In den vergangenen Monaten haben die Daten gezeigt, dass Finanzprodukte für verantwortungsbewusste Investitionen zunehmend an Zugkraft gewinnen. Ist dies auch im Schwellenländer-Universum der Fall?

Hovasse: Im Allgemeinen haben die Regierungen der Schwellenländer und ihre Börsen erst spät Industrieländerstandards in Bezug auf Aspekte wie Transparenz, Stimmrechte und Vertretung der Aktionärsrechte gefordert. Angesichts der ursprünglich niedrigen Standards und der steigenden Nachfrage nach verantwortungsbewussten Produkten spielt das Angebot an entsprechenden Produkten daher schon jetzt bei Anlagen in den Schwellenländern eine große Rolle und wird in noch stärkerem Maße an Bedeutung gewinnen.

Anleger sollten jedoch klar zwischen den verschiedenen Arten von verantwortungsbewussten Investmentansätzen unterscheiden: dem Best-in-Class- und dem Best-in-Universe-Ansatz. Angesichts der insgesamt höheren ESG-Standards in Europa könnte ein Best-in-Class-Ansatz eine gute Möglichkeit für die Auswahl von Investments darstellen. Für die Schwellenländer gilt dies jedoch nicht: Angesichts der schlechten Governance-Standards in diesen Ländern glauben wir, dass hier ein Best-in-Class-Ansatz möglicherweise nicht ausreicht. Tatsächlich lässt der weit verbreitete Best-in-Class-Ansatz, in dessen Rahmen sich die Portfoliomanager bei der Titelauswahl an einer Benchmark mit fester Sektorallokation orientieren, die sich aus Unternehmen mit der höchsten Nachhaltigkeitsbewertung zusammensetzt, keinen Platz für die starken Überzeugungen eines aktiven Verwaltungsstils. Dies ist in den Schwellenländern von entscheidender Bedeutung, um in bestimmte Länder und Sektoren zu investieren und andere dagegen vollständig zu meiden. Genau dafür haben wir uns bei unserer Multi-Asset- Schwellenländerstrategie entschieden: Die Aktienanlagephilosophie des Carmignac Portfolio Emerging Patrimoine stützt sich auf einen „Best-in-Universe“-Ansatz, der auf Sektoren und Unternehmen mit unterdurchschnittlicher Durchdringung abzielt, bei denen wir eine verantwortungsbewusste Wachstumsdynamik erkennen. Dabei meiden wir naturgemäß Energie- und Rohstoffunternehmen, die in Bezug auf Governance, Sicherheit und Umweltrichtlinien sehr schlechte Standards aufweisen.

Bei Growth-Aktien erleben wir weiterhin eine überdurchschnittliche Wertentwicklung. Denken Sie, dass sich diese Tendenz negativ auf die Schwellenländer auswirken wird?

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Hovasse: In den vergangenen 20 Jahren haben sich die Schwellenländer von einem Universum für Rohstoff- und Infrastrukturanlagen zu einem eher innovations- und technologieorientierten Universum entwickelt. Vor zehn Jahren waren Technologieaktien lediglich mit einem Anteil von 14 Prozent im MSCI Emerging Market Index vertreten; Energie und Grundstoffe machten dagegen 20 Prozent des Index aus. Heute machen Technologie, Kommunikationsdienste und Konsumgüter knapp die Hälfte des MSCI Emerging Market Index aus, wohingegen der Anteil von Rohstoffen (Energie und Grundstoffe) weniger als 15 Prozent beträgt.