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Wachtendorf-Kolumne Cathie Wood: Katz-und-Maus-Spiel auf der Rasierklinge

Kein Fan von Star-Fondsmanagerin Cathie Wood
Kein Fan von Star-Fondsmanagerin Cathie Wood: DAS-INVESTMENT-Kolumnist Egon Wachtendorf.

Zillow Group, Fate Therapeutics, Signify Health – hat bei diesen Namen gerade jemand wissend genickt? Dann herzlich willkommen im Fanclub von Cathie Wood. Wobei, nicht missverstehen: Ich gehöre diesem Club nicht an und habe auch nicht vor, ihm beizutreten. Mich wundert nur wieder einmal, wie einfach es doch ist, an der New Yorker Wall Street Superstar-Status verliehen zu bekommen nebst Stempel „besser als Warren Buffett“.

Natürlich, auf das Corona-Jahr 2020 bezogen stimmt das. Und auch im Fünf-Jahres-Vergleich sieht Buffetts Investment-Holding Berkshire Hathaway gegen Woods als ETF aufgelegten Flaggschiff-Fonds Ark Innovation keine Schnitte. Ihre erste größere, im Februar 2021 begonnene Durststrecke scheint die 65-jährige Amerikanerin zudem überwunden zu haben – nicht auszuschließen, dass der inzwischen rund 20 Milliarden US-Dollar schwere Senkrechtstarter bald neue Höchstkurse markiert. Den Triumph, ihrem ehemaligen Arbeitgeber Alliance Bernstein und dem Rest der Welt gezeigt zu haben, welch grandioses Geschäftsmodell in aktiv gemanagten ETFs steckt, kann Wood ohnehin niemand mehr nehmen.

Das soll es dann aber auch gewesen sein mit Lobeshymnen auf „Queen Cathie“. Denn zu einem ernsthaften Vergleich mit Buffett gehört mehr als ein Kalenderjahr, in dem es phänomenal gut läuft. Wood müsste zuvor beweisen, dass sie über mehrere Konjunkturzyklen und unterschiedliche Marktphasen hinweg nachhaltig Mehrwert erzielen kann. Ob sie das schafft? Immerhin beruht der Erfolg des auf disruptive Technologien spezialisierten Ark Innovation maßgeblich auf dem Höhenflug der Tesla-Aktie, die Wood früh gekauft und deren Kursexplosion seit 2019 sie punktgenau prognostiziert hat. Ein Beleg für überragende Analyse-Fähigkeiten? Oder einfach nur Glück, gepaart mit raffinierter Strategie? Weil Wood ihre Transaktionen auf der eigenen Homepage und in den sozialen Medien jeweils taggleich offenlegt, schafft sie sich die für kräftige Kurssteigerungen nötige Nachfrage nach den von ihr favorisierten Titeln zu einem guten Teil selbst.

Wie gut Wood ihre Fans dabei im Griff hat, zeigte sich Ende Juli beim Börsen-Debüt des US-Online-Brokers Robinhood. Zunächst fiel der Kurs mehr als 10 Prozent unter den Ausgabepreis von 38 Dollar – verdoppelte sich dann aber innerhalb weniger Handelstage, nachdem die Gründerin von Ark Investment Management ihren Einstieg kundtat.

Bis Ende Oktober rutschte Robinhood allerdings wieder unter die 40-Dollar-Marke. Und auch bei den eingangs genannten Neu-Erwerbungen des dritten Quartals zeigt der Trend eher nach unten: Die Aktie des Online-Immobilienmarktplatzes Zillow Group verlor gegenüber ihrem im Februar markierten Hoch 66 Prozent, beim Online-Dienstleister Signify Health und der Biotech-Beteiligung Fate Therapeutics sieht es kaum besser aus. Darauf angesprochen, verweist Wood stets stoisch auf das enorme Potenzial ihrer Kaufkandidaten: Jeder weitere Rücksetzer sei eine Gelegenheit zum Nachkauf und schlage sich in künftig noch phantastischeren Kursgewinnen nieder.

Mich erinnert diese Argumentation an ein im Herbst 1998 geführtes Gespräch mit Volker Kuhnwaldt. Der Manager des damals sehr populären Nordinternet (heute: Amundi Internetaktien) trommelte mitten in der Russland-Krise ähnlich lautstark zum Einstieg in sein mit potenziellen kreativen Zerstörern gespicktes Portfolio. Einem Zuwachs von mehr als 700 Prozent bis März 2000 folgte ein Absturz von 96 Prozent.

Woods Ritt auf der Rasierklinge kann also noch eine ganze Weile gutgehen. Aber daran, dass er gut ausgeht, glaube ich keine Sekunde.

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