Während die Fluten in Texas noch nicht vollständig abgeflossen sind und Europa unter Hitzewellen ächzt, verzeichnen die Kapitalmärkte ein Rekordvolumen bei sogenannten Catastrophe Bonds (auch „Cat Bonds“ genannt). Mit einem Volumen von bereits 18,1 Milliarden US-Dollar haben Versicherer in diesem Jahr so viele Katastrophenanleihen ausgegeben wie nie zuvor. Das übertrifft bereits jetzt das Rekordvolumen von 17,7 Milliarden Dollar aus dem gesamten Jahr 2024, wie Daten des Spezialanbieters Artemis.bm zeigen. 

Die Käuferschaft umfasst laut Steve Evans, Chefredakteur bei Artemis, „große institutionelle Investoren, Multi-Strategy-Hedgefonds, Stiftungen und Family Offices".  

Steigende Naturkatastrophenschäden belasten Versicherer

Der Grund ist offensichtlich: Die Versicherungsbranche verzeichnet seit Jahren steigende Schäden durch Naturkatastrophen – Tendenz steigend. Swiss Re prognostiziert, dass diese Summe in Spitzenjahren sogar 300 Milliarden Dollar erreichen könnte.

Catastrophe Bonds funktionieren nach einem simplen Prinzip: Versicherer zahlen Investoren regelmäßige Prämien dafür, dass diese im Katastrophenfall einen Teil der Verluste übernehmen. Tritt das versicherte Ereignis – etwa ein Hurrikan oder Erdbeben – ein, können Anleger ihr investiertes Kapital ganz oder teilweise verlieren.

 

Die Rechnung geht für beide Seiten auf. Investoren erhalten deutlich höhere Renditen als bei traditionellen Anleihen. Der branchenweite Swiss Re Index für Catastrophe Bonds verzeichnete in den vergangenen zwölf Monaten eine Rendite von 14 Prozent, über fünf Jahre sogar mehr als 50 Prozent.

Geringe Korrelation zu traditionellen Märkten

Für institutionelle Anleger bieten Cat Bonds den Vorteil einer geringen Korrelation zu herkömmlichen Finanzmärkten. „Investoren suchen verstärkt nach unkorrelierten Erträgen. Das schafft eine natürliche Nachfrage. Angebot und Nachfrage wachsen somit gleichzeitig", sagt Charles Mixon von Swiss Re. Der Vermögensverwalter ist seit Mai 2025 als Co-Investmentmanager für den GAM Star Cat Bond Fund tätig.

Die Rechnung ist bislang für Investoren aufgegangen. Selbst die verheerenden Hurrikane Helene und Milton im Jahr 2024 führten zu minimalen oder gar keinen Verlusten bei den Anleihegläubigern. Erst „extremere Ereignisse" wie der Hurrikan Katrina 2005 oder ein größeres Erdbeben in den USA könnten zu substanziellen Verlusten führen.

 

Der Markt für Catastrophe Bonds expandiert geografisch und thematisch. Neben klassischen Risiken wie Hurrikanen in den USA werden mittlerweile auch Überschwemmungen in Großbritannien oder Erdbeben in Indien abgesichert.

Im April 2025 wurde mit dem Brookmont Catastrophic Bond ETF sogar der erste börsengehandelte Fonds für Katastrophenanleihen an der New York Stock Exchange lanciert. Das verdeutlicht die wachsende Akzeptanz des Instruments bei einer breiteren Anlegerschicht.

Während die Welt also mit den Folgen des Klimawandels ringt, entsteht so ein neuer Markt, der Naturkatastrophen in handelbare Finanzprodukte verwandelt. Für Versicherer bedeutet das Entlastung, für Investoren neue Renditechancen – und für die Gesellschaft eine weitere Finanzialisierung der Klimakrise.