar billig scheint, aber dessen Währung aufgrund ungelöster Probleme immer weiter abwertet. Deshalb halte ich mich in Problemländern zurück.

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