Xavier Hovasse, Manager bei Carmignac Emergents

Xavier Hovasse, Manager bei Carmignac Emergents

Carmignac-Manager Xavier Hovasse über das Comeback der Schwellenländer

„Die Emerging Markets stehen an einem Wendepunkt“

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DER FONDS: Sie haben im März zusammen mit David Park den Carmignac Emergents übernommen. Was machen Sie anders als Ihr Vorgänger?

Xavier Hovasse: Wir sind beide schon seit über sieben Jahren ins Management des Fonds eingebunden. Nach der offiziellen Übernahme haben wir den Investmentprozess kaum geändert. Wir fokussieren uns weiter auf wenig durchdrungene Sektoren mit langfristigen Wachstumsthemen. Bei der Einzeltitelauswahl bevorzugen wir Unternehmen mit erkennbaren Gewinnen, attraktiven freiem Cashflow und Renditen sowie soliden Bilanzen.

Kaum geändert – das klingt, als wäre doch nicht alles exakt beim Alten geblieben.

Eine Änderung ist beispielsweise, dass wir systematische Stopp-Loss-Verkäufe abgeschafft haben. Wir wollen ein Unternehmen nicht verkaufen, weil sein Kurs auf ein bestimmtes Niveau fällt, sondern eher aufgrund von sich verändernden Anlagevoraussetzungen. Bleibt unsere Anlagethese also intakt, sehen wir einen Kursrückgang eher als Nachkaufgelegenheit.

Gleich nach Ihrer Übernahme, im April, gab es einen leichten Durchhänger. Was war da passiert?

Wir waren im Energie- und Rohstoffsektor untergewichtet, das hat die Performance belastet. Gleiches gilt für die Untergewichtung in Brasilien, Korea und Russland. Darüber hinaus haben auch einige der von uns gehaltenen Positionen enttäuscht, beispielsweise Infosys, Tata Motors, Wal-Mart de México und Grupo Banorte.

Und im Mai war es dann genau andersherum?

Dank der sehr guten Performance unserer asiatischen Aktienauswahl konnten wir den größten Teil der Underperformance wieder aufholen. Zu den größten Performance-Lieferanten gehörten etwa China Zhengzhou Yutong Bus, Shanghai International Airport und Fuyao Glass. Aber auch die Erholung von Wal-Mart de Mexico hat geholfen.

Sie managen ebenfalls den Nebenwertefonds Carmignac Emerging Discovery. Gibt es große Unterschiede in der Strategie?

Der Carmignac Emerging Discovery ist ein Small- und Mid-Cap-Fonds, der auch die Frontier Markets im Blick hat. Es gibt keine Aktie, die in beiden Fonds vertreten ist, und auch die regionale Aufteilung ist oft sehr unterschiedlich. Der Investmentansatz ist jedoch ähnlich. Beide Fonds verbinden einen Top-down- mit einem Bottom-up-Ansatz.

In welchen Ländern sehen Sie zurzeit die besten Chancen?

Zwei Länder, von denen wir am meisten überzeugt sind, sind China und Indien. Indien zeigt wohl die deutlichsten Zeichen für eine makroökonomische Erholung. Die Leistungsbilanz könnte in den kommenden Quartalen einen Überschuss aufweisen, das wäre das erste Mal seit acht Jahren. Wir sind überzeugt, dass sich das Wachstum – unterstützt von Regierungsmaßnahmen und einer gelockerten Geldpolitik – im nächsten Jahr beschleunigen wird.

Und was spricht für China?

China ist in einer Übergangsphase. Die Leistungsbilanz hat sich deutlich verbessert, die geldpolitische Lockerung setzt sich fort. Das niedrigere, aber qualitativ hochwertige Wachstum bietet langfristig gesündere Anlagemöglichkeiten. Die rasante Rally der chinesischen Aktienmärkte, vor allem der auf dem chinesischen Festland gelisteten A-Aktien, über die vergangenen drei bis vier Monate war zudem sehr beeindruckend.

Ist dieser Markt nicht langsam reif für eine Korrektur?

Wir haben bei A-Aktien Gewinne mitgenommen und sichern verbliebene Positionen seit kurzem ab. Dennoch sehen wir in China immer noch ausreichend langfristige Anlagemöglichkeiten, vor allem bei den in Hongkong gelisteten H-Aktien und den ADRs. Weitere Liberalisierungen wie das Shenzen-Hongkong-Stock-Connect-Programm und die Aufnahme von in den USA gelisteten chinesischen Aktien in China- und Emerging-Markets-Indizes werden die chinesischen Aktienmärkte weiter unterstützen.

Schwellenländeraktien haben in den vergangenen Jahren schlechter abgeschnitten als Aktien der Industriemärkte. Wird sich das auf absehbare Zeit wieder ändern?


Das Jahr 2015 markiert einen Wendepunkt. Niedrige Energie- und Rohstoffpreise drücken die Inflation, die Regierungen fokussieren sich auf geldpolitische Lockerungen und Wachstum. Wenn die amerikanische Notenbank mit Zinserhöhungen beginnt, werden die Emerging Markets mit Leistungsbilanzüberschüssen die Auswirkungen besser meistern können als die entwickelten Märkte. Auch das Gewinnwachstum dürfte stärker ausfallen als in den Industrieländern. Das wiederum sollte verstärkt Investoren anziehen, die nach Wachstum suchen.

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