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Carmignac: „Ein attraktives Szenario für die 'riskanteste' Anlageklasse“

Eric Le Coz, Carmignac Gestion
Eric Le Coz, Carmignac Gestion
Steigende Inflationsraten in den USA?

Steigende Inflationsraten in den USA, ausgelöst durch die 600-Milliarden-Dollar-Finanzspritze der Zentralbank (Fed), sind für Carmignac keine ausgemachte Sache: Der Wohnimmobiliensektor bleibe weiterhin ein „siechender Markt“ mit einem auf Jahresbasis gerechneten Rückgang in Höhe von 27,5 Prozent bei den Bauausgaben beziehungsweise 25,9 Prozent bei den Häuserkäufen.

Die Inflation bleibe mit einem Jahresdurchschnitt von 0,6 Prozent trotz quantitativer Lockerung auf einem sehr niedrigen Niveau, was bei der amerikanischen Zentralbank (Fed) eher Befürchtungen über den Beginn einer Deflation auslöse. Schon werde über QE3, die vermeintlich dritte Stufe der quantitativen Lockerung der Geldpolitik gesprochen.

US-Staatsanleihen und -Aktienmarkt

Ein Verfall der Assetklasse US-Staatsanleihen in Folge der Geldschwemme? Eher nicht, denkt Le Coz. Ein Rückgang der Kursniveaus dürfte aufgrund der schwachen Inflationsrate und des Aktionismus seitens der Fed verhalten ausfallen.

Gut möglich, dass ein guter Schluck dieser Kapitalströme 2011 in den Aktienmarkt hinüberschwappt. 2011 dürfte das Kurs-Gewinn-Verhältnis des S&P 500 auf 12,5 bis 13 anwachsen – ein Niveau, das Carmignac Gestion relativ attraktiv erscheint.

Kommt die Eurozone nach den Rettungspaketen für Griechenland und Irland nun in ruhigeres Fahrwasser?

Zweifel scheinen angebracht, so Le Coz: Die Rettungspakete würden die Staatskassen nicht sanieren, indirekt jedoch das Bankensystem. Von Fastnet – eine kleine Insel am südlichsten Punkt vor Irlands Küste – bis nach Portugal sei es nur ein „Katzensprung“.

Und eine spanische Grippe? Sie sei nicht auszuschließen. Trotz Anstrengungen der Regierung Zapatero: Spanien, so Le Coz, ist aufgrund der relativen Unabhängigkeit seiner 17 autonomen Regionen, deren Finanzen durch die Krise schwer angeschlagen sind, ein schwer zu reformierendes Land.

Europäischer Aktienmarkt

Das Wachstum in Europa werde 2011 verhalten bleiben und Deutschland auf seine Nachbarn weiterhin deflationären Druck ausüben. Deshalb bleibe man im Hause Carmignac trotz eines relativ niedrigen Bewertungsniveaus vorsichtig. Wir werden weiterhin die Unternehmen bevorzugen, die vom größeren Wachstum in den USA oder in den Schwellenländern profitieren, so Le Coz.

Schwellenländer-Börsen

Die Schwellenländer, drücken sanft aufs Bremspedal, und das sei gut so. Die Gewichtungen von Schwellenländeraktien in den Carmignac-Fonds „dürften“ weiterhin hoch bleiben.

Brasilien werde auch unter der neuen Regierungschefin Dilma Rousseff den langen Weg der Reformen fortzusetzen. Bei Carmignac Gestion ist man sich sicher: Die brasilianische Wirtschaft wird 2011 weiterhin stark wachsen, während die Inflation von der Zentralbank wachsam kontrolliert wird.

Auch Indien stehe gut da. Die Korruptionsaffären konnten den Aktienmarkt nicht aus der Bahn werfen. Dies sei ein Zeichen von Robustheit der indischen Börse.

China leide weiterhin an einer Krankheit, die wir in Europa nur allzu gerne hätten: einer zu kräftig wachsenden Wirtschaft. Dieses Wachstum in Höhe von mehr als 10 Prozent gehe einher mit einem Inflationsdruck, den ein immer noch zu stark kontrollierter Wechselkurs nicht abfangen könne.

Sind Preissteigerungen von 4,4 Prozent ein Grund zur Beunruhigung? Wir glauben es nicht, so Le Coz. Zum einen sei die Inflation zu großen Teilen auf steigende Lebensmittelpreise zurückzuführen, die von der Regierung bereits bekämpft würden.

Zum anderen habe China im letzten Monat bewiesen, dass es künftig in der Lage sei, makroökonomische Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen: Die Mindestreservepflicht der Banken wurde auf 18 Prozent hochgefahren und die Leitzinsen erhöht.

Die Zeit des höchstmöglichen Wachstums um jeden Preis liegt bereits hinter uns, so Le Coz. Der heimische Konsum werde langfristig den wesentlichen Anteil am Wachstum ausmachen, damit sei eine Wiederherstellung des Gleichgewichts beim weltweiten Wachstum „sehr real“.
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