CFA Society Germany 12 Vorschläge für eine Reform der staatlich geförderten Altersvorsorge

Senioren in einem Schwimmbad. Bei der betrieblichen und der privaten Altersvorsorge müsse sich einiges ändern, findet man bei der CFA Society Germany. | © Getty Images

Senioren in einem Schwimmbad. Bei der betrieblichen und der privaten Altersvorsorge müsse sich einiges ändern, findet man bei der CFA Society Germany. Foto: Getty Images

Die betriebliche (bAV) und private Altersvorsorge (pAV) in Deutschland müsse dringend reformiert werden, fordert der Berufsverband für Profi-Investoren CFA Society Germany. Mitglieder des Verbands haben ein Positionspapier mit zwölf konkreten Reformvorschlägen erarbeitet. Sie wollen damit Lösungen für die nach Sicht des Verbands dringlichsten Probleme anbieten.   

Staatlich geförderte Altersvorsorgeprodukte seien für Anleger zu intransparent und unverständlich. Die Angebote seien außerdem nicht jedem zugänglich: Selbstständige und Arbeitslose hätten zum Beispiel nur eingeschränkte Möglichkeiten, sie in Anspruch zu nehmen.

Die Angebote seien unflexibel und zu wenig an die moderne Berufswelt angepasst – an häufige Arbeitgeberwechsel, Wechsel zwischen Anstellung und Selbstständigkeit oder familienbedingte Auszeiten aus dem Beruf. Weiteres Manko: die steuerliche Behandlung von Altersvorsorgeprodukten. In Steuerfragen blickten viele Vorsorgende kaum durch, kritisiert man bei der CFA Society Germany.

Mit Blick auf Beispiele aus anderen Ländern entwickeln die Autoren insgesamt zwölf Reformideen. So sollten ihrer Ansicht nach die bislang getrennt betrachteten Bereiche bAV und pAV zusammengeführt werden. An einer zentralen, möglicherweise staatlicherseits eingerichteten Stelle sollten alle Informationen über Altersvorsorgeprodukte und deren Anbieter gebündelt werden. Eine zugehörige Online-Plattform könnte weitere Informationen liefern und Finanz-Grundkenntnisse vermitteln, regen die Autoren an.

Angebot mit Opt-out-Möglichkeit

Der so geförderte Wettbewerb unter den Anbietern würde Anlegern einen besseren Überblick über die Kosten der unterschiedlichen Angebote verschaffen, erhoffen sich die Autoren. Zudem sollten alle Erwerbstätigen, also auch die bisher ausgeschlossenen Gruppen, Zugang zu entsprechenden Produkten haben.

Um generell mehr Menschen für die individuelle Altersvorsorge zu gewinnen, sollten Berufstätige automatisch in geförderte Produkte einzahlen, schlagen die Autoren vor. Nur wer dies ausdrücklich wünsche, sollte von den Maßnahmen ausgeschlossen werden (sogenannten Opt-out-Verfahren).

Anlässlich der Veröffentlichung des Positionspapiers sagt Susan Spinner, Vorsitzende der CFA Society Germany: „Deutsche Sparerinnen und Sparer unterschätzen vielfach ihre eigene Versorgungslücke im Alter oder sind unsicher, wie sie diese bestmöglich durch eigenes Handeln schließen können.“ Und weiter: „Als Teil eines globalen Netzwerks von Investment Professionals war es für uns naheliegend, nach internationalen Modellen zu schauen.“ Was in einem anderen Lnad gut funktioniere, sei zwar nicht immer eins zu eins auf Deutschland übertragbar. „Aber genauso wissen wir, dass fast alle entwickelten Industrienationen in Sachen Alterssicherung mit ähnlichen Problemen konfrontiert sind“, so Spinner. Es lohne sich daher, voneinander zu lernen.

Das Positionspapier ist Ergebnis der Tätigkeit einer verbandseigenen Arbeitsgruppe. 14 Verbandsmitglieder hatten seit Herbst 2017 an konkreten Vorschlägen für eine Altersvorsorge-Reform gearbeitet. Hier geht es zu dem 51-seitigen Schreiben >>