Carmignac-Experte Didier Saint-Georges Irgendwann müssen Zentralbanken die weiße Fahne hissen

Erwartet, dass die Notenbanken bald wieder freizügiger werden könnten: Carmignac-Anlagestratege Didier Saint-Georges | © Pablo Monge Fernandez

Erwartet, dass die Notenbanken bald wieder freizügiger werden könnten: Carmignac-Anlagestratege Didier Saint-Georges Foto: Pablo Monge Fernandez

Mittlerweile dürfte kaum ein Beobachter infrage stellen, dass wir an den Märkten eine Kollision zwischen dem Wirtschaftszyklus, dem geldpolitischen Zyklus und dem politischen Zyklus beobachten. (siehe Carmignac‘s Note von Dezember 2017, „Vergebliche Kassandrarufe?“, und von Juli 2018, „Kollisionskurs“).

Die Märkte passen sich jedoch selten nahtlos an ein neues Umfeld an. Möglicherweise wollen sie es zunächst nicht wahrhaben, wie es schon im letzten Januar der Fall war. Dann jedoch kommt es zu überstürzten Korrekturen wie im Februar oder Oktober. Dies macht es sehr schwierig, selbst eine prinzipiell korrekte strategische Vision effektiv umzusetzen. Das Jahr 2018 wird unter diesem Gesichtspunkt ein besonders enttäuschendes und frustrierendes Jahr für das Fondsmanagement bleiben.

Trotz allem ist eine globale Analyse nach wie vor die Grundvoraussetzung, um das Verhalten der Märkte zu antizipieren. Nun ist es an der Zeit, diese auf 2019 auszuweiten. Das Kollisionsschema ist nicht hinfällig, nur weil ein neues Kalenderjahr begonnen hat. Andererseits dürftendessen Auswirkungen auf die Zins-, Aktien- und Devisenmärkte unterschiedlicher sein. Hieraus ergibt sich eine grundsätzlich vorsichtige Haltung über alle Anlageklassen hinweg, aber auch interessantes Aufholpotential. Verständnis der Wechselwirkungen zwischen der geldpolitischen Normalisierung und der Realwirtschaft.

Erinnern wir uns an die „unerwünschten Folgen“, von denen in der Carmignac‘s Note von 2016, „Die Schlafwandler“, die Rede war. Dieser Begriff der unerwünschten gesundheitlichen Folgen – auch Iatrogenie genannt – bezieht sich auf Mittel, die dem Patienten zunächst helfen, aber langfristig unvermeidlich Nebenwirkungen hervorrufen, die wiederum die Gesundheit des Patienten beeinträchtigen. Das Jahr 2018 markierte den Eintritt dieser Nebenwirkungen. Sie resultieren aus langen Jahren der Abhängigkeit der Märkte und drücken sich in den Kosten für die subventionierte Verschuldung aus.

Es wurde für die Zentralbanken Zeit, für die Märkte ein Ende der Liquiditätsflut einzuleiten. Die Stärkung des Dollars oder die von der US-Notenbank initiierte Zinsanhebung sind Teil dieser Nebenwirkungen und lenken die Aufmerksamkeit der Beobachter auf sich. In dieser Phase des Zyklus sind sie aber nichts Außergewöhnliches. Eine der größten iatrogenen Auswirkungen ist die Verringerung der Bilanz der Fed, die seit Ende 2008 um rund 3.600 Milliarden aufgebläht wurde. Wie sich die 50 Milliarden Dollar Liquidität, die jeden Monat aus dem Finanzsystem abgezogen werden, auswirken ist komplex.

Es wird wohl eben so unterschätzt wie auch vor zehn Jahren unterschätzt wurde, was eine jahrelange quantitative Lockerung verursachen würde. Das Jahr 2018 hat bereits gezeigt, dass diese Verringerung der verfügbaren Dollar-Menge in Verbindung mit der Steuerreform der Trump-Regierung, die auf eine Rückführung von Kapital abzielt, die in Schwellenländern gehaltenen Dollar buchstäblich in die USA abgesaugt hat. Allein dieser Effekt ist für einen Großteil der starken Korrektur an den Aktien- und Anleihemärkten in Lateinamerika und Asien verantwortlich. Im Allgemeinen sind das Wachstum und insbesondere der Welthandel ebenfalls sehr stark von der Verfügbarkeit von Liquidität in Dollar abhängig.