Die Barmenia Gothaer hat mit „Yardstick Re“ ihre erste Katastrophenanleihe (Cat Bond) emittiert und erschließt sich damit erstmals den Kapitalmarkt als zusätzliche Absicherungsquelle gegen Extremwetter. Das teilte der Versicherer mit.

Was ein Cat Bond ist und wie er funktioniert

Ein Cat Bond ist eine Form der Verbriefung von Versicherungsrisiken, mit der ein Versicherer oder Rückversicherer das Risiko eines genau definierten Katastrophenereignisses gegen eine feste Verzinsung an Kapitalmarktinvestoren überträgt.

Der Ablauf: Der Versicherer gründet eine Zweckgesellschaft (Special Purpose Vehicle, SPV), die die Anleihe begibt. Investoren zahlen ihr Kapital in die Zweckgesellschaft ein; dieses Geld wird meist in sichere, liquide Wertpapiere angelegt und dient während der Laufzeit als Sicherheit. Für ihr eingesetztes Kapital erhalten die Investoren regelmäßige Zinszahlungen, die sich aus einer Basisverzinsung plus einem Risikoaufschlag (Spread) zusammensetzen – bei „Yardstick Re“ liegt dieser Spread bei 1,95 Prozent.

Tritt das definierte Ereignis in dem im Bond festgelegten Schweregrad ein, fließt das in der Zweckgesellschaft hinterlegte Kapital – ganz oder anteilig, je nach Struktur – an den Versicherer, um dessen Schaden zu decken. Die Investoren verlieren in diesem Fall ihren Kapitaleinsatz teilweise oder vollständig. Bleibt das Ereignis während der Laufzeit aus, erhalten sie am Ende ihr eingesetztes Kapital vollständig zurück und haben zusätzlich über die gesamte Laufzeit die vereinbarten Zinsen vereinnahmt.

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Für den Versicherer hat das Instrument gegenüber klassischer Rückversicherung einen Vorteil: Da die Deckung vollständig durch das im SPV hinterlegte Kapital besichert ist, entfällt weitgehend das Gegenparteirisiko, wie es bei traditionellen Rückversicherern im Extremfall bestehen kann. 

100 Millionen Euro Flutrisiko abgesichert

Mit „Yardstick Re“ sichert die Barmenia Gothaer gezielt seltene, extreme Flutereignisse im oberen Risikobereich in Deutschland ab. Rund 100 Millionen Euro Flutrisiko werden anteilig auf institutionelle Investoren übertragen. Der Versicherer verspricht sich davon eine gestärkte Risikotragfähigkeit sowie zusätzliche Kapazitäten neben der klassischen Rückversicherung. Der Bond läuft vier Jahre, der Haftungsbeginn ist der 1. Juli 2026.

„Mit Yardstick Re erweitern wir unser Instrumentarium im Risikotransfer gezielt um kapitalmarktbasierte Lösungen“, erklärt Finanzvorstand Harald Epple. Die Transaktion decke bewusst nur das Flutrisiko ab, verschaffe zusätzliche Kapazität und eine Alternative zum klassischen Rückversicherungsmarkt. Als Besonderheit hebt die Barmenia Gothaer das Investment-Grade-Rating von Moody's hervor, das nach eigenen Angaben nur wenige Cat Bonds tragen und einen breiteren Kreis institutioneller Investoren erschließen soll.

Hoher Schadendruck durch Naturgefahren

Nach Einschätzung der Barmenia Gothaer zählt Extremwetter zu den größten Geschäftsrisiken der Branche. Nach GDV-Zahlen verursachten Naturgefahren 2025 in Deutschland Schäden von rund 2,6 Milliarden Euro, im Jahr zuvor waren es 5,7 Milliarden Euro. Der langjährige Durchschnitt liegt laut GDV bei rund zwei Milliarden Euro jährlich.

Als teuerstes Naturereignis für die deutsche Versicherungswirtschaft gilt weiterhin die Flutkatastrophe von 2021 mit rund 10,9 Milliarden Euro Schaden. Strukturell bleibt zudem eine Deckungslücke bestehen: Rund 41 Prozent der Wohngebäude in Deutschland verfügen laut GDV über keinen Elementarschutz.

Wachsender Markt für Katastrophenanleihen

Mit dem Schritt reiht sich die Barmenia Gothaer in eine wachsende Zahl deutscher Versicherer ein, die Naturkatastrophenrisiken über Verbriefungen an den Kapitalmarkt geben. Die Talanx etwa hatte Ende 2024 mit Unterstützung ihrer Tochter Hannover Rück erstmals einen Cat Bond zur Absicherung von Erdbebenrisiken in Chile platziert.

Für Anleger gelten Cat Bonds als Anlageklasse mit vergleichsweise geringer Korrelation zu klassischen Aktien- und Anleihemärkten, da ihr Risiko primär von Naturereignissen statt von Konjunktur oder Zinsniveau abhängt. Der globale Markt hat sich laut Auswertungen von Artemis und Morningstar innerhalb von zehn Jahren auf über 40 Milliarden US-Dollar mehr als verdoppelt. Seit 2002 lagen die historischen Renditen bei durchschnittlich rund 7 Prozent pro Jahr. Wegen ihrer Komplexität gelten Cat Bonds allerdings vor allem für erfahrene institutionelle Investoren mit langem Anlagehorizont als geeignet.