Marc Radke (stv. Chefredakteur)Aktualisiert am 04.03.2021 - 17:21 UhrLesedauer: 6 Minuten

Carmignac-Flaggschiff-Manager im Gespräch „Die Zuflüsse kommen bald zurück“

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Welche besonderen Chancen sehen Sie derzeit noch auf der Aktienseite?

Older: Das heutige Umfeld mit geringem Wachstum macht es für Investoren sehr schwierig, Unternehmen mit rentablen Aussichten zu finden. Unser Ansatz besteht darin, Trends zu identifizieren, die sich gegenüber traditionellen Geschäftsmodellen disruptiv verhalten, um unsere Aktienauswahl auf die nächsten vielversprechendsten, langfristigen Wachstumswerte zu konzentrieren. Auf diese Weise entwickeln wir ein multithematisches Portfolio, das sektor- und geografisch übergreifend investiert ist.

Der Trend zur Digitalisierung von buchstäblich „allem“ ist einer unserer Hauptschwerpunkte. Er umfasst die Bereiche Zahlungsverkehr, E-Commerce und Software. Auch das Gesundheitswesen ist ein wichtiges Segment, das für uns von Interesse ist. Es handelt sich um eine sich ständig weiterentwickelnde Industrie, die für große langfristige sogenannte Grower sorgt.

Auch der demographische Wandel treibt weitere Fortschritte voran, da die Weltbevölkerung altert. Neben einigen attraktiven Pharma- und Impfstoffunternehmen, in die wir investiert haben, gibt es erstaunliche Fortschritte in den Biotechnologien zur Behandlung von Krebs, Diabetes und anderen schweren Krankheiten. Auch die Robotik verbessert sowohl den Erfolg als auch die Effizienz von Operationen erheblich.

Welche ökonomischen Kriterien müssen die Aktien-Fondsinvestments zuvorderst erfüllen?

Ouahba: Wenn es um neue Möglichkeiten geht, halten wir Ausschau nach Unternehmen mit großen und expandierenden, zugänglichen Märkten für ihre Produkte und Dienstleistungen. Dabei ist uns durchaus bewusst, dass die meisten der verfügbaren Informationen in der Regel bereits im Aktienkurs enthalten sind. Daher ist es für uns von größter Wichtigkeit, eine divergente Sichtweise zu dem allgemeinen Konsens für jede große Position von uns zu entwickeln.

Wie gehen Sie auf der Rentenseite vor, um Rendite und Sicherheit unter einen Hut bringen? 

Ouahba: Beim Carmignac Patrimoine machen Anleihen derzeit etwa 55 Prozent des Portfolios aus, wovon 13 Prozent des Gesamtvermögens des Fonds nicht Investment Grade sind, während die modifizierte Gesamtduration, also die Empfindlichkeit gegenüber Zinssätzen, auf einem moderaten Niveau bleibt (Stand August). In Europa erwarten wir zwar nicht, dass die Duration einen wesentlichen Performancetreiber darstellt, aber wir stellen fest, dass es im Vergleich zu früheren Krisen in der Eurozone dieses Mal eine weitaus größere Solidarität zwischen den EU-Mitgliedern gegeben hat.

Die Entwicklung der politischen Reaktion der Eurozone während der Coronavirus-Krise hat sich als sehr unterstützend für die Staatsanleihen der Peripherieländer der Eurozone erwiesen, insbesondere die raschen und umfangreichen fiskal- und geldpolitischen Maßnahmen. Wir sehen jedoch weiterhin bessere Risiko-/Ertragsprofile an den Anleihemärkten. Seit dem Höhepunkt der Krise Mitte März haben wir unsere Credit-Allokation mit Blick auf drei verschiedene Themen erhöht: Qualitätsemittenten, die durch die übermäßige Ausweitung der Spreads geschädigt wurden, nachrangige Bankanleihen und Segmente der Tourismusbranche, die sich im Epizentrum der Pandemie befinden.

Wir konzentrierten uns – und werden daran auch zukünftig festhalten – auf Unternehmen, die unserer Ansicht nach einer Liquiditätskrise standhalten können, indem sie im Bedarfsfall neue Schulden aufnehmen, und deren marktfähige Vermögenswerte selbst in einem pessimistischen Szenario den Schuldenstand noch komfortabel abdecken würden.

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