Cash und Cash-ähnliche Anlagen bevorzugt

Bill Gross warnt vor globaler Schieflage

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Schon seit Längerem warnt der Investment-Guru vor mangelnder Liquidität an den Finanzmärkten. In einem aktuellen Kommentar auf der Internetseite von Janus Capital zeichnet der Investor jetzt ein düsteres Gesamt-Szenario.

Die weltweite Finanzpolitik sei gegenwärtig weder konstruktiv noch wachstumsfördernd und werde es auch in absehbarer Zukunft nicht sein, beklagt Gross. Der internationale Finanzmarkt biete daher kaum Erträge.

Das Rückgrat der finanzmarktbasierten Weltwirtschaft sei in eine solche Schieflage geraten, dass es einer umfassenden Neuausrichtung bedürfe. Da brauchten auch die besten Chiropraktiker gar nicht erst zu versuchen, etwas zu richten.

Auch eine einmalige Zinserhöhung durch die amerikanischen Notenbank Fed könne nichts bewirken, so der Börsen-Altmeister. Große politische Anstrengungen seien nötig, die den Fokus auf Staatsausgaben legten – und nicht vordringlich auf ausgeglichene Haushalte. Der Wettbewerb im Abwerten von Währungen bewirke nichts weiter als eine temporäre Atempause beim weltumspannenden Problem der „zu geringen Gesamt-Nachfrage“ im Gegensatz zu einem „Gesamt-Überangebot“.

Die Nachfrage müsse erhöht werden, mahnt Gross. Da sei nicht allein China gefragt, einen schnellen Übergang zu einer verbraucherbasierten Volkswirtschaft anzustreben. Auch die langjährigen Industriestaaten müssten ihren Tribut leisten, ihre Austeritätspolitik aufgeben und in ihre zerfallende Infrastruktur investieren, was seit Langem schon hinausgezögert werde.

Was das für Investoren bedeutet

Der internationale Anleihemarkt biete nur kleine Erträge im Verhältnis zum Risiko. Auch Erträge aus Private Equity oder Hedgefonds können unter den derzeit schlechten Wachstumsbedingungen nicht hoch sein. Daher laute die aktuelle Frage Gross zufolge nicht etwa, wie man in unsicheren politischen Rahmenbedingungen Gewinn machen könne – sondern wie man Verluste vermeide.

Der Börsen-Altmeister empfiehlt, in Cash oder in geldmarktnahe Produkte zu investieren, wie zum Beispiel in Unternehmensanleihen mit ein bis zwei Jahren Laufzeit. Zwar seien auch hier keine hohen Erträge zu erwarten, aber der Erhalt des Kapitals sei unter den jetzigen Bedingungen das Gebot der Stunde.

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