Capital Group zu Midterm elections Seit 1950 steigen nach Zwischenwahlen die Märkte

Capitol in Washington: „Können die Republikaner beide Kammern halten, ist ein Kursanstieg wahrscheinlich“, erwartet Matt Miller, politischer Volkswirt bei Capital Group. | © Getty Images

Capitol in Washington: „Können die Republikaner beide Kammern halten, ist ein Kursanstieg wahrscheinlich“, erwartet Matt Miller, politischer Volkswirt bei Capital Group. Foto: Getty Images

Matt Miller, politischer Volkswirt bei Capital Group

Wenn am 6. November ein Drittel des US-amerikanischen Senats und der gesamte Kongress neu gewählt werden, könnte der Ausgang der Wahlen zwar kurzfristig erhebliche Auswirkungen auf den Markt haben, dafür sei mit langfristigen Auswirkungen kaum zu rechnen, so Matt Miller, politischer Volkswirt bei Capital Group. Dennoch sollten Investoren drei Szenarien des Wahlausgangs im Blick haben.

Szenario 1: Demokraten gewinnen das Repräsentantenhaus

„Wenn die Demokraten das Repräsentantenhaus übernehmen und die Republikaner den Senat behalten, wird sich das an den Märkten nur geringfügig bemerkbar machen“, blickt Matt Miller voraus. Er hält dieses Ergebnis als wahrscheinlichsten Wahlausgang. Dafür müssten die Demokraten 23 zusätzliche Sitze für eine Mehrheit gewinnen, zwölf davon gelten bereits als sicher. „Da die meisten Anleger mit diesem Ergebnis rechnen, hätte es die geringsten Auswirkungen auf die Märkte“, so Miller.

Sollten die Demokraten nur in einer Kammer des Kongresses die Mehrheit erlangen, sind sie ohne eine republikanische Mitarbeit nicht in der Lage, Gesetze durchzubringen. „Von den Demokraten sind in diesem Fall eher symbolische Legislativvorschläge für die Präsidentschaftswahl 2020 zu erwarten. Damit lassen sich zwar Schlagzeilen machen, aber weitreichende Gesetze sind dann nicht zu erwarten“, erklärt der Experte.

Szenario 2: Republikaner behalten ihre Mehrheit

„Wenn der Status quo erhalten bleibt – also die Republikaner beide Kammern halten können –, ist es wahrscheinlich, dass die Kurse steigen“, erwartet Miller. Sollten die Republikaner sowohl den Senat als auch das Repräsentantenhaus halten, dürfte das den Erwartungen der meisten Anleger widersprechen. „Man könnte meinen, dass eine Verlängerung des Status quo keine besonders scharfe Reaktion bei Aktien und Anleihen hervorrufen würde. Das entscheidende Kriterium an den Märkten ist allerdings die politische Unsicherheit“, weiß der Volkswirt. „Kaum einer rechnet damit, dass die Republikaner beide Kammern halten können.“ Für Anleger, die in den vergangenen zwei Jahren Maßnahmen wie Deregulierung und Steuersenkungen begrüßt haben, dürfte das potenzielle Ende einer solchen unternehmensfreundlichen Politik jedoch ein Risiko darstellen.

Szenario 3: Demokraten siegen überraschend in beiden Kammern

„Wenn die Demokraten sowohl Repräsentantenhaus als auch Senat gewinnen, wäre es das überraschendste Ergebnis – sowohl aus Sicht der aktuellen Erwartungen als auch für potenzielle Marktauswirkungen. Dann ist eher ein Abwärtstrend zu vermuten“, sagt Miller. Es sei verfrüht, bei diesem Ergebnis auf den Ausgang der Präsidentschaftswahlen im Jahr 2020 zu schließen, ein tiefgreifender politischer Wandel könnte trotzdem bereits eingeleitet werden. „Bei diesem Ergebnis würden die Märkte beginnen, politische Vorschläge von links ernster zu nehmen. Selbst dann, wenn Trump gegen jede Gesetzgebung, die er in den nächsten zwei Jahren nicht mag, ein Veto einlegt“, meint der Experte.

Anleger sollten die Fundamentaldaten im Blick behalten

Auch wenn das Ergebnis der Zwischenwahlen kurzfristig massive Einflüsse auf die Märkte haben könnte, seien langfristige Auswirkungen allerdings unwahrscheinlich. Matt Miller: „Die Politik kann zwar kurz- und sogar mittelfristige makroökonomische Effekte haben, die Fundamentaldaten werden meist jedoch nur geringfügig beeinflusst.“ Darüber hinaus könnten sich Unternehmen mit der Zeit an veränderte rechtliche und regulatorische Rahmenbedingungen anpassen.

Für Anleger gilt daher: Mit einem langfristig orientierten Investitionsansatz dürften die Midterm Elections nur begrenzte Auswirkungen für das Portfolio haben. Miller hat noch einen Tipp für Investoren parat: „Obwohl vergangene Ergebnisse keine Garantie für zukünftige Ergebnisse sind, waren die Märkte nach jeder Halbjahreswahl seit 1950 ein Jahr später auf einem höheren Niveau.“