Der Markt für Katastrophenanleihen, auch bekannt als Cat Bonds, hat sich in den zehn Jahren zwischen 2013 und 2023 auf über 40 Milliarden US-Dollar verdoppelt. Das zeigen Auswertungen von Artemis und Morningstar.
Ein wesentlicher Treiber für das Wachstum des Cat Bond-Marktes und des Fondsangebots ist das vermehrte Auftreten von Naturkatastrophen in Verbindung mit einer wachsenden Bevölkerung und zunehmendem Wohlstand in den betroffenen Gebieten. In Kombination führt dies zu deutlich steigenden finanziellen Belastungen aufgrund von Naturkatastrophenschäden. Dies erhöht den Bedarf nach Absicherung und damit die Nachfrage nach Versicherungslösungen, was Versicherungsunternehmen sowie Regierungen dazu veranlasst, nach innovativen Lösungen zur Risikominderung zu suchen.
In diesem Zusammenhang werden Cat Bonds zunehmend auch als politisch gewünschte Option zur Reduzierung der klimawandelbedingten Versicherungslücke und als Maßnahme zur Erhöhung der Resilienz diskutiert. Regierungen und internationale Organisationen erkennen zunehmend die Rolle von Cat Bonds als Instrument zur Stärkung der Widerstandskraft gegenüber Naturkatastrophen und anderen klimawandelbedingten Risiken. Durch die Nutzung von Cat Bonds können Regierungen die finanziellen Auswirkungen von Naturkatastrophen reduzieren und gleichzeitig die Versicherungsdeckung für gefährdete Bevölkerungsgruppen verbessern. Somit bieten Cat Bonds eine alternative Form der Risikotransferlösung, die sowohl für private Unternehmen als auch für staatliche Stellen attraktiv ist.
EZB weist auf ESG-Mehrwert von Cat Bonds hin
Heute sind Cat Bond-Fonds eine tragende Säule des weltweiten Rückversicherungsgeschäfts und wecken das Interesse vieler Anleger. Sowohl aus Sicht von Investoren, aber auch für die beteiligten Versicherungsunternehmen und staatlichen Akteure konnten Cat Bonds ihren Nutzen als Anlage- und Risikotransferinstrument demonstrieren. Selbst die Europäische Zentralbank (EZB) gemeinsam mit der European Insurance and Occupational Pensions Authority (Eiopa) haben kürzlich auf den Mehrwert von Cat Bonds im Zusammenhang mit ESG und Social Impact hingewiesen.
Insgesamt zeigen Cat Bonds, dass sie nicht nur eine attraktive Anlageklasse für ein breites Spektrum von Anlegern sind, sondern auch eine wichtige Rolle bei der Bewältigung globaler Herausforderungen wie dem Klimawandel spielen können. Das starke Wachstum des Cat Bond-Marktes und die zunehmende Anzahl von Publikumsfonds, die in diese Anlageklasse investieren, spiegeln wider, wie attraktiv Cat Bonds als Anlageinstrumente geworden sind. Doch trotz dieses Erfolgs stehen Investoren weiterhin vor Herausforderungen bei der Auswahl von Cat Bond-Fonds.
Komplexe Naturkatastrophen-Risikomodelle
Cat Bonds zeichnen sich durch transparente Strukturen aus, die es Investoren ermöglichen, sich gezielt zu Rückversicherungsrisiken zu exponieren und dabei nur marginale Kredit- oder Zinsänderungsrisiken zu übernehmen. Das übernommene Risiko und die potenzielle Rendite sind detailliert in den Emissionsdokumenten beschrieben und Schadenszahlungen sind klar geregelt.
Der Cat Bond-Markt übernimmt überwiegend sogenannte Spitzenrisiken; es kommt also erst dann zu Auszahlungen, wenn die Schäden außerordentlich hoch ausfallen. Die versicherten schadensreichen Großereignisse lassen sich somit über die Schlagzeilen in den Tagesmedien zeitnah identifizieren. Dies reduziert einerseits den Überwachungsaufwand auf Seiten des Portfoliomanagers, erhöht aber auch die allgemeine Transparenz und stärkt somit das Vertrauen von Investoren in diese Anlageklasse.
Bei der Beurteilung von Investitionen in Cat Bonds stützen sich die in diesem Bereich aktiven Portfoliomanager unter anderem auf Naturkatastrophen-Risikomodelle. Diese Modelle ermöglichen es, eine Aussage über die Ausfallwahrscheinlichkeit und die potenzielle Schadenshöhe von Cat Bonds zu treffen.
Komplexe Modelle
Solche Modelle sind komplex, da sie neben der korrekten Projektion des Ereignisrisikos, abgeleitet aus historischen Daten, geografischen Informationen, klimatischen Mustern und anderen Faktoren, auch die Entwicklung der versicherten Werte, Sekundärrisiken, Änderungen der Bauvorschriften, ökonomischen Folgeeffekte und viele weitere Faktoren berücksichtigen müssen, um die finanziellen Auswirkungen von Katastrophenereignissen zu quantifizieren. Folglich sind diese Modelle stets nur ein näherungsweises Abbild der Realität und enthalten Unsicherheiten, insbesondere da es um die Prognose seltener und unwahrscheinlicher Ereignisse geht, für die nur wenige historische Referenzereignisse zum Vergleich herangezogen werden können.
Das Wissen um diese Unsicherheiten stellt eine große Herausforderung für Cat Bond-Investoren bei der Beurteilung von Anlagemöglichkeiten und der angemessenen Bewertung von Auswirkungen von Naturkatastrophen und anderen potenziellen Risiken dar. Obwohl Naturkatastrophen-Risikomodelle eine wichtige Rolle bei der Risikoeinschätzung spielen, können sich Anleger nicht ausschließlich auf diese quantitative Beurteilung des Risikos von Cat Bond-Anlagen abstützen. Die Risikoeinschätzungen anhand der verwendeten Modelle sind durch weitere, auch qualitative Faktoren zu ergänzen und entsprechend zu modifizieren sowie verschiedene Szenarien zu analysieren, um Portfolios zusammenzustellen, die der angestrebten Risiko-/Ertragspositionierung entsprechen.
Mit der zunehmenden Akzeptanz von und Nachfrage nach Cat Bonds wird erwartet, dass sich diese Anlageklasse weiterentwickeln und eine wichtige Rolle im globalen Finanzsystem spielen wird. Allerdings ist es wichtig, dass Investoren sich der Herausforderungen bewusst sind, die mit dieser Anlageklasse verbunden sind und dass sie sorgfältig ihre Risikotoleranz und ihre langfristigen Anlageziele berücksichtigen.
Über den Autor:
Dirk Schmelzer ist Portfoliomanager bei Plenum Investments
