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Fahnen am Gebäude des Europarates in Brüssel: Europäische Aktien sind in vielen Sektoren niedriger bewertet als Titel aus den USA. | © Getty Images

Capital Group zu Europa-Aktien „Niedrig bewertete Titel haben Potenzial“

Das Umfeld in Europa ist für Anleger schwierig. Die Verhandlungen über den Ausstieg Großbritanniens aus der Europäischen Union (EU) sind in der entscheidenden Phase. Zudem bereiten die italienischen Staatsfinanzen Sorgen, und bei den Europawahlen im Mai 2019 haben nationalistische Bewegungen das Potenzial, an Macht zu gewinnen.

Zugleich hat die Europäische Zentralbank (EZB) ihr Anleihenkaufprogramm Ende 2018 beendet. „Bei den Zinsen gehen wir davon aus, dass diese bis Sommer 2019 unverändert bleiben“, sagt Robert Lind, Volkswirt bei Capital Group, und fügt hinzu: „Wenn sich Wachstum und Inflation wie erwartet entwickeln, dürfte die EZB die Zinsen aber Ende 2019 leicht anheben.“ Im Gegensatz dazu würde die Führung der Bank of England die Zinsen wohl gerne anheben, hat diesen Schritt aber bislang aufgrund der Unsicherheit rund um den Brexit nicht gewagt. Hier dürfte erst eine Entscheidung fallen, wenn die Beziehungen zur Europäischen Union klar definiert sind.

Banken profitieren von stabiler Weltwirtschaft

Trotz der politischen Unsicherheit und ihrer großen Bedeutung für die Stimmung an den Finanzmärkten ist Lind sicher: „Wenn die Weltwirtschaft stabil bleibt, dürften viele international ausgerichtete europäische Unternehmen profitieren. Vor allem europäischen Banken und zyklischen Industrieunternehmen kämen optimistischere Weltwirtschaftserwartungen entgegen.“ Derzeit prognostiziert der Internationale Währungsfonds für 2019 ein recht ordentliches Weltwirtschaftswachstum von 3,7 Prozent.

Der Unternehmenssitz beeinflusst die Bewertung

Erfreulich ist auch, dass europäische Aktien in vielen Sektoren niedriger bewertet sind als US-amerikanische Titel. „In Europa ist die politische Risikoprämie höher als in den USA, doch es gibt auch Chancen“, sagt Lind. Gute Beispiele für günstig bewertete europäische Unternehmen sind der Flugzeughersteller Airbus und der deutsche Sportartikelhersteller Adidas, die gegenüber ihren amerikanischen Pendants Boeing und Nike niedrig bewertet sind. „Die Unternehmen haben stabile Finanzen und gute Langfristperspektiven. Ihre niedrige Bewertung hat viel mit dem Land zu tun, in dem sie ihren Sitz haben“, erläutert Lind. Dem Volkswirt zufolge ist es für den Anlageerfolg in Europa deshalb wichtig, Wertpapiere selektiv auszuwählen.

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