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US-Banknote und zwei Feinunzen Gold im Wert von aktuell 3.300 Euro: Staaten und Zentralbanken haben jüngst die größten Konjunkturpakete geschnürt, die es je in Friedenszeiten gab.  | © imago images / imagebroker Foto: imago images / imagebroker

Carsten Roemheld zu Gold

Vielseitiger Schutz in der Krise

Carsten Roemheld, Kapitalmarktstratege bei Fidelity International

Auch Monate nach dem Ausbruch der Pandemie und dem vorläufigen Höhepunkt der Marktturbulenzen bleiben Anleger in Alarmbereitschaft. Volkswirtschaften können jederzeit von weiteren Infektionswellen wieder in den Lockdown gezwungen werden. Wie wirksam die verschiedenen Konjunkturprogramme sind, ist noch unklar – genau wie die Frage, welche Auswirkungen die massiven Kapitalspritzen von Zentralbanken und Regierungen auf die Verbraucherpreise haben werden.

Für Anleger ist vor allem wichtig, wie sie ihr Portfolio gegen alle Eventualitäten wappnen können. Gold kann hier ein vielseitiges Mittel sein – viele Anleger greifen längst dazu: Im ersten Quartal kauften Anleger erstmals mehr Gold als die Schmuckindustrie.

Gold in einer Deflation

Verunsicherung, wachsende Vorsicht und die sinkende Kaufkraft durch Jobverlust und Kurzarbeit sind nur einige der Einflüsse, die derzeit eine Deflation begünstigen. Sinken die Preise auf breiter Front, würde sich Gold wahrscheinlich immer noch besser entwickeln als Risikopapiere wie Aktien und Hochzinsanleihen. Eine Deflation würde zudem wahrscheinlich mit Turbulenzen an den Finanzmärkten, politischen Unruhen oder massiven Eingriffen von Zentralbanken und Regierungen einhergehen. Auch in diesen Situationen kann sich Gold gut entwickeln.

Angesichts der riesigen Schuldenberge, die Regierungen im Kampf gegen die Corona-Krise anhäufen, werden Politiker und Notenbanker alles daransetzen, dass sinkende Preise den staatlichen Schuldendienst nicht zusätzlich erschweren.

Gold im Umfeld steigender Inflation

In einem inflationären Umfeld bietet Gold besonders großes Potenzial. Staaten und Zentralbanken haben gerade die größten Konjunkturpakete geschnürt, die es je in Friedenszeiten gab. So notwendig dies zur Krisenbewältigung auch war, es könnte in absehbarer Zeit jedoch die Inflation anfachen. Auch Engpässe auf der Angebotsseite sowie weiter gelagerte Themen wie Einkommensungleichheit, Wettbewerbsfragen und Protektionismus können die Teuerungsrate längerfristig in die Höhe treiben.

Anleihen würden darunter stark leiden. Portfolios könnten Mühe haben, ihre Kaufkraft zu erhalten. Dieses Risiko mag geringer sein als das extremer Schwankungen an den Märkten, für viele Anleger ist es aber ein sehr wichtiger Aspekt. In einem solchen Umfeld sollte sich Gold gut entwickeln, da es ein Sachwert und eine von der Politik unabhängige Währung zugleich ist. Dadurch bietet das Edelmetall Schutz vor der finanziellen Repression.

Risiken für Goldanleger

Wie bei jeder Anlagestrategie bestehen auch hier gewisse Risiken. Sollte sich ein nachhaltiges, robustes Wirtschaftswachstum abzeichnen, könnte das den Goldpreis belasten – so war es auch 2016 und 2018. Eine längere Wachstumsphase dürfte jedoch von einer Inflation begleitet werden, was Gold wiederum zugutekäme. Und abgesehen davon: Eine Aktien-Rally würde einem Portfolio mehr nutzen, als Gold indes kosten könnte.

Die vermeintliche Rolle von Gold als Schutz in der Krise wird gelegentlich infrage gestellt. Tatsächlich konnte sich auch der Goldpreis am Höhepunkt der Marktkrise im März 2020 dem allgemeinen Abverkauf nicht widersetzen. Diese Verluste hat er jedoch längst ausgeglichen und sein Vorkrisenniveau schon weit übertroffen. Der kurze Einbruch im März war vor allem technischer Natur: Selbst die sonst so liquiden US-Staatsanleihen wurden von den Turbulenzen in Mitleidenschaft gezogen.

Die Fähigkeit einer Anlage, ein Portfolio vor Schwankungen zu schützen, ist immer bedingt – etwa durch den Grund der Schwankung, den Anlagehorizont und die Größe der Position innerhalb des Portfolios.

Aus historischer Sicht ist Gold verlässlich

Betrachtet man die langfristige Wertentwicklung von Gold, spricht einiges dafür, das Edelmetall nicht als Spekulationsmittel, sondern als langfristigen Wertspeicher zu sehen. Seit dem Zusammenbruch des Bretton-Woods-Systems im Jahr 1971 ist der Goldpreis in allen wichtigen Volkswirtschaften deutlich schneller gestiegen als die Verbraucherpreise. Obwohl es weder Zinsen noch Dividenden abwirft, hat Gold die Renditen am Geldmarkt übertroffen. Und nominal war die Rendite vergleichbar mit der von Aktien. Alle Währungen, die seit dem 18. Jahrhundert existieren, haben im Vergleich zu Gold an Wert verloren – die meisten existieren nicht einmal mehr.

Im Umfeld negativer Realzinsen erscheint die renditelose Anlage Gold als gutes Mittel, um die Krise auszusitzen. Sollte es zu weiteren Verwerfungen am Markt oder einer starken Inflation infolge der massiven Konjunkturprogramme kommen, kann das Edelmetall durchaus attraktive Renditen einbringen. Ein in Euro anlegender Investor sollte allerdings bedenken, dass ein steigender Goldpreis oft von einem fallenden Dollarkurs begleitet wird. Daher ist es empfehlenswert, auch über eine Absicherung des Währungsrisikos nachzudenken.

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