Carlo Funk, iShares „Nachhaltige ETFs sind inzwischen Mainstream“

Carlo Funk, Vertriebsexperte bei iShares: „Bei ETFs sind vor allem Einfachheit und Transparenz ausschlaggebend.“ | © iShares

Carlo Funk, Vertriebsexperte bei iShares: „Bei ETFs sind vor allem Einfachheit und Transparenz ausschlaggebend.“ Foto: iShares

Herr Funk, welche Indizes bilden die neuen iShares Sustainable Core ETFs nach?

Carlo Funk: Die neuen ETFs replizieren die Indizes MSCI World, MSCI Japan, MSCI Emerging Markets, MSCI Europe, MSCI EMU und MSCI USA. Damit sind alle großen Weltmärkte abgedeckt. Vor vier Jahren hat BlackRock in Europa bereits eine Core-ETF-Reihe gestartet. Die sechs neuen Sustainable Core ETFs bauen darauf auf und sollen einen neuen Standard im Bereich der ESG-Anlagen setzen. Außerdem ergänzen sie die Palette aus bisher 15 iShares ESG-ETFs, die als UCITS-Fonds aufgelegt sind.

Warum legen Sie weitere nachhaltige ETFs auf? Reicht die bestehende Palette nicht?

Funk: Das Thema Nachhaltigkeit wird in der Finanzwelt immer mehr zum Mainstream. Bislang haben sich in erster Linie institutionelle Anleger wie Kirchen und Stiftungen dafür interessiert, inzwischen will eine wachsende Zahl von Investoren ihre Wertvorstellungen mit finanziellen Zielen in Einklang bringen. Je vielfältiger die Interessenten sind, desto breiter sind eben auch die Ansprüche an Fonds.

Welche Attribute sind Anlegern bei ESG-ETFs wichtig?

Funk: Ausschlaggebend sind vor allem Einfachheit und Transparenz. Außerdem müssen die ETFs leicht zugänglich sein und sollten nicht mehr kosten als klassische passive Fonds.

Wie filtern Sie nicht nachhaltige Aktien aus Indizes?

Funk: Im Auswahlprozess spielen Ausschlusskriterien eine wichtige Rolle. Die neuen ETFs bilden MSCI-Indizes ab, die Unternehmen aus den Branchen Waffen, Tabak, Kohle und Ölsande sowie Häuser, die die Global Compact Prinzipien der Vereinten Nationen verletzen, ausklammern. Wenn Anleger gefragt werden, ob sie in die genannten Assets investieren wollen, antworten die meisten mit „nein“.

Das trifft ja auf fast alle Anleger zu, außer vielleicht auf Waffenlobbyisten und Raucher. Werden ESG-ETFs zur Normalität?

Funk: Ja, genau das ist der Punkt. Die iShares Sustainable Core ETFs kosten genau so viel wie unsere klassischen ETFs – und sind gleichzeitig nachhaltiger.

Wie ist der Filter der iShares Sustainable Core ETFs aufgebaut?

Funk: Unsere Experten prüfen anhand von Geschäftsberichten, ob Unternehmen mit Waffen oder Tabak Geschäfte machen. Dabei werden auch Tochterfirmen genau unter die Lupe genommen. Produziert ein Unternehmen beispielsweise Abschussrampen für Nuklearwaffen, reicht das zum Ausschluss aus den ESG-ETFs.

Die verbleibenden Unternehmen werden in den Sustainable Core ETFs dann nach Marktkapitalisierung gewichtet. Im iShares MSCI World ESG Screened UCITS ETF schließen wir nicht mehr als 10 Prozent der Marktkapitalisierung aus. Dementsprechend hat der Fonds im Vergleich zum Index lediglich einen geringen Tracking-Error.

Mit den neuen nachhaltigen ETFs legt BlackRock auch neue ESG-Modellportfolios auf. Was können sich Anleger darunter vorstellen und an wen richtet sich das Angebot?

Funk: Modellportfolios bietet BlackRock schon lange an. Sie dienen Anlegern als Anregung und Orientierung, um mit ETFs als besonders effizienten Bausteinen in Eigenregie Multi-Asset-Portfolios zusammenzustellen. Die neuen Portfolios wurden um Nachhaltigkeitsaspekte erweitert und stehen allen Investoren zur Verfügung, die eine Hilfestellung für die Strukturierung ihrer Portfolios brauchen.

Wie genau unterstützen die Modelle bei der Portfoliokonstruktion?

Funk: Sie zeigen beispielsweise, wie ein Balanced-Portfolio von BlackRock zu einem bestimmten Zeitpunkt aussieht, haben aber nur eine reine Informationsfunktion. Was Anleger damit anfangen, hängt letztendlich von den individuellen Wünschen ab.