Rose Ouahba, Edouard Carmignac, <br> Eric Le Coz (von links)

Rose Ouahba, Edouard Carmignac,
Eric Le Coz (von links)

Carmignac auf der Zielgeraden

„Nichts ist unmöglich“ – der einstige Werbeslogan des japanischen Automobilherstellers Toyota beschreibt die Haltung von Carmignac Gestion und deren Chef und Gründer Edouard Carmignac wohl am besten. Als der Franzose vor drei Jahren die Renditen durchrechnete, die seine Firma mit einem Vermögen von 50 Milliarden Euro erzielen würde, haben ihn seine Partner für verrückt erklärt. Schließlich verwaltete Carmignac Gestion zu dem Zeitpunkt lediglich 10 Milliarden Euro. Auch zwei Jahre später, als das Vermögen der Fondsgesellschaft immerhin schon die 30-Milliarden-Euro-Schwelle überschritten hatte, erschien das Ziel immer noch etwas zu hoch gegriffen. Nun ist es fast so weit. 49,8 Milliarden Euro ist die Investmentboutique jetzt schwer. Das Überschreiten der 50-Milliarden-Euro-Schwelle ist also nur noch eine Frage der Zeit.

Dass es so schnell geht, habe auch das Carmignac-Team allerdings anfangs nicht erwartet, erklärt der Carmignac-Chefstratege Eric Le Coz. Denn ursprünglich habe man das ehrgeizige Ziel erst 2012 erreichen wollen. Doch Ende 2009 lag das verwaltete Vermögen bereits bei 33 Milliarden Euro. Seit Anfang 2010 sammelte der Fonds weitere 12 Milliarden Euro ein – der Rest ist Performance.

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„Harte Entscheidungen treffen, an seinen Überzeugungen festhalten und sich auch mal von der Benchmark wegbewegen“, so beschreibt Le Coz das Erfolgsgeheimnis der Investmentboutique, die die Finanz- und Wirtschaftskrise weitgehend unbeschadet überstanden hat. Auch jetzt trifft das Team harte Entscheidungen. Zum Beispiel die gegen den Euro. „Anleger, die nicht an die strukturelle Schwäche des Euros glauben, sollten ihre Anteile lieber verkaufen“, sagt der Carmignac-Chefstratege. Denn die europäische Einheitswährung ist für den Finanzexperten ein Risiko, von dem er seine Investoren bewahren will. Die Euro-Aufwertung, die den beiden Flaggschiff-Fonds Carmignac Patrimoine und Carmignac Investissement im Juli einige Performance-Punkte kostete, bezeichnet Le Coz als eine vorübergehende Erscheinung, als einen „akuten Schwächeanfall“ des Dollars.

Erfreuliche Ausnahmen unter den europäischen Ländern gebe es natürlich schon, meint Le Coz. Zum Beispiel Deutschland. Was jedoch Südeuropa und Irland betrifft, erwartet der Carmignac-Experte noch viele Probleme.

Schwellenländer: Indien hui, Russland pfui

Optimistisch zeigt sich Le Coz hingegen in Bezug auf Indien – ein Schwellenmarkt, der in beiden Flaggschiff-Fonds mit jeweils 11 Prozent des Aktienanteils gewichtet ist. „Indien erlebt derzeit einen starken Wirtschaftsboom“, sagt er. Das Land sei politisch stabil, halte seine Inflation unter Kontrolle, verfüge über eine professionelle Zentralbank und verspreche gutes Wachstum. Auch die Binnennachfrage sei groß, was das Land unabhängiger von anderen Volkswirtschaften macht.

Auch China gehört für Le Coz zu interessanten Investmentregionen, auch wenn häufig von einer Überhitzung des Marktes die Rede ist. Die Abkühlung im Immobilien-Sektor sei kein Grund zur Beunruhigung, da diese von der Regierung absichtlich eingeleitet wurde, erklärt der Carmignac-Stratege. Dies sei keinesfalls mit der Immobilienkrise in den USA vergleichbar. Auch die kürzlich beschlossene Anhebung der Mindestlöhne stärke die Kaufkraft der Bevölkerung und käme der Binnennachfrage zu Gute.

Von Osteuropa hingegen – mit Ausnahme von Polen – hält Le Coz nicht viel. Insbesondere Russland sei alles andere als ein Investoren-Paradies, sagt er. Schuld sei die schlechte demografische Situation, geringe Lebenserwartung und eine Regierung, die nicht gerade für ihren fairen Umgang mit Minderheits-Aktionären bekannt ist.

Nachwuchs bei Carmignac

Unterdessen kündigt sich im Hause Carmignac Nachwuchs an – und zwar bei der Anleihenspezialistin und Managerin des Carmgnac Securité sowie Co-Managerin des Carmignac Patrimoine, Rose Ouahba. Lange zu Hause bleiben wird die Managerin jedoch nicht. In den drei Monaten zwischen Mitte Dezember und Mitte März, die Ouahba im Mutterschutz sein wird, übernehmen die Kollegen Charles Zerah und Carlos Galvis ihre Aufgaben. „Wenn ich im Urlaub bin, machen die das schließlich auch“, sagt Ouahba.

Über Personalengpässe macht sich die Managerin ebenfalls keine Gedanken. Schließlich verstärkte die Gesellschaft mit Carlos Galvis und Antoine Colonna Ende August ihr Fondsmanagement-Team. Zudem ist laut Ouahba eine weitere Neueinstellung geplant.

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