Carmignac-Stratege Saint George „Auf Kollisionskurs“

Befürchtet einen eskalierenden Handelskrieg: Carmignac-Stratege Didier Saint George | © Pablo Monge Fernandez

Befürchtet einen eskalierenden Handelskrieg: Carmignac-Stratege Didier Saint George Foto: Pablo Monge Fernandez

Die Notenbanken bremsen ihre Hilfsmaßnahmen. Das ist für die Anleger von großer Bedeutung. Der Rückgang der monetären Stützung gibt aber auch zwei anderen Kräften Raum, die bisher unter dem Druck der außergewöhnlichen Geldpolitik standen: dem Wirtschaftszyklus und der Politik.

Konjunkturdaten stimmen

Was den Zyklus betrifft, so haben sich die Märkte momentan beruhigt und erfreuen sich allgemein besserer Konjunkturdaten. Dies ist auch in den Vereinigten Staaten dank der expansionistischen Haushaltspolitik von Präsident Trump der Fall. Der Zyklus zeigt die ersten Anzeichen einer Abschwächung (siehe Carmignac‘s Note vom Juni 2018 „Countdown“). Auf politischer Ebene führte in den letzten Jahren die globalisierte liberale Wirtschaft, die einerseits die Finanzakteure immer reicher machte, aber nicht den Arbeitnehmern zugute kam, in den Vereinigten Staaten, Lateinamerika und Europa zum Entstehen einer Art Rebellion gegen die etablierte Wirtschaftsordnung. Im letzten Jahr haben wir auf die Gefahr hingewiesen, die diese neue politische Phase auf mittlere Sicht für die Anleger darstellt, sei sie auch berechtigt (Carmignac‘s Note vom April 2017 „Langfristig orientierte Anleger sollten dem Populismus misstrauen“).

Diese Kollision zwischen dem monetären-, wirtschaftlichen- und politischen Zyklus stellt heute das Hauptrisiko für die Märkte dar, auch wenn diese kurzfristig nur auf die politische Komponente fokussiert sind. Kommt es zu einem Handelskrieg? Die Attacke der Vereinigten Staaten auf die Handelsmacht China, zusammen mit dem Versiegen der weltweiten Dollarquelle, hat schon die ersten Opfer gefordert. Seit Anfang des Jahres hat die chinesische Börse 15 Prozent an Wert verloren und infolgedessen kamen die Finanzwerte der Schwellenländer, vor allem ihre Währungen, unter die Räder.

Am stärksten betroffen waren natürlich die Volkswirtschaften, die stark von einer externen Finanzierung in Dollar abhängig sind, an vorderster Stelle Argentinien. Die stetigen-, wenn auch noch schwachen Reformfortschritte wurden von einem Sturm des Misstrauens der Anleger hinweggefegt. Einflussreiche, ideologischen Strömungen innerhalb der amerikanischen Regierung stellen China als strategischen Feind dar, dessen Dynamik es zu brechen gilt. Möchten die Vereinigten Staaten unter dem Deckmantel eines Zollkonflikts verhindern, dass China seinen strategischen Plan „Made in China 2025“ umsetzt?

Wenn ja, wird die Konfrontation lange andauern und viele Opfer fordern. Der chinesische Präsident Xi Jinping ist sicherlich nicht geneigt, sein ehrgeiziges Ziel aufzugeben, wonach Chinas Aufstieg in der weltweiten industriellen Wertschöpfungskette weiter vorangehen soll. Die angekündigte Offensive gegen deutsche Automobilimporte ist ebenfalls Teil dieses Plans. Ist es aber tatsächlich so, dass Donald Trump ein homerischer Held ist, den das Schicksal in einen verhängnisvollen Krieg drängt, der am Ende einen der Protagonisten auslöscht? Das Gegenteil ist plausibel: Amerikas Ziel ist pragmatisch, politisch und sehr viel kurzfristiger.