Didier Saint-Georges (Gastautor)Lesedauer: 7 Minuten

Carmignac-Experte Didier Saint-Georges Warum die Zeit der Passiv-Anlagen vorbei ist

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America First

Zum einen hat dieser Paradigmenwechsel eine wesentlich protektionistischere Haltung der Trump-Regierung ausgelöst, die sich verstärkt auf die Märkte auswirkt. Sie richtet sich hauptsächlich gegen China. Sind diese Auswirkungen von Dauer?

Es ist überaus schwierig, wenn gar unmöglich, die Haltung der US-Regierung in naher Zukunft einzuschätzen. Es stellt sich die Frage, ob
Donald Trump als Hauptakteur dies überhaupt selbst weiß. Mittelfristig
stellt eine offene nationalistische Wirtschaftspolitik jedoch eine klare
Wende dar. Die Trump-Administration lehnt den Freihandel, von dem alle Akteure profitieren, als optimales Modell für den Welthandel rundweg ab. Für sie ist der Welthandel ein Nullsummenspiel mit Gewinnern und Verlierern. Deshalb gilt es, alle Handelsabkommen neu zu verhandeln und dabei alles genau abzuwägen, um als Gewinner hervorzugehen.

Ein solcher Neomerkantilismus wird natürlich seit jeher von Großmächten bevorzugt, wenn sie in der Lage sind, die für sie selbst günstigsten Handelsbedingungen durchzusetzen. Mit anderen Worten: Während die Geldpolitik der Fed ausländisches Kapital in die USA lockt, zielt der Handelsprotektionismus der USA darauf ab, sich das größte Stück vom globalen Wachstumskuchen zu sichern. Kein Wunder, dass Anleger heute vor allem auf den US-Markt setzen. Dass dies zu Spannungen führt, ist ebenfalls wenig überraschend. Die US-Regierung hat sicherlich richtig erkannt, dass China auf wirtschaftlicher, geopolitischer und ideologischer
Ebene langfristig der größte Rivale des Landes ist. China könnte den zahlreichen unmittelbaren Forderungen zur Öffnung seines Marktes leicht nachkommen. Das Land hat aber verstanden, dass dies nicht der Kern der Auseinandersetzung ist.

Infolge dieser Spannungen verkaufen Anleger gelegentlich aus Panik, woraus sich gute Einstiegsmöglichkeiten ergeben. Allerdings könnten die Spannungen zwischen China und den USA über
einen Zeitraum fortbestehen, der weit über den kurzfristigen innenpolitischen Horizont in den USA hinausgeht. Damit könnten sie sich
zu einer neuen und dauerhaften Komponente an den Märkten entwickeln.

Nur Verlierer

Niemand kann bestreiten, dass die Globalisierung die Lieferketten optimiert hat, was wiederum für die Margen großer Unternehmen positiv
war. Allerdings ist die Kaufkraft der Beschäftigten bei weitem nicht in gleichem Maße gestiegen. Deshalb unterstützen viele aus der amerikanischen Bevölkerung den wirtchaftliche Nationalismus heute. Dies dürfte sich auch nicht ändern, wenn eine andere Regierung das
Ruder übernimmt. Die Frage lautet, ob sich der zunehmende Protektionismus positiv auf die US-Wirtschaft auswirken wird. Das ist äußerst fraglich.

Neue Zollschranken würden die Einfuhr vieler chinesischer und vielleicht bald auch japanischer oder deutscher Produkte weniger wettbewerbsfähig
machen. Doch ohne die Möglichkeit, diese Importe in ausreichenden Mengen zu niedrigen Preisen zu ersetzen, wäre die amerikanische Industrie heute nicht in der Lage, davon zu profitieren. Tatsächlich ist die US-Industrie voll ausgelastet.

Zudem wäre es verfrüht, in neue Kapazitäten zu investieren, solange nicht bekannt ist was bei den Verhandlungen über den Handel abgemacht wird. Protektionismus würde also vornehmlich bedeuten, dass der amerikanische Verbraucher entweder mehr Geld für die Produkte zahlen müsste oder weniger konsumieren könnte. So würden entweder die Preise steigen oder das Wachstum zurückgehen.

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